02.11.18 14:26

Wissenschaftlicher Nachwuchs trifft sich zum Austausch in Düsseldorf

Der Ursprung des Lebens: undogmatisch diskutiert

Von: Redaktion / Arne Claussen

Die Frage, wie sich aus einem Haufen toter Materie die Komplexität und Diversität des Lebens auf der heutigen Erde entwickelt hat, beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) haben zum ersten Mal junge Kolleginnen und Kollegen verschiedener in das Thema involvierter Disziplinen zusammengebracht, um sich über ihren jeweiligen Forschungsstand auszutauschen und diesen zu diskutieren. Das Treffen fand vom 22. bis 24. Oktober auf Schloss Mickeln statt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Interdisciplinary Origin of Life Meeting im Oktober 2018 auf Schloss Mickeln. (Fotos: HHU / Erik Hanspach)

Die Biologin und Wissenschaftsjournalistin Caroline Ring erstellte so genannte Graphic Recordings von jeder Präsentation – eine Idee, die nicht nur zu lustigen Grafiken führte, sondern auch die einzelnen Forschungsbereiche greifbarer macht.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Ursprüngen des Lebens (englisch „Origin of Life“) übt eine große Faszination aus, selbst wenn die Forschenden davon ausgehen müssen, dass sie keine endgültigen Antworten finden werden. Dennoch oder vielleicht auch deshalb wird kaum ein Forschungsgebiet so heiß und teils dogmatisch debattiert. Meist sind es lang etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese Debatte dominieren – nicht zuletzt, weil es viel Erfahrung braucht, um die darin involvierten Disziplinen (Geologie, Chemie, Biologie, Physik und vieles mehr) einigermaßen zu überblicken.

„Ich habe großen Respekt vor den führenden Origin of Life-Forschern, denn die Masse an Informationen, die man verarbeiten und wieder logisch zusammenführen muss, ist enorm“, sagt Martina Preiner, Chemikerin und Doktorandin am Institut für Molekulare Evolution an der HHU. „Aber oftmals verfestigen sich unterschiedliche Hypothesen von Einzelpersonen oder einzelnen Teams über Jahre und Jahrzehnte hinweg und stehen sich teils unversöhnlich gegenüber.“ Beispiele hierfür sind Jahrzehnte alte Kontroversen darüber, ob der Stoffwechsel oder aber Informationsmoleküle wie RNA zuerst kamen oder die Diskussionen darüber, wo genau das Leben anfing – in Tiefseequellen oder in heißen Tümpeln an Land. Preiner: „Man könnte und kann doch so viel voneinander lernen.“

Zusammen mit einer Kollegin, der Bioinformatikerin und Postdoktorandin an der HHU Dr. Joana Xavier und mit Unterstützung ihres Institutsleiters Prof. Dr. William F. Martin, organisierte Preiner deshalb das „Interdisciplinary Origin of Life Meeting“ (IOoL), an dem 30 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus aller Welt und aus den verschiedenen Disziplinen teilnahmen. Vom 22. bis 24. Oktober präsentierten sie ihre Sicht zum Ursprung des Lebens und erarbeiteten zusammen neue Perspektiven. Es ging den Promovierenden, Masterstudierenden und Postdoktorandinnen und -doktoranden in Vorträgen und Diskussionsrunden darum, die richtigen Fragen an das Forschungsfeld zu identifizieren und davon ausgehend Möglichkeiten der interdisziplinären Zusammenarbeit zu erarbeiten.

„Dies ging nicht immer ohne kontroverse, teilweise leidenschaftlich geführte Diskussionen vonstatten, aber jeder dem oder der anderen zugehört“, berichtet Joana Xavier. „Man muss ja nicht immer gleich einer Meinung sein, aber es war sehr schön zu sehen, wie sich auch Promovierende und Masterstudierende rege an Diskussionen beteiligten.“ Dies passiert auf anderen Konferenzen selten, fügt ein Teilnehmer hinzu: „Dort streiten sich dann eher etablierte Wissenschaftler über ihre Hypothesen.“

„Aufgrund des guten Feedbacks wollen wir ein Zeichen setzen und arbeiten gerade an einer Publikation von und mit allen Beteiligten“, so Xavier, „in der wir unsere Perspektive auf die Zukunft der Origin of Life-Forschung zu Papier bringen.“ Dabei soll klar gemacht werden, dass die Wahrheit nicht zwangsläufig in einer einzelnen Hypothese liegt, sondern den Erkenntnissen vieler verschiedener.

Die Idee eines Austausches des wissenschaftlichen Nachwuchses ohne die Granden der Forschungsszene war einzigartig und erfolgreich. Die Organisatorinnen planen, das Format weiterzuentwickeln und regelmäßig zu veranstalten.

 

 

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