11.06.19 09:31

Neues Netzwerk will genetische Ursachen von Cholestasen besser verstehen – und Therapieoptionen schaffen

Fast zwei Millionen Euro für Leberforschung in Düsseldorf und Hannover

Von: Redaktion: HHU und MHH

Großer Erfolg für die universitäre Medizin in Düsseldorf und Hannover: Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert das Netzwerk HIChol zur Erforschung seltener angeborener Lebererkrankungen, der Cholestasen, mit 1,9 Millionen Euro, verteilt über die kommenden drei Jahre.

Prof. Dr. Verena Keitel-Anselmino koordiniert das neu eingerichtete Netzwerk HiChol.

In dem Netzwerk kooperieren Ärztinnen und Ärzte sowie und Forscherinnen und Forscher des Universitätsklinikums Düsseldorf (Koordination), der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), um sogenannte cholestatische Lebererkrankungen besser zu verstehen und langfristig die Versorgung betroffener Patientinnen und Patienten zu verbessern.

Cholestase bezeichnet eine Störung der Gallebildung oder der Gallesekretion aus der Leber in den Darm. Neben erworbenen Ursachen können angeborene, genetische Veränderungen einer Cholestase zugrunde liegen. Die angeborenen (hereditären) intrahepatischen Cholestasen umfassen ein breites Spektrum an Krankheitsbildern, das von milderen Verlaufsformen, wie der Schwangerschafts-Cholestase, bis hin zu sehr schwerwiegenden Krankheitsbildern, den sogenannten progressiven familiären intrahepatischen Cholestasen (PFIC), reicht. Letztere treten zwar nur bei einer von 50.000 Geburten auf, sind jedoch für bis zu 10 bis 15 Prozent der angeborenen Cholestasen verantwortlich.

Mutationen in Cholestase-assoziierten Genen bewirkten oftmals eine kontinuierliche Schädigung der Leber. Sie schränken die Leberfunktion ein und können zu einer ausgebildeten Leberfibrose oder -zirrhose führen oder sogar zum Leberkrebs. Die Lebertransplantation stellt derzeit die einzige heilende Therapieoption für schwerwiegende Verläufe dar.

Ziele des Konsortiums sind, neue Mutationen zu identifizieren und die bekannten Mutationen funktionell zu charakterisieren, die den schwerwiegenden Cholestasen zugrunde liegen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen leberzellartige humane Zellen und Organoidkulturen nutzen, um die Auswirkungen der gefundenen Mutationen auf Zellvorgänge und die Gallebildung aufzuklären.

"Am Ende würden wir gerne therapeutische Interventionsmöglichkeiten identifiziert haben", betont die Koordinatorin des Netzwerks, Prof. Dr. Verena Keitel-Anselmino, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf." Ein weiteres zentrales Anliegen des Netzwerkes ist der Aufbau eines Krankheitsregisters für hereditäre intrahepatische Cholestasen, mit dessen Hilfe die Versorgung dieser seltenen Krankheiten zukünftig verbessert werden soll", ergänzt Professor Dr. Ulrich Baumann von der MHH. Mit der Forschungsförderung werden an den beteiligten Universitäten die Schwerpunkte molekulare und klinische Hepatologie sowie Transplantations- und Regenerationsmedizin gestärkt.

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