08.05.2020 10:00

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Gesichtsschilde für das UKD im 3D-Druck

Von: Arne Claussen

Verschiedene Institute und Werkstätten an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) unterstützen das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) gerade auf besondere Weise: Mithilfe von 3D-Druckern stellen sie Gesichtsschilde für den Schutz des Klinikpersonals her. Mit dabei: Zwei Doktorandinnen aus der Pharmazie, die sich einen 3D-Drucker mit nachhause genommen haben, um Tag und Nacht drucken zu können.

3D-Drucker bei der Arbeit, gedruckt werden gerade die unteren Stabilisierungsklemmen für die Gesichtsschilde. (Foto: HHU / Arne Claussen)

Gedruckte Stirnträger in verschiedenen Größen und Farben. In die Zapfen werden später die transparenten Scheiben geklemmt. (Foto: HHU / Arne Claussen)

Fertig montierte Gesichtsschilde. Die transparenten Scheiben werden in den Werkstätten der Chemie und der Physik gestanzt. (Foto: HHU / Sonja Schiller)

Hellen Windolf und Rebecca Chamberlain promovieren am Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie im Arbeitskreis von Prof. Dr. Jörg Breitkreutz. Sie forschen an neuen Darreichungsformen für Medikamente, unter anderen für die personalisierte Medizin. Eines ihrer Arbeitsgeräte: ein 3D-Drucker.

Dann kam eine Anfrage aus dem Corona-Krisenstab des UKD: Es werden dringend mehrere Hundert Gesichtsschilde benötigt; auf dem Markt sind sie Mangelware: Wer kann helfen?

Koordiniert unter anderem von Andreas Palm von der Stabsstelle Arbeits- und Umweltschutz der HHU, Chemie-Werkstattleiterin Sonja Schiller und Werkstattmeister Stefan Stich in der Pharmazie, wurden verschiedene Institute in der Chemie, Pharmazie und Physik aktiviert, die 3D-Drucker besitzen und damit die Stirnträger und Stützklammern für Gesichtsschilde herstellen können. Am Institut von Prof. Breitkreutz stehen allein drei dieser Geräte, weitere gibt es in der Experimentalphysik, der Physikalischen Chemie und im Physikalischen Grundpraktikum. Die ebenfalls notwendigen transparenten Kunststoffteile werden in der Zentralwerkstatt der Physik und in der Feinmechanik der Chemie gestanzt.

Die 3D-Modelldateien für den Druck stellt der Druckerhersteller im Internet zur Verfügung. Doch ein 3D-Drucker wird für die Konzeption von Prototypen verwendet, nicht für die Massenproduktion. Er arbeitet bedächtig, der Druck von zwei Stirnträgern dauert rund fünf Stunden. An einem Labortag an der HHU – aufgrund der Coronabegrenzungen sind experimentelle Arbeiten sowieso nur eingeschränkt möglich – können darum nur wenige Stirnträger gefertigt werden. Um die rund 300 vom UKD benötigten Geschichtsschilde schneller herstellen zu können, haben die beiden Doktorandinnen kurzerhand je einen institutseigenen Drucker eingepackt und im privaten Arbeitszimmer aufgestellt. Windolf: „Da wir die meiste Zeit zuhause sind und um auch die Ostertage und Wochenende zu nutzen, können wir die Drucker doch viel besser zuhause laufen lassen.“ So schafft jede von Ihnen bis zu acht Druckteile pro Tag. Ein anderer Kollege aus der Physikalischen Chemie lässt sogar zwei Drucker in seinem heimatlichen Badezimmer laufen.

Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Jörg Breitkreutz ist stolz auf das persönliche Engagement seiner Doktorandinnen und des Werkstattmitarbeiters: „Auf diese Weise kooperieren wir unbürokratisch und auf sehr praktische Weise zwischen den Instituten und können gleichzeitig die Pflegekräfte und Ärzte an der Uniklinik unterstützen.“

„Insbesondere bei der Versorgung von COVID-19-Patienten auf den Intensivstationen sind die Gesichtsschilde ein wertvoller Schutz für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagt Dr. Susanne Kolbe-Busch, Leitende Krankenhaushygienikerin am UKD. „Wir sind sehr dankbar für das Projekt an der HHU – auch weil diese Schutzausrüstung derzeit auf dem Markt nur schwer in nennenswerten Stückzahlen zu bekommen ist.“

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