|
Rheinische Post vom 2. Juli 2007
Volksfest im Grünen
Von Gisela Schöttler
Das Picknick im Poensgen- und Cromfordpark geriet im Jubiläumsjahr der historischen Anlage zu einem besonders fröhlichen Fest. Das Wetter spielte mit, und hunderte Gäste genossen Musik und Natur.
So schön war das Picknick im Poensgen- und Cromfordpark nie! Allen zweifelhaften Wettervorhersagen zum Trotz machten sich am gestrigen Vormittag Familien und Musikfreunde auf zu frohen Stunden in Ratingens schönstem Grün. Begeisterung für das kleine Juwel der Straße der Gartenkunst schafft Vertrauen, und das vertrieb erfolgreich Kühle und Regenwolken. Freilich lockte zum Parkjubiläum auch ein besonderer Leckerbissen: Ein Sinfoniekonzert des Universitätsorchesters der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, und das war ein vorzüglicher Ohrenschmaus.
Uni-Orchester fesselte
Vor dem innen schwarzen, außen silbrigen Bühnenzelt, das vom Stadtmarketing bereitgestellt worden war, standen einige Stuhlreihen, und Familien lagerten sich auf Decken. Während Manuela Naber vom Amt für Wirtschaftsförderung charmant für die Stadt begrüßte und das Orchester vorstellte, wurden schnell aus den ersten 100 Gästen 200, dann 300 und 400. Wer einmal in den Bann dieses Klangkörpers und seiner Dirigentin Silke Löhr geraten war, konnte sich nicht mehr lösen. Dabei sind die Musiker durchweg keine Profis, aber auch hier macht es offenbar die Begeisterung.
Die wusste Silke Löhr, die vom Arzt verordnet sogar nur mit einem Arm dirigierte, anderthalb Stunden lang zu halten mit einem Programm, das in seiner Beschwingtheit nicht besser sein konnte. Beethovens 7. Sinfonie offenbarte sich in seinen vier Sätzen als ein dynamisches, lebendiges, zum Jubel strebendes Werk, das mit Hingabe musiziert wurde. Nach einer kleinen Pause erschien die Jazz-Suite Nr. 2 von Schostakowitsch vom Tänzerischen her noch als Steigerung. Bei voller Bläserbesetzung wechselten leichtfüßige Walzer mit witzigen Marschsätzen, gekrönt von einem furiosen, von Percussion ausgezierten Finale. Zuletzt kam mit rechter Aufmüpfigkeit und riesigem Schall Leonard Bernsteins „Candide“-Ouvertüre aus dem Bühnenzelt.
Das Publikum applaudierte mit vollster Bewunderung, so dass der berühmte Second Waltz noch einmal als Zugabe erklang. Wann kann man auch sonst klassische Musik im Sitzen, Stehen und Liegen hören, dabei vierblättrige Kleeblätter suchen, Bier trinken und etwas knabbern, die Kinder Purzelbaum schlagen und den Hund an langer Leine laufen lassen? |