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Kathrin Hentzschel / Susanne Eva Brauer

PR-Ausbildungen haben sich etabliert

Heidelberger Umfrage belegt Professionalisierungstrend der Branche

PR-Guide Juni 1999


   
Eine gute Nachricht für alle, die sich in einer Ausbildung zum PR-Berater/-Referent befinden oder sich dazu entschließen wollen: Einer qualifizierten Ausbildung wird in der PR-Szene ein hoher Stellenwert beigemessen. Di
eses Resümee ergab eine Blitzumfrage angehender Absolventen der PR-Ausbildung bei der Initiative Communication (IC) in Heidelberg. PR-Verantwortliche aus unterschiedlichen Organisationen halten zu über 60 Prozent eine PR-Ausbildung für "wichtig" beziehungsweise "sehr wichtig".
   
Was erwarten Arbeitgeber von neuen PR-Mitarbeitern?
    
Die PR-Branche in Deutschland boomt. Immer häufiger ist zu hören, dass händeringend qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Berufs- und Branchenerfahrungen gesucht werden. Auch Nachwuchskräfte haben derzeit gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Doch nach welchen Kriterien werden neue Mitarbeiter im PR-Bereich ausgewählt? - Dieser Frage sind wir zusammen mit anderen angehenden Absolventen der PR-Ausbildung bei der Initiative Communication (IC) in Heidelberg nachgegangen.

In einer Blitzumfrage wurde ein Fragebogen zur Einstufung verschiedener allgemeiner Bewerberkriterien, darunter PR-Ausbildung und PR-Zertifikate, an 447 Organisationen versandt. Zusätzlich erhoben wurden Organisationsform, Mitarbeiterzahl und die Absicht, neue Mitarbeiter einzustellen. Insgesamt kamen 187 ausgefüllte Fragebögen zurück. Dies zeigt deutlich das Interesse der Befragten am Thema; die Rücklaufquote von 42,5 Prozent ist ein wichtiger Hinweis für die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse. Die Stichprobe setzte sich anteilig aus Unternehmen (34 Prozent), Agenturen (35 Prozent) und Non-Profit-Organisationen (31 Prozent) zusammen.

   

 

 

   

Persönlichkeit und Allgemeinbildung sind entscheidend

     
    
Wichtigstes Bewerberkriterium sind Persönlichkeitsmerkmale. Eine gute Allgemeinbildung ist ebenfalls von allen Befragten erwünscht. Bedeutende Unterschiede fanden sich bei den Einschätzungen der Relevanz von PR-Volontariat, Fremdsprachenkenntnissen, Hochschulstudium und Persönlichkeitsmerkmalen. Fremdsprachenkenntnisse sind besonders von großen Organisationen gefragt. Auffallend wenig Gewicht messen Agenturen der Berufserfahrung bei - hier bewahrheitet sich wohl die alte Weisheit, daß Agenturen ein ideales Karrieresprungbrett für Berufsanfänger darstellen. Wer sich jedoch bei einer Agentur bewirbt, sollte ein abgeschlossenes Hochschulstudium und ein PR-Volontariat vorweisen können.

 



    
Kriterium Agentur Unternehmen Nonprofit-PR Gesamt
         
Persönlichkeitsmerkmale 3,86 3,89 3,72 3,83
Gute Allgemeinbildung 3,82 3,63 3,67 3,71
Fremdsprachenkenntnisse 3,26 3,41 2,89 3,20
Berufserfahrung 3,03 3,21 3,22 3,15
Abg. Hochschulstudium 3,34 2,92 3,07 3,11
Einschlägige Praktika 3,17 2,98 2,96 3,04
Journalistische Ausbildung 2,87 2,70 2,62 2,97
Branchen-/Sachkenntnis 2,94 2,87 3,05 2,95
PR-Ausbildung 2,83 2,70 2,60 2,72
PR-Volontariat/Trainee 3,00 2,50 2,40 2,66
PR-Prüfung/Zertifikat 2,10 21,97 2,10 2,05
Geprüfter PR-Berater (DAPR) 2,00 2,05 2,04 2,03
         
Beurteilung:  4,00 sehr wichtig - 3,00 wichtig - 2,00 weniger wichtig - 1,00 unwichtig
    
Ein auffallender Zusammenhang ergibt sich bei der Bewertung von PR-spezifischen Merkmalen: Diejenigen Befragten, welche eine PR-Fachausbildung für wichtig erachten, legen auch auf PR-Volontariat, journalistische Ausbildung und Zertifikat Wert. Diese Kriterien sind besonders bei Agenturen von Bedeutung: ein deutliches Indiz ihres Trends zur Professionalisierung des Berufsstandes.
    

Fast jeder zweite Befragte will Mitarbeiter einstellen

     
   
Allgemein ist ein Zeugnis bei 29,7 Prozent aller Befragten ein wesentliches Einstellungskriterium, von den Unternehmen schätzen interessanterweise nur 18,8 Prozent ein Zeugnis als wichtig ein. Ein spezifisches Zertifikat als ‚Gütesiegel‘ ist nicht gefragt.

Trotz einer Bekanntheit von 77, 6 Prozent ist ein DAPR-Zertifikat bei der Bewerberauswahl kein zusätzlicher Bonus.

Noch eine gute Nachricht zum Schluß: Mehr als zwei Drittel (66,1 Prozent) aller Befragten haben in den vergangenen sechs Monaten neue Mitarbeiter eingestellt. Weitere 48,1 Prozent wollen künftig Einstellungen vornehmen, woran die Agenturen mit 87,1 Prozent den Löwenanteil ausmachen. Dies zeigt, daß Agenturen eine hohe Mitarbeiterfluktuation aufweisen, sehr marktmobil sind und fleißig expandieren.

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Über die Verfasserinnen

     
   
Kathrin Hentzschel, M.A., Jg. 1966, und Dipl.-Psychologin Susanne Eva Brauer, Jg. 1969, absolvieren nach abgeschlossenem Studium derzeit eine Ausbildung zur PR-Beraterin bei der Initiative Communication, Heidelberg. Die Umfrage wurde vom gesamten Kurs IC9 konzipiert und durchgeführt. E-Mail: ichd@aol.com
Quelle: Dr. Ansgar Zerfaß, 73760 Ostfildern und Public Relations Forum,
ERMA-Verlag, Breite Gasse 38, D-90402 Nürnberg - Stand: Juni 1999