17.05.19 10:16

Ausstellungs- und CD-Präsentation im Haus der Universität

Mittelalterliche Handschriften zu neuem Leben erweckt

Von: Victoria Meinschäfer

In der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf werden Chorbücher des Klosters Paradiese bei Soest verwahrt, die dort im 14. und 15 Jahrhundert verfasst wurden. Nun wurden die Gesänge dieser Chorbücher von dem Chor Ars Choralis Coeln auf eine CD aufgenommen und zugleich mit der virtuellen Ausstellung „Die cleveren Nonnen aus Paradiese“ am 16. Mai im Haus der Universität vorgestellt.

Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck, ULB-Direktorin Kathrin Kessen, Oberbürgermeister Thomas Geisel, Prof. Dr. Eva Schlotheuber und Dr. Anne Liewert (ULB)

Der Chor Ars Choralis Coeln sang Hymnen und Sequenzen aus den Handschriften des Klosters Paradiese, Fotos: Agnes Lucas

2016 hatte die Düsseldorfer Historikerin Prof. Dr. Eva Schlotheuber gemeinsam mit Prof. Dr. Jeffrey Hamburger (Harvard), Dr. Susan Marti (Bern) und Prof. Dr. Margot Fassler (University of Notre Dame, USA) die Studie „Liturgical Life and Latin Learning at Paradies bei Soest, 1300–1425“ herausgegeben. Ausgehend von einer Gruppe bemerkenswerter und kaum bekannter liturgischer Handschriften des 14. und 15. Jahrhunderts aus dem Dominikanerinnenkloster Paradiese bei Soest (Westfalen) erläutern die Autoren darin die intellektuelle, schriftliche, künstlerische und musikalische Kultur der Nonnen aus interdisziplinärer Perspektive und eröffnen damit gleichzeitig einen völlig neuen Blick auf die Entwicklung des Dominikanerordens im späten Mittelalter. In einem Seminar haben Prof. Schlotheuber und Dr. Anne Liewert von der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf (ULB) nun gemeinsam mit Studierenden der Geschichte und Kunstgeschichte der HHU die virtuelle Ausstellung „Die cleveren Nonnen von Paradiese“ erarbeitet, die in 16 Videos verschiedenste Aspekte der Handschriften erläutert und in das Leben und Arbeiten der Schwestern einführt. Ein Team um Christof Neumann realisierte diese erste virtuelle Ausstellung der ULB. Der Kölner Chor Ars Choralis Coeln brachte die Hymnen und Sequenzen im vollbesetzten Haus der Universität zu Gehör.

 

Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck dankte allen Beteiligten für die beeindruckende Arbeit, mit der sie dieses Zeugnis des Selbstverständnisses von mittelalterlichen Dominikanerinnen heute wieder erschlossen haben. „Sie haben einen schlummernden Kulturschatz wieder ans Licht gebracht.“ Auch der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel zeigte sich begeistert, dass die Handschriften, die im Besitz der Stadt Düsseldorf sind und seit 1977 als Leihgabe in der ULB verwahrt werden, nun in zeitgemäßer Form dargeboten werden. „So werden alte Schätze demokratisiert und allen zugänglich gemacht.“ Die Leiterin der ULB Kathrin Kessen dankte allen Beteiligten, denen es immer wieder gelungen sei, angemessene Lösungen für die komplizierte Digitalisierung der wertvollen Handschriften zu finden und sie jeweils zeitadäquat zu erschließen und zu präsentieren.

 

Die virtuelle Ausstellung führt in die Handschriften und auch in das verblüffende Leben der mittelalterlichen Dominikanerinnen ein. „Das Kloster war zu dieser Zeit ein höchst attraktives Angebot für Frauen aller Stände“, erläuterte Eva Schlotheuber in ihrem Vortrag. „Die Dominikanerinnen hatten früh das Potenzial von Frauenklöstern erkannt und boten eine attraktive Alternative zum sündigen Leben in der Welt. Die Entscheidung für das Leben im Kloster war, anders als wir es heute oft denken, eine selbstbestimmte Wahl eines Lebens in tätiger Nächstenliebe und der zu der Zeit völlig unübliche Zugang zu Bildung für Frauen.“

 

Die Ausstellung ist unterundefined www.ulb.hhu.de/link/paradiese zu sehen, die CD mit einer ausführlichen Broschüre ist im Verlag Aschendorff erschienen.

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