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| Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften |
| AWMF-Leitlinien-Register | Nr. 028/018 | Entwicklungsstufe: | 1 |
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Das Asperger-Syndrom sowie der atypische Autismus umfassen Teilaspekte des frühkindlichen Autismus.
Rett-Syndrom. Beginn erst nach normaler Entwicklungsperiode mit Sprach- und Kommunikationsstörungen, neurologischen Koordinationsstörungen und charakteristischen stereotypen Handbewegungen (fast nur Mädchen betroffen).
Sonstige desintegrative Störung des Kindesalters. Zunächst normale Entwicklung, dann bleibender Verlust erworbener Fertigkeiten der Sprache, der gegenseitigen sozialen Interaktion und Kommunikation (s. Autismus) sowie stereotype Verhaltensmuster.
Hyperaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypien. Exzessive Aktivität, Stereotypien, Selbstbeschädigung, intellektuelle Behinderung.
Qualitative Auffälligkeiten der gegenseitigen sozialen Interaktion
Qualitative Auffälligkeit der Kommunikation und Sprache
Repetitive, restriktive und stereotype Verhaltensmuster
Im revidierten ADOS [Beobachtungsinstrument - Rühl et al. 2004], wird eine Schweregradeinteilung (Schwellenwert) für Autismus (höher) bzw. für Autismus Spektrum (etwas niedriger) unterschieden.
Atypischer Autismus
Auffällige oder beeinträchtigte Entwicklung entsprechend den Autismus-Kriterien, jedoch kann das Manifestationsalter nach dem dritten Lebensjahr liegen, und/oder nicht alle Störungsbereiche entsprechen der Definition des Autismus (atypisches Erkrankungsalter und/oder atypische Symptomatik).
Rett-Syndrom
Sonstige desintegrative Störungen
Überaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypien
Achse II
Achse III
Achse IV
Achse VI
Abb. 31: Synopsis der Diagnostik Autistischer Störungen
Entwicklungsstörungen der Sprache und der Motorik
Neben den für autistische Störungen typischen Auffälligkeiten des Sprechens (monotone Modulation, Lautstärke, Sprachflüssigkeit, Sprechgeschwindigkeit, Tonfall und Rhythmus) und der stereotypen und repetitiven Verwendung der Sprache kann die Abgrenzung zu Artikulationsstörungen (F80.0) und zum Landau-Kleffner-Syndrom (F80.3) gewöhnlich aufgrund des Sachverhaltes vorgenommen werden, dass bei diesen Patienten die nonverbale Kommunikation noch relativ intakt ist. Die Differenzierung zur expressiven (F80.1) und rezeptiven (F80.2) Sprachstörung ist unter Umständen erschwert, da nicht wenige dieser Kinder auch autismusähnliche Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Bei Verzögerung/Störung der motorischen Entwicklung (F82) liegen keine motorischen Stereotypien vor.
Überaktive Störung mit Intelligenzminderung und Bewegungsstereotypien (F84.4)
Es fehlen die für den Autismus typischen Kommunikations- und Interaktionsstörungen.
Bindungsstörungen (F94.1/F94.2)
Kinder mit Deprivationssyndromen und/oder Sinnesstörungen zeigen nach einigen Monaten in adäquatem Umfeld deutlich schnellere und bessere sprachliche Funktionen als Kinder mit Autismus.
Rett-Syndrom (F84.2)
Tritt fast nur bei Mädchen auf, erworbene Fähigkeiten gehen verloren und typische psychomotorische Entwicklungsstörungen treten auf. Molekulargenetische Identifikation ist in den meisten Fällen möglich (Mutation des MECP2-Gens).
Sonstige desintegrative Störungen des Kindesalters (F84.3) bzw. Hellersche Demenz
Bis zum Alter von mindestens 2 Jahren liegt eine normale Entwicklung vor, der Verlust erworbener Fähigkeiten differenziert diese Störung vom Autismus (cave: beim Autismus können z.B. sprachliche Fähigkeiten in einigen Fällen in den ersten 2 Lebensjahren rückläufig sein).
Fragiles-X-Syndrom Die Differenzierung vom Autismus ist durch molekulargenetische Untersuchungen eindeutig möglich. Nur etwa 1% der Kinder mit Autismus zeigen auch ein Fragiles-X-Syndrom.
Tuberöse Hirnsklerose
Der Ausschluss ist durch spezifische Untersuchungsmethoden (Hautdiagnostik bzw. bildgebende Verfahren) möglich.
Phenylketonurie
Hierbei ist der Nachweis des gestörten Phenylalaninabbaus erforderlich.
Frühkindliche schizophrene Psychose
Die hierbei auftretenden Wahnsymptome, Halluzinationen oder Verschlechterung des erlangten Niveaus fehlen beim Autismus.
Schizoide Persönlichkeitsstörung
Die Differenzialdiagnose gegenüber dem Asperger-Syndrom ist schwierig (eine weit in die frühe Kindheit zurückführende klare Anamnese mit Auffälligkeiten entsprechend den Leitlinien autistischer Störungen schließt eine Persönlichkeitsstörung aus).
Mutismus und Angstsyndrome
Im Vergleich zum Autismus finden sich wesentlich bessere soziale Wahrnehmung, Bindungs- und Spielverhalten bzw. deutlich bessere averbale Reaktivitäten von Mimik, Gestik und Blickkontakt; die Situationen, in denen Auffälligkeiten gezeigt werden, sind selektiv, z.B. unauffälliger Gebrauch der Sprache bei mutistischen Kindern in vertrauter Umgebung.
Pränatalschäden und neurologische Dysfunktion
Sie sind zwar häufige Begleiterscheinungen des Autismus als eine Folge der genetischen Prädisposition und relativ unabhängig von der Ausprägung der Kernsymptomatik des Autismus. Perinatalschäden (Asphyxie) kommen beim Autismus eher selten vor.
Abb. 32: Differenzialdiagnostischer Entscheidungsbaum für Autistische Störungen
Besonderheiten: Sprachaufbau
Ergänzende Pharmakotherapie (I/II, IV)
Besonderheiten der Komorbidität, und der Kontaktaufnahme, ergänzende Maßnahmen
Tab. 6: Algorithmus der die Diagnose konstituierenden Symptome des Autismus [nach ICD-10, DSM-IV und dem ADI-R] (Bereiche und Untergliederungen
| A | Auffällige/beeinträchtigte Entwicklung bis einschließlich 36. Lebensmonat |
| B1 | Qualitative Auffälligkeit der gegenseitigen sozialen Interaktion |
| B1a | Unfähigkeit, nichtverbales Verhalten zur Regulation sozialer Interaktionen zu verwenden (Mangel an direktem Blickkontakt, an sozialem Lächeln und eingeschränkte Mimik) |
| B1b | Unfähigkeit, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzunehmen (keine Phantasiespiele mit Gleichaltrigen/fehlendes Interesse an anderen Kindern/fehlende Reaktion auf die Annäherungsversuche anderer Kinder/Mangel an Gruppenspiel mit Gleichaltrigen oder Freundschaften/Unangemessenheit eines Gesichtsausdrucks/Unangemessenheit sozialer Reaktionen) |
| B1c | Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit Unfähigkeit,Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzunehmen (keine Phantasiespiele mit Gleichaltrigen/fehlendes Interesse an anderen Kindern/fehlende Reaktion auf die Annäherungsversuche anderer Kinder/Mangel an Gruppenspiel mit Gleichaltrigen oder Freundschaften/Unfähigkeit, jemandem Trost zu spenden/der Körper einer anderen Person wird zur Verständigung benutzt) |
| B1d | Mangel, Freude mit anderen zu teilen (das Kind zeigt kaum Aufmerksamkeit und nimmt kaum Angebote wahr, etwas mit jemandem zu teilen/teilt keine Bedürfnisse oder Vergnügen mit anderen) |
| B2 | Qualitative Auffälligkeit der Kommunikation/Sprache |
| B2a | Mangel oder Verzögerung der gesprochenen Sprache und fehlende Kompensation durch Gestik, Mimik (das Kind hat Schwierigkeiten, auf etwas zu deuten, um Interesse zu bekunden/zeigt kaum konventionelle, zielgerichtete Gesten, wie Nicken oder Kopfschütteln) |
| B2b | Relative Unfähigkeit, einen sprachlichen Austausch zu beginnen oder aufrechtzuerhalten (kaum soziales Lautieren oder Plappern als Kleinstkind/stark verminderte wechselseitige Konversation) |
| B2c | Stereotype und repetitive Verwendung der Sprache und/oder idiosynkratischer Gebrauch von Worten oder Phrasen (verzögerte Echolalie, stereotype Lautäußerungen/unangemessene Fragen oder Fragestellungen/Pronominalumkehr/Neologismen und bizarre Neubildungen von Ausdrücken) |
| B2d | Mangel an variierenden spontanen "so tun als ob"-Spielen oder (bei kleinen Kindern) im sozialen Imitationsspiel (beim Imitieren von Handlungen, phantasievollem Spiel, imitierendem sozialem Spiel) |
| B3 | Begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster |
| B3a | Umfassende Beschäftigung mit stereotypen und begrenzten Spezialinteressen Spezialinteressen/ungewöhnliche und sehr häufige Beschäftigungen) |
| B3b | Offensichtlich zwanghaftes Festhalten an nicht funktionalen Handlungen oder Ritualen (Wortrituale/Zwangshandlungen) |
| B3c | Stereotype und repetitive motorische Manierismen (Hand- und Fingermanierismen) |
| B3d | Vorherrschende Beschäftigung mit Teilobjekten oder nicht funktionalen Elementen von Sachen (repetitiver Gebrauch von Objekten/ungewöhnliche sensorische Interessen) |
| C | Das klinische Bild kann nicht durch andere Erkrankungen erklärt werden. |
Abb. 33: Therapeutischer Entscheidungsbaum für tiefgreifende Entwicklungsstörungen
Frühere Bearbeiter dieser Leitlinie
F. Poustka, G. Schmötzer, D. Rühl, B. Bieber-Martin, S. Bölte, H. Amorosa, W. Rotthaus
Jetzige Bearbeiter dieser Leitlinie
F. Poustka, G. Schmötzer, D. Rühl, S. Bölte, H. Amorosa, W. Rotthaus
Korrespondenz an:
Prof. Dr. Fritz Poustka
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
J.W. Goethe Universität Frankfurt
Deutschordenstraße 50
60590 Frankfurt/M.
Redaktionskomitee:
federführend
Martin H. Schmidt, Mannmein
Fritz Poustka, Frankfurt/Main
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Christa Schaff, Weil der Stadt
Andreas Warnke, Würzburg
