05.12.2019 14:32

Ein Weg zur Leukämieprävention?

Unterschiedliche Entstehungsmechanismen zwischen lymphoblastischen Leukämien und Lymphomen im Kindesalter entschlüsselt

Von: Redaktion

Unter dem Mikroskop sehen die Zellen völlig identisch aus. Dennoch entstehen die lymphoblastischen Leukämien im Knochenmark während Lymphome ihren Ursprungsort immer im Lymphknoten haben. Das biologische Verhalten und auch die Entstehungsmechanismen der Leukämie- bzw. Lymphombildung unterscheiden sich dennoch sehr stark voneinander.

Dies haben jetzt drei Arbeitsgruppen in Salamanca, Dresden und Düsseldorf entschlüsselt.

Bei lymphoblastischen Lymphomen ist die falsche und fortdauernde Aktivierung eines Schlüsselenzyms der Immunantwort, der sogenannten Aktivierungsinduzierten Deaminase (AID), oft ein entscheidender Pathomechanismus. AID steuert physiologischerweise die Antikörperreifung und den sogenannten Klassenwechsel von Immunglobulinen. Damit ist sichergestellt, dass im Laufe einer Infektion, die gegen den Erreger gebildeten Antikörper immer wirksamer werden. Es mutiert dafür bestimmte DNA-Abschnitte des Genoms von B-Lymphozyten. Kinder mit Funktionsausfällen in dem kodierenden Gen leiden folglich unter einer schweren Immunstörung, dem sogenannten Hyper-IgM-Syndrom Typ 2.

Im Gegensatz dazu führt eine fälschliche Überaktivierung von AID jedoch zur Lymphomentstehung durch die fehlerhafte Aktivierung von Protoonkogenen (Krebsgenen).  Die Arbeitsgruppen um Prof. Isidro Sanchez-Garcia (Salamanca), Prof. Julia Hauer (Dresden) bzw. Prof. Arndt Borkhardt (Düsseldorf) haben jetzt durch die Entwicklung einer Reihe von neuen Mausmodellen in Kombination mit umfangreichen Sequenzierarbeiten zeigen können, dass die Leukämieentstehung auch AID-unabhängig über andere Transformationsmechanismen erfolgt. Die Arbeiten sind am 5.12. 2019 in der Fachzeitschrift Nature Communications publiziert worden und stellen die Basis dar, um zukünftig präventive Strategien zu entwickeln, die infektions-assoziierte ALL-Entstehung im Kindesalter einmal vermeiden zu können.

Originalpublikation in Nature Communications vom 5.12.2019

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