06.09.18 13:13

Männerkongress 2018: „MÄNNER. MACHT. THERAPIE.“

Was steckt hinter der Rückkehr zu archaischen Männlichkeitsbildern?

Von: Victoria Meinschäfer

Am 21. und 22. September findet an der Heinrich-Heine-Universität der nunmehr fünfte Männerkongress statt. 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sich zwei Tage lang mit dem Thema „MÄNNER. MACHT. THERAPIE.“ beschäftigen. Prof. Dr. Matthias Franz vom Klinischen Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie erklärt den aktuellen Anlass für die Themenwahl: „Viele Männer sind stark verunsichert. Migration von außen, soziale Segregation von innen, Globalisierung, wachsende Umweltzerstörung, Digitalisierung der Arbeitswelt – all das befördert individuelle und kollektive Ängste.“

Verschiedene Strategien, diesen Ängsten zu begegnen, werden von den Referenten untersucht. „Wir möchten auf dem Kongress nach den Kontroversen, Konflikten, Tabus und Ängsten fragen, die die unübersehbare Retraditionalisierung von Macht und Männlichkeit bedingen“, erklärt Franz. „Wir fragen auch welche Beiträge die Psychosomatische Medizin und eine psychoanalytisch inspirierte Sichtweise zum Verständnis und zum Umgang mit diesen Prozessen liefern können.“

Auch außerhalb der Politik lässt sich die Rückkehr zu archaischen Männlichkeitsbildern beobachten, so etwa in der Jugendkultur. Damit wird sich Prof. Dr. Michael Günter  (Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Klinikum Stuttgart) in seinem Vortrag „Macht und Ohnmacht, Sexualität und Gewalt. Angstabwehr und Beziehungswünsche in der männlichen adoleszenten Entwicklung“ beschäftigen ebenso wie Gunter Neubauer (Sozialwissenschaftliches Institut Tübingen) in dem Vortrag „Muskelmännlichkeit. ‚Archaische‘ Körperbilder und Körpermodifikationen von Jungen und jungen Männern“. Er betrachtet die Körperbezüge und -ideale von männlichen Jugendlichen sowohl in einer Tradition männlicher Körperlichkeit wie als auch Zugang zu gegenwärtigen Lebensthemen.

Christiane Bakhit wird sich in ihrem Vortrag „Mann, wohin gehst du?“ mit den unterschiedlichen Männlichkeitsbildern in Jugendkulturen beschäftigen: „Da traditionelle Vorbilder von Staat und Kirche an Bedeutung verlieren, eröffnet sich durch die Zugehörigkeit zu Gruppen in Sport (Fußball), Musik (Hip-Hop) und Politik ein kultureller ‚Zwischenraum‘, quasi als Schnittstelle zwischen Individuellem und Sozialem, Unbewusstem und Bewusstem. In diesem subkulturellen Kontext können wechselnde Teilidentitäten inszeniert und ‚im Spiel‘ ausprobiert werden, was soziale Konflikte nach sich zieht und auch Halt und Sicherheit mit sich bringt“, so die Münchner Psychoanalytikerin.

Der Kongress ist eine von der Ärztekammer Nordrhein zertifizierte Fortbildungsveranstaltung und richtet sich auch an die interessierte Fachöffentlichkeit, nur wenige Plätze sind noch frei, Anmeldungen sind unter undefinedwww.maennerkongress-duesseldorf.de möglich.

 

 

 

 

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