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15.10.2019 10:28

NEJM “Letter to the Editor”

HIV-Therapie: Resistenzentwicklung gegen Dolutegravir in der Erstlinien-antiretroviralen Therapie

Das Medikament Dolutegravir wird in Leitlinien auch der WHO aufgrund seines hohen antiretroviralen Potenzials und seiner ebenfalls hohen Barriere für eine Resistenzentwicklung in der initialen antiretroviralen Therapie (ART) gegen HIV-Infektionen empfohlen. In dem "Letter to the Editor" des New England Journal of Medicine wird über den Fall einer Resistenzentwicklung berichtet.

Erstautorin Dr. Nadine Lübke wurde mit dem „Wissenschaftpreis für klinische Virologie 2019“ der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und der Gesellschaft für Virologie (GfV) ausgezeichnet. Zu der Auszeichnung trug diese aktuelle Publikation bei.

Das Medikament Dolutegravir wird in nationalen und internationalen Leitlinien sowie seit kurzem auch in den Leitlinien der WHO aufgrund seines hohen antiretroviralen Potenzials und seiner ebenfalls hohen Barriere für eine Resistenzentwicklung in der initialen antiretroviralen Therapie (ART) gegen HIV-Infektionen empfohlen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Universitäten Düsseldorf und Köln, sowie Kooperationspartner aus Kaiserslautern, Berlin und Saarbrücken um Erstautorin Dr. Nadine Lübke (Institut für Virologie) und Letztautor Prof. Dr. Dieter Häussinger (Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie) berichten nun über den ersten vollständig dokumentierten Fall einer Resistenz gegen das Medikament Dolutegravir in einer Erstlinien-Therapie. Die Autoren weisen darauf hin, dass bei einem unzureichenden Therapieansprechen einer initialen Dolutegravir-haltigen ART auch eine Resistenz gegen Dolutegravir als Möglichkeit berücksichtigt werden müsse.

Eine Fallbeschreibung wurde in einem Letter to the Editor des New England Journal of Medicine (29. August 2019) veröffentlicht: Ein 27jähriger Mann, infiziert mit dem HIV-1 Subtyp F und ko-infiziert mit Tuberkulose wurde mit einer Kombinationstherapie - Emtricitabine, Tenofovirdisoproxilfumarat und Dolutegravir - behandelt. Die Viruslast sank in den ersten drei Wochen der Therapie und es fand ein langsames Ansteigen der T-Zellen statt. Unter Therapie kam es zu einer klinischen Verschlechterung der Tuberkulose, die als Reaktion auf den Beginn der ART (immune reconstitution inflammatory syndrome (IRIS)) interpretiert wurde. Nach erfolgreicher klinischer Stabilisierung konnte der Patient aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Seine Viruslast stieg danach an, angenommen wurde mangelnde Therapieadhärenz des Patienten, da im Verlauf der Therapie die Viruslast wieder tendenziell absank. Trotz stabiler Plasmaspiegel konnte dann aber keine ausreichende Unterdrückung der Virusreplikation erreicht werden.

Acht Monate nach HIV Diagnose zeigte eine HIV-Resistenzanalyse Resistenzmutationen gegenüber zwei eingesetzten Wirkstoffen - Emtricitabine und Dolutegravir. Erst nach Wechsel der antiretroviralen Therapie - Emtricitabine, Tenofovirdisoproxilfumarat, Rilpivirine und Ritonavir-geboostertes Darunavir - konnte eine stabile Virusunterdrückung erreicht und die Tuberkulosetherapie erfolgreich beendet werden.

Die im Detail aufgearbeitete Resistenzentwicklung gegenüber Dolutegravir in dieser Erstlinientherapie zeigt, dass auch bei Substanzen mit sehr hoher genetischer Barriere gegenüber Resistenzentwicklung eine engmaschige Kontrolle der HI-Viruslast sowie bei fehlender vollständiger Suppression derselben Resistenztestungen erforderlich sind.

Erstautorin Dr. Nadine Lübke wurde mit dem "Wissenschaftpreis für klinische Virologie 2019" der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) und der Gesellschaft für Virologie (GfV) ausgezeichnet. Neben ihrer langjährigen klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit im Bereich der HIV-Resistenztestung hat diese aktuelle Publikation dazu beigetragen.

Originalpublikation:

Lübke, N., B. Jensen, F. Hüttig, T. Feldt, A. Walker, A. Thielen, M. Däumer, M. Obermeier, R. Kaiser, E. Knops, E. Heger, S. Sierra, M. Oette, T. Lengauer, J. Timm and D. Häussinger (2019). "Failure of Dolutegravir First-Line ART with Selection of Virus Carrying R263K and G118R." N Engl J Med 381(9): 887-889.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie, haeussin@uni-duesseldorf.de,

Tel.: 0211 / 81-16330

Dr. Nadine Lübke, nadine.luebke@med.uni-duesseldorf.de

Dr. Björn Jensen, Oberarzt, Tel über Zentrale: +49-211-81-18713 oder

Tel +49-211-81-18942, : bjoern-erikole.jensen@med.uni-duesseldorf.de

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