Schweizer Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“ vom 9. Februar 1998

Kein leichtes Werk

Das Ende des halbjährigen Universitätszyklus bereichert das Schweizer Musikleben auf vielfältige Weise. Längst verfügten Universitäten, die etwas auf sich halten, über erstaunlich leistungsfähige Chöre und Orchester. Der Akademische Chor Zürich, in dem Studentinnen und Studenten der Univerität sowie der ETH singen, hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, neben dem heimischen Orchester auch Ensembles anderer Hochschulen zu berücksichtigen. Auf eine entsprechende Anfrage im Internet meldete sich das Universiätsorchester Düsseldorf, das sich als gute Wahl entpuppte. Mit Anton Bruckners f-Moll-Messe hatte man wahrlich kein leichtes Werk gewählt. Zwar ist die Klangmassierung bestens geeignet, manch kleine Unebenheiten zu überdecken, doch besteht die Gefahr, sich auf den blossen Effekt zu beschränken und die von Bruckner weit geführten Spannungsbogen nicht durchzuhalten. Lukas Reinitzer, der den Chor einstudiert hatte und an diesem Abend die Gesamtleitung übernahm, lies diese Schwierigkeiten vergessen. Mit knapper, deutlicher Geste führte er Chor und Orchester mit zügigen Tempi und ausgefeilter Dynmik durch alle Höhen und Tiefen der Brucknerschen Partitur. [...] Voll und prächtig klangen die unverbrauchten, jungen Stimmen in allen Registern, und der Sopran behielt trotz steter Anforderung in kräftezehrender Höhe seine Frische und Strahlkraft. [...]

Auch das von Silke Löhr einstudierte Düsseldorfer Universitätsorchester zeigte sich in glänzender Disposition. Die Streichersoli hatten professionelles Niveau, die Holzbläser waren guter Stimmung, und das Blech erwies sich als zupackend und klangschön. Eröffnete eine irrlaufende Flöte dem ohnehin progressiven Werk eine weitere kontrapunktische Dimension, so war die Einheit des Orchesters zu keiner Zeit gefährdet. ... Herzlicher Applaus belohnte vor allem den Chor für ein gelungenes Konzert.

A.B.