29.04.2020 12:00

Corona im Fokus: HHU-Expertise zur Pandemie

Der Einfluss von COVID-19 auf Emotionen und Gedächtnis

Von: Redaktion: Arne Claussen

Wie sich Erinnerungen bilden, ist eng mit den Emotionen verbunden, die eine Person während des Ereignisses empfand. Und solche Emotionen können auch wieder empfunden werden, wenn man sich später zurückerinnert. Dr. Julie A. Niziurski und Dr. Marie Luisa Schaper vom Institut für Experimentelle Psychologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) haben nun eine Studie aufgelegt, die insbesondere die Erinnerungen während der COVID-19-Pandemie und ihre emotionalen Verbindungen untersucht. Noch bis zum 3. Mai können sich Interessierte daran online beteiligen.

Dr. Julie A. Niziurski (l.) und Dr. Marie Luisa Schaper vom Institut für Experimentelle Psychologie der HHU untersuchen, wie sich während der COVID-19-Pandemie Emotionen auf die Erinnerung auswirken. (Fotos: privat)

Die Fähigkeit, sich an vergangene Ereignisse zu erinnern, ist für Menschen sehr wichtig. Erinnerungen bestimmen die Identität des Menschen und sein Handeln. Erinnerungen sind jedoch keine „Videoaufzeichnungen“ – sie verändern sich im Laufe der Zeit und unterliegen Verzerrungen.

Positive und negative Emotionen spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Erinnerungen und beim späteren Erinnern. Die HHU-Forscherinnen gehen daher davon aus, dass Emotionen, die durch die und während der COVID-19-Pandemie entstehen (zum Beispiel Einsamkeit, Angst, Sorgen), die Art und Weise beeinflussen werden, wie sich Menschen an diese Zeit erinnern und wie diese Erinnerungen ihr späteres Verhalten beeinflussen.

Im Allgemeinen erinnern sich Menschen gut an emotionale Informationen. Ob dies eher für negative oder für positive Informationen gilt, ist in der Forschung umstritten. Einerseits wird argumentiert, dass Menschen im Allgemeinen auch in einer schlechten Situation nach dem Positiven suchen, deshalb sollten sich die Menschen auch mehr an positive Informationen erinnern. Andererseits wird diskutiert, dass Menschen stark motiviert sind, negative Informationen zu vermeiden, anstatt nach positiven Informationen zu suchen. Aus diesem Grund wird angenommen, dass sich Menschen mehr an Negatives als an Positives erinnern.

Die Erinnerungen einer Person werden nicht nur durch emotionale Informationen beeinflusst, sondern auch durch die Gefühle, die die Person beim konkreten Erinnern empfindet. Dies ist von Mensch zu Mensch verschieden: Manche erfahren ihre Emotionen mit hoher Intensität, verbunden mit sehr starke Gefühlen.

Klinisch werden bei manchen Menschen Zusammenhänge zwischen der Intensität von Emotionen und psychische Störungen beobachtet. Zum Beispiel neigen Menschen mit starken Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS, einer Störung, die mit Angst und Furcht verbunden ist) dazu, negative und positive Emotionen sehr intensiv zu erleben.

Im Allgemeinen verblasst mit der Zeit die Intensität des Erinnerns an Negatives schneller als diejenige an positive Erinnerungen. Dadurch erhält sich der Mensch eine positivere Sicht auf die Vergangenheit. Dies schützt den Menschen vor Depressionen und Angststörungen. Menschen sind zudem eher bereit, über glücklicheres Vergangenes nachzudenken, was positiven Erinnerungen im Gedächtnis frisch hält.

Patientinnen und Patienten mit einer Depression oder solche mit einer PTBS profitieren nicht vom Verblassen an ihre negativen Erinnerungen. Bei einer Depression erinnern sich Patienten an negative und positive Erinnerungen gleich intensiv. Bei stark von PTBS Betroffenen werden negative Erinnerungen mit der Zeit sogar intensiver wahrgenommen, sie erleben also Negatives intensiver als zum Zeitpunkt des Ereignisses.

Die HHU-Psychologinnen Dr. Niziurski und Dr. Schaper wollen untersuchen, ob die COVID-19-Pandemie bei vielen Menschen deutliche emotionale Erinnerungen (sowohl positive als auch negative) hervorruft. Sie haben dazu eine Studie aufgelegt, wie Menschen sich an negative und positive Ereignisse im Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie erinnern. Ihre Fragestellung: Wie wirken sich emotionale Erinnerungen an Ereignisse während dieser Krisenzeit auf das Niveau von Depression, Stress und Angst aus? Dies wird helfen, die psychologischen Auswirkungen der Pandemie zu verstehen. Daraus können sich auch wichtige Handlungsempfehlungen beispielsweise für die Psychotherapie ergeben.

Die Studie läuft noch bis zum 3. Mai 2020, jeder kann teilnehmen. Die Studie ist über diese Webseite [Link: epikur.psychologie.uni-duesseldorf.de/umfragen/Covid-19-Study/] erreichbar.

 

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 wirft zahlreiche Fragen nicht nur zu den gesundheitlichen, sondern auch zu wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Folgen auf. Die Wissenschaft liefert hier entscheidende Fakten und Antworten. Viele Forscherinnen und Forscher der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) aus unterschiedlichen Disziplinen sind durch ihre Arbeit aktuell gefragte Gesprächspartner der Medien oder auch direkt in das Pandemie-Krisenmanagement eingebunden. Die HHU möchte ihre wissenschaftliche Expertise in die öffentliche Diskussion einbringen, um so zur Einordnung und Bewältigung der Corona-Krise beizutragen.

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