07.01.19 13:31

Nachruf für den langjährigen Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek

Prof. Dr. Günter Gattermann verstorben

By: Carola Spies / C.G.

Prof. Dr. Günter Gattermann, geboren am 6. Mai 1929 in der Nähe von Wetzlar, ist am 21. Dezember 2018 im Alter von 89 Jahren in Düsseldorf verstorben. Prof. Dr. Günter Gattermann war von 1970 bis 1994 Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.

(Foto: Archiv ULB Düsseldorf)

 

Günter Gattermann studierte Geschichte, Klassische Philologie, Englisch und Philosophie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/Main. 1956 folgte die Promotion mit dem Titel „Die Deutschen Fürsten auf der Reichsheerfahrt. Studien zur Lehnskriegsverfassung der Stauferzeit“.

Nach der Referendarzeit an der Stadt- und Universitätsbibliothek in Frankfurt/Main und dem Bibliothekar-Lehrinstitut in Köln nahm er in Frankfurt unter den Direktoren Hanns Wilhelm Eppelsheimer und Clemens Köttelwesch seine erste bibliothekarische Tätigkeit auf und war dort u. a. an der Planung des Neubaus der Stadt- und Universitätsbibliothek beteiligt. Zugleich begann er am neugegründeten Lehrinstitut für Dokumentation seine umfangreiche und langjährige Lehrtätigkeit, die er später am Bibliothekar-Lehrinstitut in Köln und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fortsetzte. Diese Verbindung von Dokumentation und Bibliothekswesen stärkte sein interdisziplinäres, von der Praxis geprägtes Denken.

1961 übernahm Günter Gattermann die Leitung der im Aufbau befindlichen Bibliothek der Bergakademie Clausthal-Zellerfeld, der späteren TU Clausthal-Zellerfeld, deren Organisation und Struktur er maßgeblich prägte. Im Herbst 1970 wurde Günter Gattermann zum Leiter der neugegründeten Universitätsbibliothek Düsseldorf ernannt. Auch hier leistete er wichtige Aufbauarbeit, indem er mehrere Vorgängerbibliotheken mit Beständen und Personal zusammenführte und zu einer leistungsfähigen, an den Bedarfen von Forschung und Lehre orientierten Universitätsbibliothek ausbaute. Nach räumlich schwierigen Anfangsjahren konnte er 1979 den von ihm in seiner Funktionalität entscheidend geprägten Neubau der Zentralbibliothek in Betrieb nehmen. Diese bildet zusammen mit den dezentralen Fachbibliotheken auf dem Campus der Universität das integrierte einschichtige Bibliothekssystem der Universität Düsseldorf.

Günter Gattermann hat früh erkannt, dass neben ausgezeichneten (Alt-)Beständen v. a. auch eine gute EDV-Unterstützung und Technikeinsatz für eine moderne, leistungsfähige Informationsversorgung wichtig sind. So war die UB Düsseldorf eine der ersten wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland, die ihren Nutzerinnen und Nutzern einen öffentlichen elektronischen Katalog (OPAC) zur Verfügung stellte. Auch für eine elektronische Unterstützung der Inhaltserschließung durch maschinelles Indexieren stellte er früh die Weichen.

Er war zugleich Mitglied in verschiedenen Ausschüssen zu den Themen Informationsvermittlung, Datenverarbeitung und maschinelle Dokumentation bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, verschiedenen Ministerien und der Max-Planck-Gesellschaft sowie der Internationalen Vereinigung bibliothekarischer Verbände und Einrichtungen (IFLA). Unermüdlich setzte er sich für die Belange der Bibliotheken ein, galt bereits zu Lebzeiten als einer der maßgeblichen Wegbereiter für die moderne Bibliothek als Serviceeinrichtung sowie Wissens- und Lernort. Sein Einsatz für die kooperative Landesbibliothek Nordrhein-Westfalen führte dazu, dass aus der Universitätsbibliothek Düsseldorf 1993 die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf wurde.

1994 erhielt er die Ehrenmedaille der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ein Jahr später das Verdienstkreuz 1. Klasse.

Aufgrund seiner überregional anerkannten umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen wurde Günter Gattermann schließlich nach seiner aktiven Zeit in Düsseldorf 1994 zum kommissarischen Generaldirektor der im Aufbau befindlichen Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden berufen, die er bis 1996 leitete.

Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf trauert um ihren verdienten ehemaligen Direktor, der die Bibliothek nicht nur in Struktur und Organisation maßgeblich beeinflusst hat, sondern ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein verantwortungsbewusster und charismatischer Vorgesetzter war.

Responsible for the content: E-MailStabsstelle Presse und Kommunikation