14.09.2020 09:11

Corona im Fokus: HHU-Expertise zur Pandemie

SARS-CoV-2 kann das Zentrale Nervensystem befallen

Von: Redaktion, Susanne Dopheide

Das Wissen über die Erkrankung COVID-19, die sich generell als Atemwegserkrankung zeigt, wächst stetig mit dem Verlauf der Pandemie dank weltweiter Forschung. Zunächst unerwartet, informieren klinische Berichte auch von neurologischen Symptomen, die nahelegen, dass SARS-CoV-2 auch das Zentrale Nervensystem (ZNS) schädigen kann.

SARS-CoV-2 Viren (grün) besiedeln neuronale Auswüchse im Hirn-Organoiden. Copyright: J. Gopalakrishnan

In einer begutachteten Publikation in The EMBO Journal (2.9.2020) zeigt ein Forschungsteam um Prof. Jay Gopalakrishnan, Institut für Humangenetik, und Prof. Dr. Heiner Schaal, Institut für Virologie, beide Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) zusammen mit Wissenschaftler/innen aus Paris, Köln, Münster und Bonn, dass ein Isolat des Virus einen dreidimensionalen Organoiden des menschlichen Gehirns befällt, nachdem der Organoid dem Virus zwei Tage lange ausgesetzt war.

Das Laboratory for Centrosome and Cytoskeleton Biology des Instituts für Humangenetik, geleitet von Prof. Gopalakrishnan, entwickelt solche Hirn-Organoide, die man sich als „Mini-Hirn in der Petrischale“ vorstellen muss. Sie dienen als Modelle für die menschliche Hirnentwicklung, die Entwicklung von Tumoren und Entwicklungsstörungen.

Das Forscherteam erläutert in der Publikation, dass SARS-CoV-2 die Zellkörper von Nervenzellen der Hirnrinde befällt, nicht aber die neuronalen Stammzellen, wie es z.B. beim ZIKA Virus der Fall ist. Mit hochauflösender Bildgebung können die Autoren des Beitrags nach Exposition der Hirn-Organoide mit SARS-CoV-2 eine Misslokalisation des TAU Proteins vom Axon zum Soma (Nervenfaser zum Zellkörper) zeigen sowie eine Hyperphosphorylierung des TAU Proteins, was vermutlich zum Zelltod führt. TAU ist für die Stabilisierung der Nervenzellen wesentlich. Seine Fehlfunktion ist u.a. ein Kennzeichen der Alzheimer Krankheit.

Zudem co-lokalisiert das Virus überraschenderweise mit dem krankheitsrelevanten TAU Protein, ein Indiz für frühe neuro-degenerative Effekte von SARS-CoV-2-positiven Nervenzellen. Die Studien liefern erste Einsichten in die Wirkung des Virus als ein neurotropisches Virus und zeigen zudem, dass Hirn-Organoiden als Modell für Erkrankungen des ZNS auch bei COVID-19 dienen können.

Originalpublikation: Anand Ramani, Lisa Müller, Philipp Niklas Ostermann, Elke Gabriel, Pranty Abida-Islam, Andreas Müller-Schiffmann, Aruljothi Mariappan, Olivier Goureau, Henning Gruell, Andreas Walker, Marcel Andrée, Sandra Hauka, Torsten Houwaart, Alexander Dilthey, Kai Wohlgemuth, Heymut Omran, Florian Klein, Dagmar Wieczorek, Ortwin Adams, Jörg Timm, Carsten Korth, Heiner Schaal, Jay Gopalakrishnan: SARS‐CoV‐2 targets neurons of 3D human brain organoids. EMBO J (2020)0:e2020106230, doi.org/10.15252/embj.2020106230

 

Kontakt:

Prof. Dr. Heiner Schaal, schaal(at)uni-duesseldorf.de, Institut für Virologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Tel.: +49-211 81-12393

Prof. Jay Gopalakrishnan Ph.D., jay.gopalakrishnan(at)hhu.de, Institut für Humangenetik, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, Tel: +49 211 81-11561

 

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 wirft zahlreiche Fragen nicht nur zu den gesundheitlichen, sondern auch zu wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Folgen auf. Die Wissenschaft liefert hier entscheidende Fakten und Antworten. Viele Forscherinnen und Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) aus unterschiedlichen Disziplinen sind durch ihre Arbeit aktuell gefragte Gesprächspartner der Medien oder auch direkt in das Pandemie-Krisenmanagement eingebunden. Die HHU möchte ihre wissenschaftliche Expertise in die öffentliche Diskussion einbringen, um so zur Einordnung und Bewältigung der Corona-Krise beizutragen.

 

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