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Westdeutsche Zeitung vom 28. Juni 1999
Mit donnerndem Applaus in die Ferien entlassen
Hochschul-Orchester gab unter der Dirigentin Silke Löhr sein Semester-Schlußkonzert – Brillant: Geiger Tobias Steymans
Von Lars Wallerang
Mit osteuropäischer Spätromantik gestaltete das seit zwölf Jahren bestehende Universitätsorchester im Hörsaal 3 A der Heinrich-Heine-Universität unter Leitung von Silke Löhr das Semester-Abschlußkonzert. Als Höhepunkt wurde das Violinkonzert von Antonin Dvořák mit dem hochbegabten Geiger Tobias Steymans, Jahrgang 1974, aufgeführt.
Steymans, der schon im Alter von zwölf Jahren Jungstudent an der Kölner Musikhochschule wurde, gewann dort sieben Jahre später den 1. Preis beim „Tonger-Wettbewerb“ und errang bald schon internationale Auszeichnungen. Als Stipendiat der „Deutschen Stiftung Musikleben“ spielt er auf einer Guadagnini-Violine von 1756 und entfaltete nun auf ihr wunderbar weiche und strahlende Klänge. Neben ausgefeilter Technik verfügt er über musikalische Sensibilität und ausgeprägte Phrasierungs-Kunst. So baute er im Kopfsatz weite Spannungsbögen, fand im „Adagio ma non troppo“ zu feiner Farbnuancierung und entfesselte im Finale sprühendes Temperament, das er durch seine beachtliche Virtuosität in geordnete Bahnen lenkte.
Silke Löhr entwickelte mit dem Orchester ein organisches Miteinander. Die Ausführenden zeigten Spaß am Stück und wogen mit dem entsprechend lebendigen Musizieren allemal einige ungenaue Artikulationen auf, ein bißchen unglücklich war man über die Patzer der Blechbläser. Ob sie nun nur den allemal heiklen Instrumenten anzutasten sind, oder zu knapper Zeit zum Üben, oder vielleicht nur der Müdigkeit zum Semesterende, mit Gryphius: Herr, es ist genug geschaffen? Von sorgfältigen Orchesterproben zeugte jedenfalls das ungemein präzise Zusammenspiel. Die Dirigentin, die das Orchester seit seiner Gründung betreut und letztes Jahr eingeladen wurde, eine Probe des „New York Philharmonic Orchestra“ zu leiten, zeichnete sich auch diesmal wieder durch differenzierte Einstudierung aus. Dies zahlte sich auch in der anspruchsvollen 9. Symphonie Dmitri Schostakowitschs aus, in der die studentischen Instrumentalisten durch gute Koordination und rhythmische Genauigkeit glänzten.
Esprit besaß besonders die eröffnende Ouvertüre zu der hierzulande kaum gespielten Oper „Colas Breugnon“ von Dmitri Kabalewsky. Pfeffrige Akzente sorgten für Schwung und Witz. Als Zugabe wurde das heitere Stück noch einmal wiederholt und besaß nun noch etwas mehr Kraft und innere Ruhe. Donnernder Beifall. |