Westdeutsche Zeitung vom 27. Oktober 2005

Uni-Musiker wie Stars gefeiert

Drei Wochen lang tourte das Orchester der Heine-Universität durch China und Japan und löste dabei wahre Jubelstürme aus.

Von Alexander Esch

Wenn Bill Murray in „Lost in Translation“ aus seinem riesigen Hotelfenster schaut, wirkt Tokio wie ein fremder Planet. Eine Welt, deren Sprache er nicht versteht, deren Rituale er nicht kennt und deren Duschköpfe zu niedrig hängen.

Ähnliche Erfahrungen durfte jetzt das das Orchester der Heine-Uni bei ihrer dreiwöchigen Konzertreise durch Japan und China machen. „Die Stühle bei unseren Konzerten waren tatsächlich etwas klein“, bemerkt Felix Prüfert, Cellist und Mitorganisator der Reise mit einem Schmunzeln. „Außerdem fühlt man sich wie ein Analphabet. Wenn wir beispielsweise Taxi fahren wollten, mussten wir uns vorher alles ganz genau aufschreiben lassen“, erzählt Susanna Morche, Bratschistin und ebenfalls Mitorganisatorin. „Doch Tokio fand ich gar nicht so fremd. Nach dem chaotischen Peking hatte ich sogar ein wenig das Gefühl nach Hause zu kommen.“

Das Orchester spielte unter anderem bei ihren Partnerunis in Peking und Tokio. Darüber hinaus an Unis in Shanghai und Shizuoka. Auf dem Programm standen Beethoven, Wagner und Schumann. Vor mehr als 6000 Zuhörern absolvierten die Musiker insgesamt sechs Auftritte.

Ein Zuspruch, den vorher niemand erwartet hätte. „Ich hätte vor allem nicht mit so enthusiastischen Reaktionen gerechnet“, sagt Dirigentin Silke Löhr. „Nach unserem ersten Auftritt sagte der Präsident der Beida-Uni in Peking, dass er vor lauter Aufregung in dieser Nacht garantiert nicht schlafen kann. Und die sonst so reservierten und höflichen Japaner haben nach dem Konzert sogar rhythmisch geklatscht.“ Ungewohnt waren zudem die Autogrammwünsche, die fast nach jedem Auftritt erfüllt werden mussten. „In Shizuoka stürmten nach dem Konzert sogar die uniformierten Schulmädchen aus der ersten Reihe wild kreischend auf die Bühne“, erzählt Bratschistin Morche.

Uni-Rektor Alfons Labisch begleitete die Musiker während ihres dreitägigen Aufenthalts in Japan. „Das war schon ein Abenteuer. Vor allem wenn da 72 Musiker samt Instrumenten in Tokio U-Bahn fahren.“ Besonders freut er sich darüber, dass die Beziehung zu den Partneruniversitäten auf diese positive Weise aufgefrischt werden konnte.

Sein Dank galt den Sponsoren wie Fluggesellschaften, Stadt und Land. Allein Professoren und Gönner der Heine-Universität hatten 40 000 Euro der 220 000 Euro teuren Reise aufgebracht.