21.09.18 14:44

Physik: Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreisträger an der HHU

Prof. Dr. Rodrigo Pereira untersucht in Düsseldorf exotische Materieformen

Von: Arne Claussen

Der Brasilianer Dr. Rodrigo Gonçalves Pereira, Physikprofessor an der Universität in Natal, forscht seit September am Institut für Theoretische Physik IV der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Nominiert wurde der Bessel-Forschungspreisträger vom Düsseldorfer Institutsleiter Prof. Dr. Reinhold Egger, mit dem zusammen er an chiralen Spin-Flüssigkeiten arbeiten wird.

Prof. Dr. Rodrigo Gonçalves Pereira von der Universität im brasilianischen Natal ist Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreisträger an der HHU. (Fotos: HHU / Jochen Müller)

Prof. Pereira arbeitet seit September 2018 am Institut für Theoretische Physik IV zusammen mit Prof. Dr. Reinhold Egger (l.), der ihn auch für den Bessel-Forschungspreis nominiert hat.

Prof. Pereira interessiert sich bereits seit seiner Studienzeit für exotische Zustände der Materie. So untersuchte er unter anderem nichtlineare Effekte bei niedrigdimensionalen Ketten von Spinzuständen, den sogenannten Heisenberg-Ketten. Es handelt sich dabei um in Ketten angeordnete magnetische Momente, die über quantenmechanische Prozesse gekoppelt sind. Generell interessiert die Physiker, wie sich in solchen Ketten Energie ausbreiten, zum Beispiel in Form von Spinwellen. Für seine Ergebnisse erhielt er viel Beachtung in der Fachwelt.

Bei seinem Aufenthalt an der HHU will Prof. Pereira sich zusammen mit Prof. Egger und dessen Arbeitsgruppe einem Phänomen in Festkörpern widmen, das unter anderem in Doppel-Perowskit-Materialien auftreten sollte: den „chiralen Spinflüssigkeiten“. Dies ist ein noch nicht experimentell nachgewiesener, exotischer Materiezustand, dessen potenzielle Eigenschaften aber wissenschaftlich hoch interessant sind. Bei Spinflüssigkeiten hat man, anderes als bei „normaler“ Materie, keine lokale Ordnung wie etwa durch regelmäßig ausgerichtete magnetische Momente. In ihr herrschen aber langreichweitige quantenmechanische Korrelationen, die die gesamte Flüssigkeit umfassen. Eine Anregung einer Spinflüssigkeit sollte sich ganz anders ausbreiten als in herkömmlicher Materie; dies wäre auch die Möglichkeit, sie experimentell nachzuweisen.

Die Forschungsarbeiten können für zukünftige Computerentwicklungen eine Rolle spielen, insbesondere wenn hierbei auch supraleitende Strukturen zum Einsatz kommen.

Prof. Egger freut sich auf das gemeinsame Forschungsvorhaben: „Rodrigo Pereira fiel schon während seiner Studienzeit durch maßgebliche Publikationen auf, die noch heute häufig zitiert werden. Er ist ein inspirierender junger Wissenschaftler, der neue Impulse auch für unsere Düsseldorfer Forschungsarbeiten bringen wird.“

Zur Person

Rodrigo Gonçalves Pereira, geboren 1980 in Sete Lagoas im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, studierte Physik an der Staatlichen Universität von Campinas in Brasilien. Er promovierte 2008 an der Universität von British Columbia im kanadischen Vancouver über „Dynamic correlations of S=1/2 quantum spin chains“. Nach einem Postdocaufenthalt in den USA wurde er zunächst im Jahr 2010 Assistant Professor an der Universität von São Paulo, bevor er 2016 zum Professor und Forschungsgruppenleiter am International Institute of Physics – einer der renommiertesten Einrichtungen für theoretische Physik in Südamerika – in Natal wurde.

Prof. Pereira erforscht Fragen der theoretischen Festkörperphysik, unter anderem stark korrelierte Systeme, Quantenmagnetismus und der Einsatz von feldtheoretischen Methoden. Er erhielt im letzten Jahr den Friedrich Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung. Mit diesem Preis arbeitet er seit September 2018 für ein halbes Jahr an der HHU in der Arbeitsgruppe von Prof. Egger.

Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung

Die Preisträgerinnen und Preisträger werden für ihre herausragenden Forschungsleistungen ausgezeichnet. Kandidatinnen und Kandidaten werden von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland nominiert. Der Preis zielt auf in ihrem Fachgebiet international anerkannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland, deren Promotion vor nicht mehr als 18 Jahren abgeschlossen wurde. Von den Nominierten wird erwartet, dass sie zukünftig durch weitere wissenschaftliche Spitzenleistungen ihr Fachgebiet auch über das engere Arbeitsgebiet hinaus nachhaltig prägen werden.

Die Preisträgerinnen und Preisträger können mit dem Preis ein selbst gewähltes Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr durchführen. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert. Die Humboldt-Stiftung verleiht jährlich rund 20 Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreise.

Weitere Informationen: undefinedSeiten der Humboldt-Stiftung

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenStabsstelle Presse und Kommunikation