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26.08.19 16:17

iGEM-Team der HHU 2019

HHU-Studierende forschen an der Zukunft der Milchindustrie

Von: Arian Abbasi für das iGEM-Team / Redaktion

Die „Milch der Zukunft“ zu entwickeln ist das Ziel des iGEM-Teams 2019 der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU). Das „SynMylk“-Team aus 17 Studierenden will mithilfe speziell dafür entwickelter Mikroorganismen die Hauptbestandteile von Milch im Bioreaktor erzeugen und zu einem Getränk zusammensetzen. Sie treten damit, als viertes HHU-Team, beim internationalen iGEM-Wettbewerb an.

Das iGEM-2019-Team der HHU. (Foto: Christina Venetidou)

Laut einer Studie des University College London entwickelten die ersten Menschen bereits vor etwa 7.500 Jahren eine Laktoseverträglichkeit und die damit verbundene Möglichkeit des Milchkonsums, die sich rapide weltweit ausbreitete. Auch heute spielen Milchprodukte eine sehr wichtige Rolle: Laut statistischem Bundesamt verzehrte jeder Deutsche im letzten Jahr knapp 50 Kilogramm Milch.

Weniger bekannt sind die problematischen Aspekte der Milchwirtschaft. Die Menge an Tieren belastet die Umwelt stark. Ein deutschlandweiter Report des Johann Heinrich von Thünen-Instituts zeigt, dass 2017 die bundesweit 4,2 Millionen Milchkühe rund die Hälfte der gesamten Treibhausgase aller Nutztiere produzierten. Ein weiterer Aspekt ist das Tierwohl. So führten nach Statista Preiskämpfe der letzten Jahre zu einem kontinuierlichen Anstieg der durchschnittlichen Milchleistung je Kuh. Schließlich ist auch die Verunreinigung der Milch mit Antibiotika- und Hormonrückständen, die aus Zucht und Haltung resultieren, kritisch zu sehen.

Ein 17-köpfiges Team von Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat die Vision, die Milchindustrie zu revolutionieren und die mit ihr verbundenen Probleme zu minimieren. Seit Januar 2019 forscht das iGEM-2019-Team dazu in ihrem Projekt „SynMylk“. Es wird unterstützt vom Exzellenzcluster CEPLAS und von den Instituten für Biochemie I, für Pflanzliche Zellbiologie und Biotechnologie und für Synthetische Mikrobiologie.

Für diese synthetische Milch sollen harmlose Mikroorganismen die Bestandteile der Kuhmilch, wie Milchproteine und Fettsäuren, in höchster Qualität herstellen. Die Mikroorganismen werden hierfür mit den Mitteln der synthetischen Biologie maßgeschneidert, sodass sie die erwünschten Bestandteile produzieren. Die so synthetisierten Einzelbestandteile werden anschließend zur „SynMylk“ zusammengefügt. Diese ist geschmacklich identisch mit Kuhmilch, dabei aber frei von tierischen Herstellungsschritten, emissionssparend und vegan.

Ein Hauptaugenmerk liegt, neben der Reduzierung von Treibhausgasen, auf der Kontrollierbarkeit der Bestandteile und Mischungsverhältnisse, wodurch die Milch keinen qualitativen Schwankungen unterliegt und frei von Verunreinigungen wie Antibiotika ist. Sogar Personen mit Allergien und Intoleranzen können diese verzehren, da das Produkt individuell zusammenstellbar ist: zum Beispiel ohne den Milchzucker Laktose, welcher für einen Großteil der Menschen weltweit unverträglich ist.

Die Studierenden haben noch bis zum Oktober Zeit, an der Zukunft der Milch weiter zu forschen, bevor sie die Ergebnisse ihrer Arbeit beim großen Zusammentreffen aller iGEM-Teams in Boston (USA) vorstellen. In diesem Jahr haben sich 353 Teams aus 42 Ländern angemeldet.

 

Bevor sie nach Boston reisen, präsentiert das Team seine Arbeit am 10. Oktober im Haus der Universität im Rahmen des neuen Symposiums “#DüsseldorfTalksFuture“. Die Veranstaltung hat das Ziel, Forschung und ethische Aspekte, die sich mit Zukunftsthemen beschäftigen, für jedermann zugänglich zu machen. Dieses organisiert das iGEM-Team und lädt Interessierte aus allen Bereichen ein, sich dort kostenfrei vorzustellen und ins Gespräch zu bringen.

undefinedWeitere Informationen zur Veranstaltung

Der iGEM-Wettbewerb

iGEM steht für „international Genetically Engineered Machine“. 2003 am Massachusetts Institute of Technology in den USA ins Leben gerufen, richtet die iGEM-Foundation einen internationalen Wettbewerb aus, bei dem studentische Teams selbstständig Projekte im Bereich der synthetischen Biologie auf die Beine stellen. In der synthetischen Biologie werden neue Mechanismen durch Kombination von Komponenten verschiedener Organismen erschaffen. Im letzten Jahr beteiligten sich 340 studentische Teams aus 42 Ländern, wobei das damalige Düsseldorfer Team eine Gold-Medaille gewann.

Die Forschungsprojekte orientieren sich an aktuellen Themen und versuchen, entweder nützliche neue Werkzeuge und Verfahren für die Wissenschaft zu entwickeln oder bestehende Probleme von Industrie, Medizin und Umwelt zu lösen. Das übergeordnete Ziel des Wettbewerbs ist es, die Welt über die Möglichkeiten der synthetischen Biologie aufzuklären und mit den Projekten zu verbessern. Ein knappes Dreivierteljahr haben die teilnehmenden Teams Zeit, von der Ideenfindung bis zur finalen Präsentation ihr Projekt voranzutreiben. Dabei müssen sie sowohl den wissenschaftlichen Teil im Labor selbst organisieren, als auch sich um Unterstützung durch Sponsoren kümmern.

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