31.10.2019 09:51

Begutachtung der universitätsmedizinischen Standorte in NRW

Universitätsmedizin Düsseldorf: Wissenschaftsrat empfiehlt Fortsetzung der Profilschärfung und fordert Investitionen

Heute hat der Wissenschaftsrat seine wissenschaftspolitische Stellungnahme zur Weiterentwicklung der Universitätsmedizin in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Das Beratungsgremium hat dafür auf Veran

„Wir haben in unserem Bericht an den Wissenschaftsrat für das Konzept einer verstärkten Zusammenarbeit unter Wettbewerbern geworben. Damit meinen wir Partner innerhalb der Heinrich-Heine-Universität (HHU) genauso wie außerhalb und Forschungseinrichtungen ebenso wie andere Krankenhäuser. Der Wissenschaftsrat hat diesen Weg der Vernetzung als zukunftsweisend honoriert“, sagt der Dekan der Medizinischen Fakultät der HHU, Prof. Dr. Nikolaj Klöcker. „Solche Kooperationen funktionieren aber nur, wenn alle Kooperationspartner im gemeinsamen Projekt einen klaren Mehrwert für sich erkennen“, so Klöcker weiter. „Aufgabe des Standorts ist es dabei, für verlässliche Rahmenbedingungen wie z.B. gemeinsame Geräteinfrastrukturen, Aus- und Weiterbildungsprogramme und vergleichbare Leistungsanreize zu sorgen.“

„Wir konnten bei der Begehung des Wissenschaftsrates deutlich machen, dass sich der Standort Düsseldorf im Aufbruch befindet. Viele positive Entwicklungen sind in Düsseldorf bereits angestoßen und es ist gut zu sehen, dass die Gutachter diese Ansätze gewürdigt haben und uns ermuntern, diesen Weg weiter zu gehen. Gleichzeitig haben sie deutlich herausgestellt, dass es auch in Düsseldorf noch viele Herausforderungen gibt, für die noch erhebliche Investitionen notwendig sein werden“, so Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Düsseldorf.

Der Wissenschaftsrat hebt in seiner Beurteilung des Standortes Düsseldorf positiv hervor, dass die Düsseldorfer Universitätsmedizin erfolgreich einen strategischen Wandel eingeleitet habe. Dies sei insbesondere am Prozess der Profilbildung erkennbar, der unbedingt fortgesetzt werden solle. Die Bewertungsgruppe spricht dabei konkrete Empfehlungen für die bestehenden Schwerpunkte in Forschung und Krankenversorgung aus. Dazu zählen die Herz- und Gefäßmedizin, die Hepatologie, die Neurowissenschaften und die Onkologie sowie die Verbindung der Disziplinen durch die Stoffwechsel- und Infektionsmedizin. Das Zentrum für Health and Society bildet eine Brücke von den genannten Forschungsbereichen zur Gesellschaft.

Als gutes Beispiel für die vom Wissenschaftsrat explizit empfohlene fachübergreifende Synthese aus herzmedizinischer und diabetologisch-stoffwechselmedizinischer Forschung darf das geplante Forschungsgebäude CARDDIAB gelten. In den Forschungsschwerpunkten arbeitet die Universitätsmedizin eng mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der HHU in Forschungsverbünden der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den sog. Sonderforschungsbereichen, zusammen.
Die Rektorin der HHU, Prof. Dr. Anja Steinbeck, betont die – auch vom Wissenschaftsrat hervorgehobene – profilgebende Bedeutung der Medizinischen Fakultät: „Für meine zweite Amtszeit habe ich eine verstärkte Zusammenarbeit unter den Fakultäten sowie eine engere strategische Abstimmung zwischen HHU und UKD ganz oben auf meine Agenda gesetzt.“ Unter anderem im Rahmen der Künstliche-Intelligenz-Strategie der HHU soll die Zusammenarbeit noch enger werden. „Wir begrüßen und unterstützen dies ausdrücklich“, so Dekan Prof. Dr. Nikolaj Klöcker.

Auch in der Neuromedizin sind Forschung und Krankenversorgung sowie das kooperierende Forschungszentrum Jülich nach Einschätzung des Wissenschaftsrates so gut verzahnt, dass großes Potenzial für die Weiterentwicklung und die Einwerbung von Fördermitteln für größere Verbundforschungsvorhaben besteht. Zudem kann nach Ansicht des Wissenschaftsrates der neurowissenschaftliche Bereich durch die Etablierung einer universitären Psychiatrie auf dem UKD-Campus eine deutliche Stärkung erfahren.
Der 2013 eingeführte Düsseldorfer Modellstudiengang Medizin soll, so die Gutachter, weiterentwickelt werden. Er bereitet die Studierenden fächerübergreifend und praxisorientiert auf den späteren Beruf als Ärztin oder Arzt vor.

Der Wissenschaftsrat sieht aber auch klare infrastrukturelle Herausforderungen, die u.a. mit der zitierten verstärkten Zusammenarbeit einhergehen. Für zukunftsweisende Projekte benötige die Düsseldorfer Universitätsmedizin eine völlig neue und moderne IT-Struktur, gute Netze und die elektronische Patientenakte. Dies sei, so der Wissenschaftsrat, „ein tragendes Thema für die infrastrukturelle Entwicklung des Standortes“.

Auch die bauliche Entwicklung spielt eine Schlüsselrolle. „Die klassischen Trennungen in der Universitätsmedizin weiter aufzubrechen ermöglicht ganz neue Ansätze in Forschung und Krankenversorgung. Doch diese Entwicklung wird durch unsere Gebäudestruktur erschwert: Noch immer fehlen uns die Mittel zur Schaffung eines echten Zentralklinikums, in dem die inhaltlich zusammengehörenden Fachdisziplinen auch räumlich zusammenarbeiten können. In einer solchen Struktur könnten wir die enge Kooperation auch wirklich leben,“ erläutert Ekkehard Zimmer, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKD.

Diese baulichen Hemmnisse werden auch deutlich im Bericht des Wissenschaftsrates genannt, verbunden mit der klaren Empfehlung, hier mit öffentlichen Finanzmitteln stärker zu investieren. Denn obwohl die wirtschaftliche Lage des Standortes – auch aufgrund des weiteren Personalaufbaus – weiterhin schwierig bleibt, liegt in den interdisziplinär-kooperativen Konzepten ein wichtiger Schlüssel zur Zukunftsentwicklung.

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