22.11.17 11:27

Podiumsdiskussion im Haus der Universität

100 Jahre Oktoberrevolution

Von: Redaktion / V.M.

Am vergangenen Freitag fand im Haus der Universität die Podiumsdiskussion „100 Jahre Oktoberrevolution“ statt, zu der der Lehrstuhl für Geschichte und Kulturen Osteuropas eingeladen hatte. Es diskutierten Prof. Dr. Nikolaus Katzer, Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Moskau, Prof. Dr. Igor Narskij, Direktor des Forschungszentrums für Kulturgeschichte an der Süd-Ural-Universität Tscheljabinsk, die Diskussionsleitung hatte Prof. Dr. Beate Fieseler.

Bei der Diskussion: Prof. Dr. Igor Narskij, Prof. Dr. Beate Fieseler, Prof. Dr. Nikolaus Katzer, Foto: Jonas Krüning

In ihrem Grußwort zu Beginn der Veranstaltung würdigte Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch, Prorektorin für Internationales der HHU, die Veranstaltung als Beispiel für die besonderen Beziehungen der HHU zu Russland.

Prof. Fieseler eröffnete die Diskussion mit dem Verweis auf das Ziel der Bolschewiki, den ersten Staat sozialistischer Prägung zu errichten, eine Weltrevolution zu starten und den Neuen Menschen zu formen. Die Umsetzung dieses Vorhabens war gekennzeichnet von hoher Gewalt und Zerstörung.

In der Diskussion zwischen Prof. Narskij, Prof. Katzer und Prof. Fieseler wurde deutlich, dass es sich bei der Revolution um eine Komplexität mehrerer, parallel ablaufender Revolutionen verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen, wie der Arbeiter, Bauern, Soldaten sowie von Nationalitäten handelte. Das Gedenken daran findet bis heute in Russland statt, wird innerhalb der Familien überliefert und immer wieder umgedeutet. Prof. Narskij bezeichnete die Erinnerung an die Revolution – ganz im Gegensatz zur sowjetischen Meistererzählung von der „Großen Sozialistischen Oktoberrevolution - als „traumatisch“.

Thematisiert wird die Revolution seit den 1920er Jahren bis heute in Filmen, wie etwa dem ikonischen Film „Oktober“ von Sergej Eisenstein, Ausstellungen, Konferenzen und Fernsehserien. Die offizielle staatliche Erinnerungspolitik ist aber heute nicht unumstritten. Prof. Katzer nannte als Beispiel dafür den Wettbewerb für ein „Denkmal der Versöhnung“, der zu Beginn dieses Jahres ausgeschrieben worden war, aber  aufgrund zahlreicher Proteste gegen den „Akt der Versöhnung“ zwischen Weißen und Roten bisher nicht zur Errichtung des Denkmals führte.

Von einer erschöpfenden wissenschaftlichen Aufarbeitung der Ereignisse im November 1917 kann in Russland bislang nicht gesprochen werden, zumal, so Prof. Narskij, noch zahlreiche Forschungslücken bestehen, die durch die Auswertung von bislang unbearbeitetem Archivmaterial geschlossen werden müssten. Prof. Katzer verwies in diesem Zusammenhang auf eine Vielzahl von Erinnerungen, Tagebüchern und Briefen, die erst jetzt ans Licht kommen.

Die Veranstaltung schloss mit einer lebhaften und in Teilen auch kontroversen Diskussion zwischen Prof. Narskij, Prof. Katzer, Prof. Fieseler und dem Publikum.

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