Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 29. Januar 2007

Schwelgerisches Winterkonzert

Von Hansgeorg Marzinkowski

Neuss. Für den großen Erfolg des Winterkonzertes der Bürgergesellschaft Neuss e.V. machte der Präsident Dr. Hermann-Josef Kallen in seiner Begrüßung vor restlos ausverkauftem Zeughaus das Orchester der Heinrich-Heine-Universität unter Leitung von Silke Löhr mitverantwortlich.

Tatsächlich konnte das Studentenorchester, das von Anfang an die populären Winterkonzerte gestaltet, auch diesmal mit einem für eine solche Formation höchst anspruchsvollen Programm begeistern.

Den Auftakt machte diesmal eines der beliebtesten zeitgenössischen Werke für Trompete und Orchester, 1950 vom Armenier Alexander Arutjunjan komponiert. Die drei Teile in klassischer Sonatenhauptsatzform, unmittelbar aneinandergereiht, bieten viele Elemente armenischer Folklore, oft sehr tänzerisch, die Silke Löhr gar bis zum Swing rhythmisierte.

Typisch für ein Uni-Orchester: Der Solist Thilo Franke, auch als „Ehemaliger“ beste Wahl, praktiziert längst in Köln als Rechtsanwalt, und beherrscht immer noch einen profihaft-weichen Trompetenton. Besonders gelungen der gedämpfte Mittelteil, von den Streichern makellos rein aufgenommen, im sicheren Bläserchor weitergeführt, an einigen Stellen von einer Harfe lyrisch untermalt. Im Kontrast dazu abwechslungsreiche tänzerische Eskapaden mit viel Schlagwerk bis zum Knalleffekt zum Schluss.

Beschwingt geführt

Ein tadellos musizierender Solist und das Orchester folgten der beschwingt führenden Silke Löhr mit großer Spielfreude; so konnte man gelassen die folgende „5. Sinfonie e-Moll“ (op. 64) von Peter Tschaikowski erwarten. Die schicksalhafte Introduktion, in den Klarinetten tief formuliert und von den Streichern sanft und dunkel aufgenommen, zelebrierte Silke Löhr betont langsam. Sie liebt es, ruhige Teile besonders auszukosten, so auch den zweiten Satz - „Andante cantabile“ - , was Solo-Horn und Solo-Oboe mit sicherem Gesang honorierten.

Insgesamt stellte sich der Bläserchor auch hier als respektables Ensemble vor, immer wieder trafen die Holzbläser den charakteristischen Tschaikowski-Tonfall genau. Die Streicher standen ihren Kollegen nicht nach, die Sechzehntelkaskaden des „Valse“ gelangen traumhaft, wenige Unebenheiten bügelte die temperamentvolle Spielfreude aus.

So konnte auch der wechselvolle vierte Satz zu einem von den Blechbläsern gesteigerten mitreißenden Finale werden. Dieser großen Sinfonik setzte Silke Löhr in der Zugabe den aparten „arabischen Tanz“ aus Tschaikowskis „Nussknacker-Suite“ entgegen. Ein gut aufgelegtes Orchester dankte damit dem begeisterten Beifall des Publikums.