17.03.17 08:27

Tagung am 8. Mai 2017

Jungenbeschneidung in Deutschland

Von: Victoria Meinschäfer

Anlässlich des fünften Jahrestag der Verkündung des sogenannten „Kölner Beschneidungsurteils“ laden das Klinische Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Universtitätsklinikum Düsseldorf), der Verein MOGiS e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) - Sektion Kinder- und Jugendpsychosomatik - zu der Tagung „Jungenbeschneidung in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme“ ein. Hier soll aus allen relevanten Fachbereichen auf aktuellem Wissens- und Forschungsstand über die Zirkumzision informiert werden.

Prof. Dr. Matthias Franz ist Mitinitiator der Tagung, Foto: Henning Ross

Das Kölner Landgericht bewertete in seinem Urteil vom 7.5.2012 eine medizinisch nicht-indizierte operative Vorhautentfernung an nicht-einwilligungsfähigen Jungen als eine strafbare Körperverletzung. Während dieses Thema vorher eher in juristischen und medizinischen Fachkreisen diskutiert worden war, entstand hierdurch eine kontroverse öffentliche Debatte. Vertreter von Religionsverbänden empfanden es als einen Angriff auf ihre Religion und Kultur. Von diversen Ärzteorganisationen, Menschen-, Frauen- und Kinderrechtsverbänden hingegen wurde es als Impuls für den Kinderschutz ausgelegt und die Einsetzung eines Runden Tisches gefordert. Der deutsche Gesetzgeber gestattete Eltern schon wenige Monate später im dafür neu geschaffenen §1631d BGB, aus jeglichem Grunde in eine medizinisch nicht notwendige Vorhautentfernung ihres Sohnes rechtswirksam einzuwilligen.

Leidvoll Betroffene suchen zunehmend Rat und Hilfe bei Medizinern, Psychologen und Beratungsstellen. Häufig ist auch dort über Anatomie, Funktion und Entwicklung der männlichen Vorhaut sowie mögliche negative Folgen ihrer Entfernung noch wenig bekannt.

Prof. Dr. Matthias Franz, Mitinitiator der Tagung: „Die Vorhaut ist der sexuell sensibelste Anteil des männlichen Gliedes. Ihre Entfernung stellt auch und gerade im Säuglings- und Kindesalter immer eine schwerwiegende Verletzung der genitalen Unversehrtheit dar, die zu andauernden körperlichen, sexuellen oder psychischen Komplikationen und Leidenszuständen führen kann. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 400 kleine Jungen auch nach nicht aus medizinischen Gründen vorgenommenen Beschneidungen mit z.T. schweren Komplikationen in Kliniken eingeliefert. Mit unserer Tagung möchten wir hierzu informieren und diesem kontroversen Thema eine Plattform für einen sachlich fundierten und respektvollen Dialog mit allen Interessierten eröffnen.“

Die Fachtagung ist von der Ärztekammer Nordrhein als ärztliche Fortbildung zertifiziert.

Anmeldung und weitere Informationen:

www.jungenbeschneidung.de

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