23.10.17 17:08

5-Tage-Woche senkt tägliche Arbeitszeiten im Tag- und im Nachtdienst / Zusätzliches Personal entlastet Pflege von fachfremden Aufgaben / Verdi verweigert weiter Verhandlungen mit der TdL

UKD will Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch kürzere Schichtzeiten entlasten / Gewerkschaft kündigt weiteren Erzwingungsstreik an

Von: Stefan Dreising

Das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) plant zur Entlastung der Beschäftigten zum schnellstmöglichen Zeitpunkt wieder einheitlich für alle Berufsgruppen zur „5-Tage-Woche“ zurückzukehren. Aktuell basiert bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch die Schichtplanung auf einer „4,75-Tage-Woche“. Mit der Einführung der 5-Tage-Woche verringert sich die Dauer der Schichtdienste. Tagsüber bedeutet dies eine Verkürzung von 8,1 auf die üblichen 7,7 Stunden (um 24 Minuten), in der Nacht reduzieren sich die Schichtzeiten von 9,5 auf 9 Stunden (um 30 Minuten). Trotzdem droht die Gewerkschaft verdi mit einem weiteren Erzwingungsstreik am 24. und 25. Oktober.

Auch weiterhin weigert sich verdi, mit der zuständigen Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zu verhandeln. Ebenso hat verdi erneut eine gemeinsame Notdienstvereinbarung für den Streik abgelehnt. „Eine solche gemeinsam getragene Notdienstvereinbarung hätte mehr Sicherheit für alle Beschäftigten gebracht. Stattdessen haben sich die Beschäftigten nun nach den Dienstplänen zu richten, die sich in Anerkennung des Streikrechtes auf die dringliche medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten beschränken und sogenannte elektive Eingriffe verschieben. Die von verdi erstellte einseitige Notdiensterklärung hat keine Gültigkeit und kann nicht die Grundlage für die kommenden Warnstreiks sein“, erklärt Prof. Dr. Klaus Höffken, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKD.

Verdi fordert das UKD auf, an den Streiktagen nur sechs von 36 OP-Sälen zu betreiben. Unaufschiebbare und lange geplante Operationen könnten in einer Vielzahl der Fälle nicht erfolgen. Aktuelle Notfalloperationen könnten so nicht stattfinden. Wenn mit dem UKD der einzige Maximalversorger in Düsseldorf und Umgebung auf die Forderung der Gewerkschaft eingehen würde, wäre die Versorgungssicherheit der Patienten akut gefährdet. „Solchen absurden Forderungen kann vor dem Hintergrund des zuallererst stehenden Patientenwohls kein verantwortlicher Vorstand eines Universitätsklinikums zustimmen“, so Ekkehard Zimmer, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKD.

UKD ist Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL)

Mit der Streikwelle will die Gewerkschaft das UKD zu individuellen Verhandlungen über einen Tarifvertrag „Entlastung“ zwingen, obwohl das Klinikum Mitglied im Arbeitgeberverband und somit in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) organisiert ist. In der Vergangenheit wurden, wie in dieser Konstellation allgemein üblich, alle Tarifverhandlungen für das UKD seitens verdi stets mit der TdL geführt. Interessant: Auch Verdi-Landesleiterin Gabriele Schmidt wird in einem Zeitungsinterview vom 23. Oktober zitiert mit den Worten: „Besser wäre eine trägerübergreifende Regelung, noch besser ein Gesetz zur Mindestpersonalbemessung an allen Kliniken.“ (Quelle: WAZ/NRZ, Ausgabe vom 23. Oktober).

Das UKD hat inzwischen mehrere Maßnahmen zur Entlastung der Beschäftigten und für eine bessere und zeitgemäße Organisation der Arbeitsabläufe entwickelt. „Mit der 5-Tage-Woche werden wir kurzfristig einen konkreten Beitrag zur Entlastung und speziell auch zur Gleichbehandlung aller Beschäftigten leisten“, sagt Ekkehard Zimmer, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des UKD.

Zusätzliches Personal entlastet Pflege von fachfremden Aufgaben

Daher werde das UKD möglichst umgehend das Mitbestimmungsverfahren zur Vereinheitlichung auf eine 5 Tage-Woche einleiten und entsprechende Dienstpläne vorlegen. „Das 4,75-Tage-Woche-Modell war eine absolute Ausnahme mit vielen Nachteilen. Ich kenne keine andere Klinik, deren Schichtplanung auf einer 4,75-Tage-Woche basiert“, erklärt Torsten Rantzsch, Pflegedirektor und Vorstandsmitglied des größten Krankenhauses in der Landeshauptstadt.

Ergänzend wird der Pflegebereich des UKD weiter von fachfremden Aufgaben entlastet. Wie an anderen Krankenhäusern längst üblich, wird die komplette Speiseversorgung (auch Mittags) nun schrittweise von zusätzlichen Servicekräften übernommen und die Buffetversorgung im gesamten Klinikum ausgebaut. „In das nötige Personal und die entsprechende Infrastruktur investieren wir mehrere Millionen Euro“, so Zimmer. Bereits jetzt gibt es ein solches Angebot in Teilen der Klinik, das auch bei den Patientinnen und Patienten sehr gut ankommt. Die Rückmeldungen der Pflegekräfte sind ebenfalls durchweg positiv, eine Entlastung bereits spürbar. Diese Umstellung soll 2018 intensiv fortgeführt werden.

Initiativen auf Bundesebene wichtig

Ausdrücklich begrüßt Prof. Dr. Klaus Höffken die aktuelle Diskussion auf politischer Ebene zur Verbesserung der Personalausstattung in deutschen Kliniken: „Es ist gut und wichtig, dass es auf Bundesebene nun Initiativen gibt, um allgemeinverbindliche Standards festzulegen, die dann aber auch finanziert werden müssen. Das ist der richtige Weg. Und nicht solche punktuellen Erzwingungsstreiks an offenbar willkürlich ausgewählten Kliniken wie dem UKD. Sie schaden den Patientinnen und Patienten und den Kliniken.“

Streik-Hotline für Patienten und Angehörige

Auch der erneute Streik wird wieder in erster Linie die Patientinnen und Patienten des UKD treffen. Medizinisch dringende Operationen und Behandlungen können zwar trotz Streik durchgeführt werden, auch die Notfallversorgung ist gesichert. Dennoch wird es zu zahlreichen neuen Terminabstimmungen kommen.

Für Patientinnen, Patienten und deren Angehörige hat das UKD eine extra Hotline eingerichtet. Dort werden während der Streiktage Anfragen entgegen genommen: Tel. 0211 / 81-17107 (Pflegedirektion).

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