Ringvorlesung Studium Universale SS 2013
"Die Kunst, Kulturen zu verstehen - Das Eigene im Anderen"
Flyer demnächst hier zum Download
Wie sehr andere Kulturen in der eigenen Kultur zuhause sind, kann der Literatur-Nobelpreis zeigen, der 2012 an Mo Yan und damit - gegen eine vermeintlich dominante "westliche" Kultur - an einen chinesischen Dichter verliehen wurde. Wie sehr Kulturen des Anderen die Kultur des Eigenen prägen wird aber auch viel alltäglicher in der Selbstverständlichkeit sichtbar, mit der arabische Intellektuelle in deutschsprachigen Feuilletons zu Wort kommen, oder noch sinnfälliger in der Internationalität, die deutsche Theater-, Konzert- und Ausstellungsprogramme für sich reklamieren. Es ist aber auch unübersehbar, dass in Bevölkerungen mit je unterschiedlichen kulturellen Prägungen nicht alle Individuen konfliktfrei oder in wechselseitiger Anerkennung und Respekt zusammen leben. Nach wie vor werden gerade in Krisenzeiten Stereoptypen virulent, wenn gegen einen angeblich terroraffinen Islam polemisiert, die "gelbe Gefahr" beschworen, oder das Bild des "hässlichen Deutschen" mobilisiert wird.
Offenkundig ist das "Kugelmodell" der Kulturen nicht überwunden. Nach dieser auf Herder zurückgehenden Vorstellung tragen Nationen und Kulturen "ihren Mittelpunkt der Glückseligkeit in sich, wie jede Kugel ihren Schwerpunkt" und müssen sich gewissermaßen zwangsweise aneinander "stoßen". Auch die Modelle der Akkulturation, Integration, oder Assimilation basierten letztlich auf der Vorstellung einer einheitlichen kulturellen Identität, der sich Kulturfremde anzupassen oder unterzuordnen zu haben, oder aber der gegenüber die eigene kulturelle Identität aufzugeben ist.
Es ist deshalb an der Zeit, sich auch mit durch moderne kulturwissenschaftliche Arbeiten herausgearbeiteten alternativen Kulturbegriffen zu beschäftigen, in denen Kultur nicht länger als eine feste und starre Identität, auch nicht als eine Beschreibung eines Vermischungsverhältnisses von vielen kulturellen Identitäten gedacht wird. Kultur ist in diesen Vorstellungen vielmehr ein "Dritter Raum", der keine reinen und unvermischten Zonen enthält, sondern aus Überlagerungen in sich widersprüchlicher und differenter Schichten einer Kultur besteht (Bhaba, Bachmann-Medick).
Diese Konzepte einer kulturellen Hybridität (Bhaba) oder Transkulturalität (Welsch) werden besonders an Künstlern und Intellektuellen, aber auch an Arbeitsmigranten deutlich, die sich kosmopolitisch zwischen den unterschiedlichen Kulturen bewegen, diese kulturelle Mehrfachzugehörigkeit produktiv entfalten und eine Trennung in eine Kultur des Eigenen von der Kultur des Anderen obsolet machen.
Vor dem Hintergrund eines solcherweise differenzierenden Kulturbegriffs soll in einer fünfteiligen Vorlesungsreihe herausgearbeitet werden, welche Anteile des Anderen die Kultur des Eigenen besitzt, um zu einem angemesseneren Verständnis des Eigenen zu kommen. Weil unsere Realität von Kultur auch immer eine Folge unserer Verständnisweisen und unserer Konzeptionen von Kultur ist, wird eine Beschäftigung mit den uns heute prägenden Gegenwartskulturen auch ein reflektierteres Verständnis unserer selbst ermöglichen. Im Rahmen von fünf Vorträgen wird die Ringvorlesung des Studium Universale diese Fragestellung aus philosophischer, medizinischer, ökologischer, kulturwissenschaftlicher/künstlerischer sowie medienwissenschaftlicher Perspektive beleuchten.
Uhrzeit: Beginn jeweils 16:30 Uhr
Ort: Hörsaal 5 L in Gebäude 25.31
Referenten, Themen und Termine:
22. Mai 2013 Was ist der amerikanische Pragmatismus? (Entwurf) Prof. Dr. Herwig Friedl
Amerikanistik, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
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5. Juni 2013 Europäische Kunst (Entwurf)
Prof. Beat Wismer
Generaldirektor des Museum Kunstpalast Düsseldorf
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19. Juni 2013 NN
NN
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3. Juli 2013
Afrikanische Kunst (Entwurf) Kunsthistorisches Institut, FU Berlin
Link17. Juli 2013 Chinesische Literatur (Entwurf) Prof. Dr. Wolfgang Kubin
Sinologie, Universität Bonn
Link Sonntag, 19. 05. 2013
Letzte Änderung: 05.03.2013, 14:21

