30.07.18 13:37

Exzellenzcluster für Pflanzenwissenschaften zum EuGH-Urteil zur Mutagenese

CEPLAS-Stellungnahme

Von: Redaktion

Am 25. Juli 2018 hat der Europäische Gerichtshofs in Luxemburg über die rechtliche Einordnung von neuen Methoden und Verfahren der Genome Editierung wie der „Genschere“ Crispr/Cas9 in der Pflanzenzüchtung entschieden. Hiernach fallen die durch Mutagenese (Mutationen im Erbgut von Lebewesen) gewonnenen Organismen unter die strenge EU-Gesetzgebung zur Regulierung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und unterliegen grundsätzlich den hier vorgesehenen Verpflichtungen. Pflanzen, die durch Genome Editing wie CRISPR/Cas erzeugt wurden, müssen vor Zulassung auf Sicherheit geprüft werden und unterliegen der Kennzeichnungspflicht.

Prof. Dr. Andreas Weber (Foto: Copyright Jörg Reich / HHU).

Das Gericht bestätigte zudem die geltende "Mutagenese-Ausnahme", durch die Züchtungsverfahren, bei denen die Mutagenese chemisch oder durch Strahlung erfolgt, von der GVO Richtlinie ausgenommen werden. Begründet wird diese Ausnahme damit, dass diese Verfahren (Zitat) ... "seit langem als sicher gelten."

Das Urteil mit seiner pauschalen Einordnung der neuen Züchtungsmethoden als GVO kommt für viele Pflanzenwissenschaftlerinnen wie -wissenschaftler überraschend, es widerspreche sowohl dem im Februar vom Generalanwalt des EuGH vorgelegten Schlussantrag, als auch dem Stand der Wissenschaft. Verschiedene führende und unabhängige Wissenschaftsorganisationen darunter die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) und der "European Academies' Science Advisory Council" hatten sich in der Vergangenheit ebenfalls deutlich gegen eine pauschale Einordnung der neuen Züchtungsmethoden als GVO ausgesprochen.

Diese Einschätzung teilen auch die Forschenden des Exzellenzclusters für Pflanzenwissenschaften CEPLAS (Cluster of Excellence on Plant Sciences) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). CEPLAS-Sprecher Professor Andreas Weber:

"Aus Sicht eines Pflanzenwissenschaftlers ist dieses Urteil nicht nachvollziehbar und nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse begründbar. Natürlich entstandene genetische Varianten und durch Genome Editing erzeugte Pflanzen sind ununterscheidbar. Gezielte Sequenzänderungen, innerhalb des Spektrums an Sequenzvariationen und innerhalb einer Art, sind etwas grundsätzlich anderes, als das Einfügen eines bakteriellen Gens in die Pflanze. Genom-editierte Pflanzen sind wesentlich sicherer als durch chemische Mutagenese erzeugte Linien, da letztere sehr viel mehr Mutationen mit unbekannten Auswirkungen tragen. Es zeigt sich, dass die mehr als 20 Jahre alte Gesetzgebung zu GVOs weder dem Stand des Wissens entspricht, noch den Entwicklungen im Landwirtschaftssektor Rechnung trägt. Eine Novellierung der Gesetzgebung mit spezifischen Regelungen für die Nutzung der Genom-Editierung ist daher dringend angezeigt."

CEPLAS-Mitglied und Alexander von Humboldt-Professor Wolf B. Frommer formuliert seine Meinung zum Urteil deutlich schärfer: "Wir verstehen, das Genom-Editierung im Menschen sicher sein muss und dass eventuelle Risiken, z. B. zu große Mutationen, Schaden anrichten können. In der molekularen Pflanzenzüchtung ist dies nicht relevant, man nimmt nur diejenigen Pflanzen, die genau die Mutation tragen, die man haben will. Und die unterscheidet sich nur in einer oder wenigen Basen. Wenn man mir genug Geld gibt, finde ich die gleiche Mutation auf dem Feld. Und selbst ein intelligentes Kind versteht, dass mehr Mutationen, wie durch Mutagene erzeugt, eher problematisch sein können als gezielt eine Mutation einzuführen. Der Gerichtshof hat es sich entweder einfach gemacht oder hatte Angst vor der Öffentlichkeit. Genom-Editierung braucht klare Richtlinien, aber auf einer ganz anderen Ebene als sie einfach unter das Gentechnikgesetz zu schieben."

CEPLAS wird bei einer öffentlichen Veranstaltung am 30. Oktober 2018 in Düsseldorf zu den Verfahren der Genome-Editierung und deren Perspektiven informieren sowie die Folgen des Urteils diskutieren.

Der Exzellenzcluster CEPLAS (Cluster of Excellence on Plant Sciences) ist ein gemeinsames Forschungszentrum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Universität zu Köln, des Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung und des Forschungszentrums Jülich. Durch die Erforschung verschiedener Pflanzenmerkmale möchten die Wissenschaftler*innen des Clusters innovative Strategien für eine nachhaltige Pflanzenproduktion entwickeln (www.ceplas.eu). Die am Cluster beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind ausgewiesene Experten in ihren jeweiligen Fachgebieten mit z.T. langjähriger Berufserfahrung. Viele sind auch Mitglieder in den Nationalen Akademien der Wissenschaft Deutschlands, Großbritanniens und der USA, die unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen wichtige gesellschaftliche Themen aus der Wissenschaft bearbeiten und ihre Ergebnisse in Politik und Öffentlichkeit zur Diskussion stellen.

 

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

CEPLAS - Cluster of Excellence on Plant Sciences
Dr. Céline Hönl
Managing Coordinator
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Tel.: +49 (0)211 81-11996
undefinedE-Mail senden

www.ceplas.eu





 

 

 

 

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenStabsstelle Presse und Kommunikation