11.06.18 14:24

Seit Februar keine neuen Nachweise des multiresistenten Acinetobacter baumannii / Erfolgreiche MRSA-Untersuchung bei Patienten / Zusätzliche Kräfte entlasten Personal auf den Stationen

Freiwilliges Keim-Screening: Universitätsklinikum Düsseldorf geht über Empfehlungen hinaus / Personalrat-Funktionäre klagen gegen 80 neu geschaffene Stellen zur Pflegeentlastung

Von: Stefan Dreising

Im Kampf gegen in jedem Krankenhaus vorkommende Keime hat das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) wesentliche Erfolge erzielt. Bereits seit Ende Februar hat es keine neuen Nachweise des multiresistenten gramnegativen Erregers (MRGN) Acinetobacter baumannii gegeben. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurde die Übertragungskette bereits vor vier Monaten erfolgreich unterbrochen und der Ausbruch beendet. Jüngst hatte das Gesundheitsamt den Umgang und die Maßnahmen der Uniklinik beim Keim-Ausbruch als korrekt bewertet.

Beim Schutz vor multiresistenten Erregern geht das UKD seit Jahren deutlich über die Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes (RKI) hinaus. Am UKD werden Patienten bei der Aufnahme und auch während des stationären Aufenthaltes aktiv und gezielt nach einem festen Risiko-basierten Schema auf Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)-Bakterien untersucht („MRSA-Screening“). Auch für Multiresistente gramnegative Erreger (MRGN), zu denen auch multiresistente Acinetobacter baumanii-Bakterien zählen, und deren Häufigkeit in den letzten Jahren zugenommen hat, erfolgt eine aktive und gezielte Untersuchung im UKD bei einem vorhandenen Risiko (z.B. vorherigen Aufenthalten im Ausland, Behandlung in einem Krankenhaus oder bei  Pflegebedürftigkeit) sowie grundsätzlich bei Aufnahme auf eine Intensiv- oder Überwachungsstation. Alleine im Jahr 2017 wurden über 60.000 Screening-Untersuchungen am UKD durchgeführt: 45.000 mal wurde auf MRSA getestet, über 15.000 mal auf Erreger wie Acinetobacter baumannii.

„Aufgrund dieser intensiven, freiwilligen Suche sind wir in der Lage, entsprechende Keime schnell zu finden und umgehend gezielte Schutzmaßnahmen einzuleiten. Nur Kliniken, die aktiv nach diesen Erregern und nach eventuellen Übertragungsketten suchen, können die Keime auch entdecken und reagieren“, sagt Prof. Dr. Benedikt Pannen, stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKD. Im Sinne des Patientenschutzes sei dieser Schritt für ihn absolut notwendig. Es gebe keinen Grund darauf zu verzichten, auch wenn dann im statistischen Vergleich mit anderen Kliniken mehr identifizierte Keime und Erregerhäufungen an das Gesundheitsamt gemeldet werden.

Jüngstes Beispiel für die erfolgreiche Keimsuche an der Uniklinik: Durch MRSA-Screening auch in der ambulanten Nachsorge konnten acht Patienten mit MRSA in einer Klinik identifiziert werden. Hiervon profitieren nicht nur die Patienten bei nachfolgend geplanten Eingriffen, durch die Analyse des Zusammenhangs konnte auch die Ausbreitung auf andere Stationen verhindert werden.

Personalrat blockiert Entlastung der Pflege

Torsten Rantzsch, Pflegedirektor des UKD ergänzt: „Zusätzlich zu diesem umfassenden Screening haben wir seit 2016 die Pflege personell gestärkt und 80 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen. Das sind immerhin sieben Prozent mehr Stellen in der Pflege.  Damit liegen wir bereits jetzt  über unserem Stellenplan. Das ist  Entlastung für das gesamte Personal, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Zahl der stationären Patienten am UKD 2017 leicht zurückgegangen ist.“

Ergänzend zur Aufstockung im Pflegebereich wurden nochmals 80 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt, die bei der Patientenverpflegung unterstützen, sogenannte Serviceassistentinnen und Serviceassistenten. Diese Einstellungen will der Personalrat der nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten jedoch rückgängig machen und hat Klage gegen diese Entlastungsmaßnahme und damit die Beschäftigung der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus formalen Gründen eingereicht. „Wenn die Klage des Personalrates Erfolg hätte, müssten die Pflegekräfte  diese Aufgaben wieder übernehmen und die neuen Kolleginnen und Kollegen müssten entlassen werden. Dass Funktionäre Entlastungsmaßnahmen für das Personal verhindern und Arbeitsplätze vernichten halte ich für eine völlig absurde Situation“, erklärt Ekkehard Zimmer, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKD. Auch die Einstellung von zwölf ausländischen Pflegekräften wird derzeit durch die Personalvertretung der nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten abgelehnt.

Gewerkschaft blockiert Gespräche mit UKD

Verschärft wird die aktuelle Personalsituation, die deutschlandweit durch den Fachkräftemangel ohnehin bereits sehr angespannt ist, durch Streikmaßnahmen und Streikandrohungen der Gewerkschaft. Eine Mediation wurde von der Gewerkschaft verdi jetzt abgebrochen.

„Hier wird Arbeitskampf auf dem Rücken der Patienten betrieben, wenn deshalb OPs ausfallen oder Schwerkranke in anderen Abteilungen oder Kliniken verlegt werden müssten“, kritisiert Ekkehard Zimmer. Das sei umso irritierender, da das UKD nicht einmal der richtige Ansprechpartner für die Forderungen von verdi sei. „Das UKD darf keine eigenständigen Tarifverhandlungen führen. Es ist Mitglied des Arbeitgeberverbandes NRW und damit über die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) organisiert. Diese Tatsache ist den Gewerkschaftsfunktionären von verdi seit langem bekannt, wird jedoch ignoriert. Die Klinikleitung wird weiterhin alle Schritte unternehmen, um Lösungen im Sinne der Patientinnen und Patienten und der Beschäftigen zu finden.“

Verdi will Verstoß gegen Landesrecht

Im Übrigen würde die Forderung der Gewerkschaft verdi nach eigenständigen Tarifverhandlungen durch das Universitätsklinikum Düsseldorf einen Verstoß  gegen Landesrecht bedeuten. In der Landesverordnung zur Errichtung des UKD als Anstalt öffentlichen Rechts aus dem Jahr 2000 heißt es eindeutig und unmissverständlich:
„Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gelten die von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder abgeschlossenen Tarifverträge und sonstigen Bestimmungen.“

Quelle hierzu undefinedonline (§ 10, Absatz 2):

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