07.11.2019 13:35

Ausstellung im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

50 Jahre Thomas-Mann-Sammlung „Dr. Hans-Otto Mayer“ an der Universität Düsseldorf

Von: Carola Spies

Das Kuratorenteam: Dr. Ute Olliges-Wieczorek und Prof. Dr. Volkmar Hansen (Foto: Lara Müller/HHU)

Vor 50 Jahren wurde die international renommierte Privatsammlung des Düsseldorfer Buchhändlers und Historikers Dr. Hans-Otto Mayer (1903-1983) dank einer großzügigen Spende des Düsseldorfer Bankiers Rudolf Groth von der Gesellschaft der Freunde und Förderer für die Universität angekauft. Aus diesem Anlass präsentiert die Universitäts- und Landesbibliothek ausgewählte Stücke, die das Werden und Wachsen der Sammlung anhand von Ereignissen aus dem Leben Thomas Manns nachzeichnet und einen Blick auf das Netzwerk um Hans-Otto Mayer und die Thomas-Mann-Forschung wirft. Erstmals werden Autographen Thomas Manns gezeigt, die zu den Glanzstücken von Mayers Sammlung gehören.

Die Sammlung umfasst sämtliche Werk- und Einzelausgaben, aber auch Beiträge in Zeitschriften, Sammelbänden und Zeitungen, Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen sowie zahlreiche seltene illustrierte bibliophile Ausgaben der Werke Manns sowie ein mehr als 30.000 Ausschnitte umfassendes Ausschnittarchiv, fast 6000 Kopien und Abschriften der Briefe Thomas Manns sowie Thomas-Mann-Porträts. Die Anfänge der Sammlung liegen im Jahr 1919. Zu seiner Konfirmation erhält Mayer Thomas Manns Roman „Buddenbrooks“ geschenkt und er beginnt alles das, was Thomas Mann bis dahin publiziert hat, in seine Sammlung zu integrieren.

Beginnend 1919 fokussiert die Ausstellung in Dekaden das Leben Thomas Manns und wichtige Dokumente aus der Sammlung Hans-Otto Mayers. 1919 veröffentlichte Thomas Mann eine zweite Fassung seines umstrittenen Essays „Die Betrachtungen eines Unpolitischen“. In diesem Kontext stehen die eigenhändig geschriebenen Briefe Thomas Manns an den Theaterkritiker und Schriftsteller Karl Strecker, in denen er sich für Streckers Sympathiekundgebungen für sein Werk bedankt und auf erste Rezensionen hinweist. Mayer bezeichnet diese Briefe als „Glanzstücke“ seiner Autographensammlung. Sie werden in der Ausstellung ebenso präsentiert wie das Original der Ehrendoktorurkunde, die Thomas Mann am 3. August 1919 von der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn verliehen wurde. Zu den weiteren besonders hervorzuhebenden Exponaten in diesem Zusammenhang zählen die eigenhändigen Briefe Thomas Manns an den Stralsunder Regierungspräsidenten Hermann Haußmann, die ein anonymer Spender der Thomas-Mann-Sammlung anlässlich ihres 50jährigen Jubiläums schenkte. Sie zeigen, wie Thomas Mann den entschiedenen Demokraten Haußmann gegen die Anfeindungen der rechten Verfassungsgegner unterstützte und damit zu einem Verteidiger der Weimarer Verfassung wird.

1929 erhält Thomas Mann für seinen Roman „Buddenbrooks“ den Nobelpreis für Literatur. Die in der Ausstellung zu sehende Kopie der Nobelpreisurkunde erhielt Mayer von der Familie Mann geschenkt. Dokumentiert werden auch die sehr unterschiedlichen Pressereaktionen auf die Nobelpreisverleihung – von positiver Bestätigung bis zur entschiedenen Kritik in den rechten nationalistischen Tageszeitungen. Mayer hat mehr als 190 Artikel zu diesem Thema gesammelt und in seinem Ausschnittarchiv abgelegt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Roman „Lotte in Weimar“. Er erschien 1939, in einer Zeit, in der Thomas Mann sich bereits im amerikanischen Exil befand und seine Bücher in Deutschland nicht mehr verkauft werden konnten. Die Ausbürgerung aus dem Deutschen Reich führte auch zur Aberkennung der Ehrendoktorwürde. Thomas Manns Antwortbrief an den Dekan der Bonner Philosophischen Fakultät erschien als Tarnausgabe, „Briefe deutscher Klassiker“ betitelt. Mayer erhielt diese seltene Ausgabe im Kleinstformat auf einer Auslandsreise 1937. Er konnte sie nach Deutschland schmuggeln. Dokumentiert wird der Entstehungskontext und die Quellen, die Thomas Mann für seinen Goethe-Roman benutzte. Gezeigt wird, von welchen Bildern und Texten er sich für die Gestaltung des Romans inspirieren ließ. Vorababdrucke, Erstausgaben und frühe Übersetzungen dokumentieren die Rezeption des in Deutschland verbotenen Werkes. Die Rezeption von „Lotte in Weimar“ wurde in den Niederlanden sehr stark durch Thomas Manns Freund Menno ter Braak gesteuert. Der liberale Kritiker der großen niederländischen Tageszeitung „Het Vaderland“ nahm sich nach dem Einmarsch der Deutschen in die Niederlande das Leben. Die Ausstellung präsentiert das handschriftliche Original des Nachrufs „In memoria Menno ter Braak“, den Nachruf Thomas Mann am 25. April 1947 für die Zeitschrift „Het Parol“ verfasste. Mayer erhielt die Handschrift als Geschenk zu seinem 65. Geburtstag von der Familie Mann.

Mit seinem Exilblick führt der Roman „Lotte in Weimar“ an Thomas Manns Deutschlandbesuch 1949 heran. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann Mayer mit dem systematischen Ausbau seiner Sammlung. In der Schrobsdorff‘schen Buchhandlung auf der Königsallee, in die Mayer 1943 übernommen hatte, brachte er seine Sammlung in einem separaten Raum unter. Der Aufbau eines Forschungsnetzes kennzeichnet die Jahre um 1959. Die Sammlung wurde zu einem Zentrum der Thomas-Mann-Forschung. Mayer selber publiziert zusammen mit seinem Freund Hans Bürgin eine Chronik des Lebens Thomas Manns (1965) sowie das fünfbändige Briefregestenwerk (1976-1987), das noch heute das wichtigste Instrument für die Erschließung der ca. 30.000 Briefe, die Thomas Mann geschrieben hat, ist. Nach dem Besuch Thomas Manns in seiner Sammlung im August 1954 entstehen intensive Kontakte zur Familie Mann. Eigenhändige Briefe Katia und Erika Manns sowie Fotos von Besuchen bei Mayer zeugen davon. Die schon durch Mayer begründeten Forschungsnetzwerke wurden durch die Übernahme der Sammlung durch die Universität gefestigt. Mehr als 400 Besucher aus der ganzen Welt zählt die heute meist genutzte Sammlung der ULB jährlich. 2009 wurde von jungen Forschern der Universität die Thomas Mann-Gesellschaft Düsseldorf gegründet, die mit Vorträgen, Lesungen und wissenschaftlichen Arbeiten an Mayers Forschungsnetzwerk anknüpft.

Eröffnet wird die Ausstellung am 7. November 2019 um 18 Uhr mit einem Vortrag zu „Goethes Tischgesprächen in Thomas Manns Roman ‚Lotte in Weimar‘“ und einer Lesung aus dem Roman von Studierenden des Schwerpunktbereichs Mündlichkeit der HHU.
 

Begleitprogramm zur Ausstellung

06.12.2019, 18 Uhr
Forum Düsseldorfer Thomas Mann-Forschung: Vortragsveranstaltung

20.01.2020, 14 Uhr
Finissage: Lesung aus Thomas Manns Roman Lotte in Weimar mit Moritz Führmann

 

 

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