06.04.2020 09:38

Corona im Fokus: HHU-Expertise zur Pandemie

Prof. Dr. Jens Südekum: Ökonomische Einordnung der Corona-Pandemie

Von: Carolin Grape

Die weltweite Ausbreitung des Corona-Virus wirft zahlreiche Fragen nicht nur zu den gesundheitlichen, sondern auch zu wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Folgen auf. Viele Forscherinnen und Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) aus ganz unterschiedlichen Disziplinen sind durch ihre Arbeit aktuell gefragte Gesprächspartner der Medien sowie teilweise auch direkt in das Pandemie-Krisenmanagement eingebunden. Die HHU möchte diese fundierte wissenschaftliche Expertise noch stärker in die öffentliche Diskussion einbringen. Daher werden an dieser Stelle mehrfach pro Woche renommierte HHU-Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu Wort kommen – sowohl in Kommentarform als auch in Interviews und redaktionellen Meldungen.

Start der Reihe 'HHU-Expertise in der Corona-Krise': In seinem Gastbeitrag reflektiert Jens Südekum, Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institute for Competition Economics (DICE), die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise (Foto: Kerstin Müller).

Den Anfang macht Ökonom Prof. Dr. Jens Südekum, seit dem Jahr 2014 Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institute for Competition Economics (DICE), mit einem Beitrag zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise.
Jens Südekum gehört laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung zu den fünfzehn einflussreichsten deutschen Volkswirten. Im Dezember 2019 wurde er in den Wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) berufen und berät Bundesminister Peter Altmaier unabhängig in allen Fragen der Wirtschaftspolitik.

 

6. April: Ökonomische Einordnung der Corona-Pandemie

von Prof. Dr. Jens Südekum

Keine Frage: Um die Verbreitung des Corona Virus zu stoppen ist der wirtschaftliche Shutdown notwendig, denn der exponentielle Anstieg der Virusverbreitung muss gestoppt werden.

Natürlich stellt das die die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft vor nie dagewesene Herausforderungen. Jede Woche, in der das öffentliche Leben stillsteht, entstehen wirtschaftlich Kosten, die nach Schätzungen des Ifo Instituts etwa 35 Milliarden Euro betragen. Dies entspricht etwa einem Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands. Aber auch gesellschaftlich und sozial werden die Belastungen immer weiter steigen, je länger die jetzige Situation andauert.

Ziel ist es, den Schaden zu minimieren. Wir brauchen deshalb zunächst eine wirksame Strategie im Kampf gegen das Corona-Virus und dazu gehört auch ein plausibles Ausstiegsszenario aus dem jetzigen Shutdown der Wirtschaft. Dies darf allerdings nicht dazu führen, dass das schrittweise Herauffahren der Wirtschaft zu einer Neuausbreitung des Virus führt und dann Menschenleben gefährdet.

Für den Restart der Wirtschaft müssen daher zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Zahl der Neuinfektionen muss drastisch sinken.
  • Es muss ausgeschlossen sein, dass wir einen Rückschlag erleiden und das Virus sich erneut verbreitet, sobald das wirtschaftliche Leben wieder angelaufen ist.

Andere demokratische Länder – wie Südkorea – haben gezeigt, dass das möglich ist und welche Vorkehrungen dafür jetzt getroffen werden müssen. Von diesen Erfahrungen muss Deutschland lernen.

Wie aber gehen wir mit den wirtschaftlichen Folgen um? Es gilt als sicher, dass es trotz der massiven Staatshilfen zu Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit kommen wird. Dabei werden einige Wirtschaftsbereiche stärker getroffen als andere. Während das bestellte Auto vermutlich einfach später produziert und ausgeliefert wird, wird die ausgefallen Busreise oder der Restaurantbesuch nicht nachgeholt. Wir werden also einerseits einen gewissen Nachholeffekt erleben. Dennoch steht fest: Corona wird zu riesigen konjunkturellen Verlusten führen. Dies wirkt sich am Ende auf viele Bereiche aus. Durch einbrechende Unternehmensgewinne und steigender Arbeitslosigkeit verliert der Staat Steuereinnahmen und die Beiträge für die Sozialversicherung gehen zurück. Gleichzeitig steigen durch die Rettungsmaßnahmen die Ausgaben und die Neuverschuldung.

Glücklicherweise ist Deutschland hierfür gut gerüstet. Wir können uns günstig wie nie am Kapitalmarkt verschulden. Der Arbeitsmarkt war vor dem Corona Ausbruch ebenfalls in guter Verfassung, so dass es zwar zu Bremsspuren kommen wird, eine Massenarbeitslosigkeit zumindest langfristig eher unwahrscheinlich ist. Dies gilt aber nur für Deutschland isoliert vom Rest der EU und der Welt betrachtet. Die Eurokrise hat gezeigt, wie ansteckend Schuldenkrisen für andere Mitgliedsstaaten sein können. Zur Bewältigung der Corona Fragen ist somit auch europäische Solidarität gefragt.
 

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