Premiere: Universitäts-Orchester im Duett

Verständigung und kultureller Austausch lässt sich nirgends so problemlos erleben wie in der Musik, gerade wenn es sich dabei um die kühne harmonische Sprache des Vorspiels zu Wagners Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" handelt. 130 junge Musiker des Uni-Orchesters der Heinrich-Heine-Universität und des "Wagner Society Orchestra" der japanischen Partneruniversität Tokio präsentierten ihre vereinte Begeisterung für die Ouvertüre am Montagabend in der Tonhalle.
"Bei den Proben habe ich gemerkt, dass die Violinistinnen kein Wort Deutsch sprechen und ich kein Japanisch. Als wir dann gemeinsam Wagner spielten, gab es dann keine Verständigungsprobleme oder sprachlichen Barrieren mehr", erklärte der Dirigent des Universitätsorchesters, André Baumeister, der für zwei Semester Silke Löhr in ihrer Elternzeit vertritt.

Das japanische Universitätsorchester unter der Leitung von Masahiko Okochi bestritt den Hauptteil des Abends mit seinem kontrastreichen und professionellen Spiel: Den Anfang machten die finsteren Eröffnungsakkorde von Ludwig van Beethovens "Egmont"-Ouvertüre. Im Anschluss brillierte das Japan-Orchester mit einer der beliebtesten Ballettmusiken überhaupt: der Suite aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskys "Schwanensee". Die große Harfeneinleitung, in der der verliebte Prinz um Odette wirbt, gelang ebenso virtuos und meisterhaft wie der zarte Gesang der Oboisten-Stimmen. Der innige Dialog der ersten Geige mit dem Solo-Cello präsentierte die eindrucksvolle Spielfertigkeit des Orchesters. Ein grandioses Werk des 20. Jahrhunderts folgte schließlich nach der Pause mit Béla Bartóks klangfarbenreichem "Konzert für Orchester".

Der Höhepunkt des Abends aber war sicherlich das Zusammenspiel beider Uni-Orchester. 37 zusätzliche Stühle mussten herangeschafft und die Sitzordnung neu arrangiert werden. Der japanische Studentenvertreter Takuma Nakamori richtete einige Worte des Dankes an das Publikum und zeigte sich ganz beeindruckt von der "herzlichen Atmosphäre während der Proben". Dann schließlich setzte der Konzertteil ein, auf den viele Zuhörer voller Spannung gewartet hatten: Pathetisch, schwungvoll, schwelgerisch-kühn und harmonisch arbeiteten sie sich gemeinsam durch die "Meistersinger"-Ouvertüre. Frenetischer Applaus.

Das Orchester der renommierten Keio Universität Tokio hatte bei seiner Europatournee in Düsseldorf Station gemacht - und erwiderte damit zugleich den Besuch des Universitätsorchesters, das im Jahr 2005 eine Konzertreise nach Japan unternommen hatte.