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Westdeutsche Zeitung vom 21. Juli 2005
Hervorragende Orchesterleistungen
Von Bernard John
Die Aufregung der draußen vor dem Hörsaal 3 A der Universität versammelten Musiker war deutlich spürbar. Das lag sicher weniger an dem an diesem Abend bereits zum zweiten Mal gegebenen Semesterabschlusskonzert, als an den allgegenwärtigen Filmkameras.
Filmkameras? Ja, Filmkameras, denn das Düsseldorfer Universitätsorchester hat Großes vor. Eine Konzertreise nach China und die Begleitung des Rektors bei seinem Besuch in der japanischen Hauptstadt sind geplant. In Vorbereitung dieser Reisen dreht ein Team der Musikhochschule einen Dokumentarfilm. Im klimatisierten Hörsaal mussten die Instrumente zunächst sorgfältig gestimmt werden, da insbesondere die Saiteninstrumente mit den enormen Klimaunterschieden zwischen feucht-warmem Sommer draußen und kühl-trockener Atmosphäre drinnen zu kämpfen hatten.
Wie um auch die letzten möglicherweise von hochsommerlicher Trägheit befallenen Zuhörer zu voller Aufmerksamkeit zu bringen, begann das Konzert mit der kurzen, brillant vorgetragenen „Fanfare for a New Theatre“ für zwei Trompeten. Auch 40 Jahre nach seiner Entstehung hat dieses Werk Strawinskys nichts von seiner kompromisslosen Modernität eingebüßt. Der bekenntnishafte Charakter dieser Fanfare ließ auch die folgenden Werke jeweils als Ausdruck eines bewusst singulär gelebten und erlebten Musikerdaseins
Silke Löhr, seit seiner Gründung im Jahre 1987 die Dirigentin des Orchesters, ließ Beethovens dritte Leonorenouvertüre unmittelbar auf die Trompetenfanfare folgen. Die Handlung der von Beethoven mehrfach umgearbeiteten und als „Fidelio“ herausgebrachten Oper ist hier auf das Maß einer symphonischen Dichtung ‚eingedampft'. Das seltsam verhaltene Tempo des Beginns wurde mit dem ersten großen Einsatz der Holzbläser deutlich straffer und gab von da an genau den richtigen Raum zur Entfaltung des musikalischen Geschehens.
Wunderbar weich war der Orchestereinsatz zu Wagners „Meistersinger“-Vorspiel. Satt, aber nie knallig die Blechbläser, rund und schmeichelnd die Holzbläser, dazu die Streicher in üppigem Legato hier wurde dem Zuhörer so recht bewusst, dass wir es mit einer Orchesterbesetzung nach den Wünschen des Bayreuther Meisters zu tun haben.
Nach der Pause gab es Robert Schumanns sinfonisches Hauptwerk, die offiziell als vierte gezählte Symphonie in d-moll. Ganz den Absichten Schumanns entsprechend ließ Silke Löhr das Werk fast ohne Pausen zwischen den Sätzen musizieren. Hervorragend die Orchesterleistungen, überzeugend der große Bogen, mit dem die Dirigentin das ganze Werk ständig unter Spannung hielt eine Interpretation wie aus einem Guss, nur im Scherzo gab es einen kleinen Durchhänger.
Den begeisterten, verdient langanhaltenden Beifall belohnte das Orchester mit der ekstatisch vorgetragenen „Farandole“, dem Schlussstück der zweiten „L'Arlésienne“-Suite von Georges Bizet angesichts der sommerlichen Temperaturen draußen ein schöner Gruß an den immer sonnigen Süden. |