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Rheinische Post vom 26. Juni 1999
Silke Löhr und das Studentenorchester: Herrlich, wie die Märsche dahertorkelten
Von Reinhold Breil
Schostakowitsch war ein Eulenspiegel, der Diktator Stalin gar manchen Streich spielte. Was er von diesem hielt, kann man seiner zehnten Sinfonie, nach dessen Tod entstanden, entnehmen. Demnach war „Väterchen“ Stalin hochgradig psychopatisch und bösartig.
Und deshalb hat Schostakowitsch ihm mit seiner neunten Sinfonie den Siegerjubel zum Ende des „Großen Vaterländischen Krieges“ kräftig verdorben. Statt Hymnen und strammer Märsche für Väterchen gab es klassizistisch-leichte Kost, mit allerlei grotesken Verzerrungen bestens dazu geeignet, diesem auf den Magen zu schlagen.
Wie das Studentenorchester der Heinrich-Heine-Universität das an sein Publikum brachte, war vergnüglich und musikalisch sehr beachtlich gespielt, hatten doch vor allem die Holzbläser kniffliges Laufwerk in schwierigen Lagen zu bewältigen.
Die Dirigentin Silke Löhr setzte auf knallige Kontraste und kräftige Dynamik. Herrlich, wie die Märsche in den Holzbläsern dahertorkelten, die Blechbläser dagegen „bloß“ scheinbar belanglose Haltetöne setzten; wie die gestopften Trompeten quäkten oder Posaunen und Tuba mit wagnerscher Weihe höchst Bedeutungsvolles ankündigte, dann aber bloß ein einsamer Fagotteinsatz folgte.
Fast wackelten die Wände
Die Streicher spielten über weite Strecken homogen, tonschön und mit expressiven Steigerungen. Auch die Ouvertüre zu „Colas Breugnon“ des linientreuen Schostakowitsch-Freundes Kabalewsky setzte eher grelle Akzente. Hier überzeugten die Blechbläser mit sattem, prall berstendem Sound, so daß fast die Betonwände im frisch renoviertem Hörsaal 3A wackelten. Mit Antonín Dvoráks Violinkonzert a-moll führte die umsichtige Dirigentin ihr folgsames Orchester bewußt an die Leistungsgrenze - und ein Stück darüber hinaus. Denn der junge Solist Tobias Steymann, ein hoffnungsvoller Jungprofi mit abgeschlossenem Musikstudium und beginnender Solistenkarriere, fegte die Noten nur so übers Griffbrett, daß man staunte.
Rondo wie ein slawischer Tanz
Er schien nicht nur keine technischen Probleme zu kennen, sondern musizierte mit einem makellos reinen, blühenden Ton, wie man ihn selten zu hören bekommt. Wie locker-lässig er mit der fingerbrechenden Zugabe, Ysayes „Ballade“ aus der 3. Sonate für Violine solo zurechtkam! Riesenbeifall für Tobias Steymans.
Das Studentenorchester mühte sich redlich und hatte schöne, auch gestalterisch gelungene Momente etwa zum Ende des zweiten Satzes, als die Streicher einen wunderbaren Crescendo-Aufschwung nahmen oder im Schlußsatz das tänzerisch markante Rondothema so munter dahinsprudeln ließ, als sei es ein slawischer Tanz. Der Kopfsatz hatte dagegen problematische Übergänge. auch stimmte die Balance zwischen den grundierenden Hörnern und den Streichern nicht immer. Wer weiß, wie schwierig ein Horn gerade im Piano in hoher Lage zu spielen ist, sieht das gerne nach.
Kräftiger Beifall für das Studentenorchester und seine Dirigentin Silke Löhr für einen insgesamt gelungenen Konzertabend, auf den sie stolz sein können. |