11.04.18 11:16

Neue Studie

Linguisten wollen Qualität von Arztbriefen verbessern

Von: Redaktion

Was bedeutet HWI? Hinterwandinfarkt oder Harnwegsinfekt? Solche Fragen stellen sich Hausärzte täglich, wenn sie Arztbriefe lesen. Ein Projekt der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf will für mehr Verständlichkeit sorgen. Deshalb widmen sich Linguisten nun in einem interdisziplinären Forschungsprojekt dem Problem „Sprache in Arztbriefen“.

Viele Hausärzte berichten über problematische, miss- oder unverständliche Arztbriefe. Neben Rechtschreibung, Grammatik und Sprachstil gibt es zahlreiche systematische Fehler, die das Textverständnis erschweren.Das Forschungsprojekt, das von Dr. Sascha Bechmann (Institut für Germanistische Sprachwissenschaft) geleitet wird, möchte häufige sprachliche Fehler und missverständliche Formulierungen in klinischen Entlassungsbriefen identifizieren. Darauf aufbauend soll im Rahmen eines DFG-Anschlussprojektes ein nationaler Standard entwickelt werden, der im Berufsalltag und im Studium eingesetzt wird.

Ziel ist, die Kommunikation zwischen Ärzten evidenzbasiert zu optimieren, sagt der Leiter des Projekts. Mittels eines Online-Fragebogens werden Hausärzte zunächst zu ihren Erfahrungen befragt. In einem zweiten Schritt werden 200 Arztbriefe linguistisch analysiert, um Fehler und sprachliche Auffälligkeiten aufzudecken. Die Befragung wird aktuell unter Mitwirkung diverser Hausärzteverbände bundesweit durchgeführt und wird erstmals ein klares Bild von der Qualität klinischer Arztbriefe zeichnen. Die Daten für die linguistische Arztbriefanalyse werden von Kliniken des Universitätsklinikums Düsseldorf zur Verfügung gestellt. Die Auswertungen beginnen im Mai, erste Ergebnisse werden Ende 2018 erwartet.

 

Fürs Verfassen und Verstehen nicht ausgebildet

„Arztbriefe sind eine eigenständige, professionalisierte Kommunikationsform“, so der Studienleiter. Dennoch lägen bislang keine gesicherten Standards zur Produktion oder Rezeption vor. Bis heute entwickelten Ärzte ihre textuellen Kommunikationsfähigkeiten intuitiv, nebenbei und ohne ausdrückliche Instruktionen. Häufig erweise sich dieses scheinbar selbstverständliche Fundament als nicht „ausreichend tragfähig“. Zudem seien Ärzte für die wichtige Aufgabe der Fachtextproduktion und -rezeption im Beruf nicht ausreichend geschult, weil qualitative Untersuchungen zu Arztbriefen, aus denen sich Standards ableiten ließen, fehlten. „Daraus ergeben sich schwerwiegende Probleme, beginnend im Medizinstudium und endend bei der Patientengesundheit“, sagt Bechmann.

 

Gefördert wird diese Studie durch den Strategischen Forschungsfonds der Heinrich-Heine-Universität (SFF).

Hier geht es zur Umfrage für Hausärzte:undefined www.soscisurvey.de/arztbriefe. Für Fragen ist der Studienleiter unter folgender E-Mail-Adresse erreichbar: undefinedsascha.bechmann(at)uni-duesseldorf.de.

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