Interview mit Prorektor Prof. Dr. Klaus Pfeffer zum Hochschulentwicklungsplan 20.21 der HHU

Prorektor für Strategisches Management und Chancengleichheit: Prof. Dr. Klaus Pfeffer

Sie haben nach intensiver Arbeit den HEP 20.21 abgeschlossen. Warum ist er für die Hochschule so wichtig?

Strategische Planung ist eine Voraussetzung dafür, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um die HHU voranzubringen. Ziel des HEP 20.21 ist es, die Attraktivität und Leistungsfähigkeit sowie die nachhaltige Entwicklung der HHU zu stärken. Die hochschulinterne Abstimmung der Entwicklungsplanung hat zu einem konstruktiven und transparenten Dialog geführt. Ohne die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit den beteiligten Gremien, dem Rektorat, dem Senat, insbesondere der HEP-Kommission des Senats, dem Hochschulrat, den Dekanaten, der Gleichstellungsbeauftragten und Koordinierungsstelle Diversity sowie den Personalräten wäre es nicht möglich gewesen, einen tragfähigen, zukunftsgerichteten Hochschulentwicklungsplan zu erarbeiten.

Die Heinrich-Heine-Universität ist eine junge und dynamische Universität. Sie steht mit anderen Hochschulen in NRW sowie bundesweit im Wettbewerb um die besten Köpfe in Forschung, Lehre und Administration. Erklärtes Ziel der Planung ist es, die Attraktivität der HHU für herausragende Forschungspersönlichkeiten, Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Fakultäten, den Zentralen Einrichtungen und der Universitätsadministration weiter zu steigern.

Einen Hochschulentwicklungsplan zu erstellen, bedeutet zunächst, die eigene Institution im Detail zu analysieren. Diesen Prozess haben wir mit diesem zweiten HEP mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2021 vertieft und Daten praktisch aller planerisch relevanten Bereiche (z.B. Forschung, Lehre, Finanzen, Personal, Verwaltung, Bau, Fakultäten, wissenschaftliche Einheiten der Fakultäten, zentrale Einrichtungen) erhoben. Aus dieser Selbstanalyse konnten wir Stärken und Schwächen einzelner Bereiche ableiten und Maßnahmen formulieren, um die HHU für die Zukunft noch besser aufzustellen.

Wo positioniert sich die HHU mit dem zweiten HEP, gibt es neue Schwerpunkte? Auf welche Profilthemen fokussiert sich die Hochschule?

Entsprechend des Claims: Wissen schaffen – Wissen teilen lauten die übergeordneten Themen: Stärkung der Profilbereiche LIFE | NATURE | SOCIETY im Forschungsportfolio und qualitätsgesicherte Erhöhung der Zahlen an Absolventinnen und Absolventen in der Lehre sowie Transfer von Wissen in Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur.

Welche Entwicklungsplanung verfolgt der HEP für Forschung und Lehre, besonders in Bezug auf Studienangebot und Studienqualität?

Die Förderung innovativer, interdisziplinärer, nationaler sowie internationaler Forschungsaktivitäten stellt ein zentrales Element der Hochschulentwicklungsplanung der HHU dar. Alle universitären Einrichtungen sind aufgefordert worden, dieses als eine ihrer Kernaufgaben anzusehen. Die HHU muss zukünftig ihre Forschungsleistungen und die damit einhergehenden Drittmitteleinnahmen deutlich steigern, um ihre Zukunftsfähigkeit als Forschungsstandort langfristig zu sichern.

Nach eingehender Analyse des Forschungsportfolios der HHU hat das Rektorat im Einvernehmen mit den Fakultäten, dem Senat und dem Hochschulrat Forschungsschwerpunkte, Potentialbereiche und Entwicklungsbereiche definiert. Forschungsschwerpunkte zeichnen sich durch eine thematische Fokussierung aus und wirken profilbildend für die Universität. Als Basis für einen Forschungsschwerpunkt dient die Einwerbung von Drittmitteln zur Durchführung eines oder mehrerer großer Verbundforschungsvorhaben (in der Regel Sonderforschungsbereiche, alternativ andere kompetitive Verbundforschungsvorhaben mit vergleichbaren Laufzeiten und Fördervolumina). Potentialbereiche definieren sich über das in einem Forschungsbereich zur Ausbildung eines „echten“ Forschungsschwerpunkts erkennbare Potential und sind bereits als Verbundforschungsprojekte gefördert. Entwicklungsbereiche werden von einer Gruppe forschungsstarker und durch Drittmitteleinwerbung ausgewiesener Forscherinnen und Forscher getragen. Um die Akquise von Drittmitteln zu steigern, müssen einerseits mehr individuelle Projekte gefördert und andererseits Forschungsprojekte aus Entwicklungsbereichen in Potentialbereiche aufsteigen und solche aus Potentialbereichen zu Forschungsschwerpunkten werden.

Ziel der Entwicklungsplanung ist es, in den nächsten Jahren gemeinsam die Potential- und Entwicklungsbereiche gezielt zu Forschungsschwerpunkten auszubauen und die Individualforschung zu stärken sowie sich noch intensiver mit umliegenden Universitäten, Forschungseinrichtungen sowie Fach- und Kunsthochschulen zu vernetzen.

Die vorhandenen Forschungsaktivitäten werden durch innovative Maßnahmen in der strukturierten Graduiertenausbildung sowie durch Förderprogramme für den promovierten wissenschaftlichen Nachwuchs ergänzt. An der HHU tragen Lehrende und Lernende gemeinsam die Verantwortung für gute Lehre. Die Grundlagen dafür bestehen in gegenseitiger Wertschätzung undAnerkennung der jeweiligen Leistungen und in einer lebendigen Interaktion. Im Vordergrund der Planung für die nächsten Jahre stehen die Entwicklung, Förderung und Weiterentwicklung interdisziplinärer, innovativer Bachelor- und Masterstudiengänge. Insbesondere die Umsetzung des 3i-Programms zur Einrichtung neuer innovativer, interdisziplinärer und interfakultärer Studiengänge wird vorangetrieben. Zu den neuen 3i-Studiengängen, die bereits angelaufen oder in der Akkreditierung befindlich sind, gehören Computerlinguistik (Bachelorstudiengang) der Philosophischen und Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Finanz- und Versicherungsmathematik (Bachelorstudiengang) der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät, Naturwissenschaften (Bachelorstudiengang) der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Molekulare BioMedizin (Masterstudiengang) der Medizinischen und Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät sowie Industrial Pharmacy (Masterstudiengang) der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Fakultät. Darüber hinaus sollen Studienangebote weiter differenziert werden, z. B. durch die Etablierung von Doppelabschlüssen, Double Degree-Studiengängen und BachelorPlus-Studiengängen. Es ist auch geplant, das Weiterbildungsstudienangebot der HHU bedarfsorientiert auszubauen.

Ein wichtiges Thema der nächsten drei Jahre wird die kontinuierliche Verbesserung des qualitätsgesicherten Studienerfolgs entlang des studentischen Lebenszyklus sein. Die HHU strebt eine deutliche Steigerung der Absolvent/innenzahl an, was bedeutet, dass mehr Studierende zu einem Studienabschluss geführt werden. Hierfür etabliert die HHU Angebote und Maßnahmen wie zum Beispiel individualisierten Beratung und Bereitstellung von Informationen zur passgenauen Studienwahl vor dem Studium sowie Erwerb akademischer Fachkompetenzen und Erwerb von Berufsfähigkeit (Employability) während des Studiums.

Erklärtes Ziel ist es, die Heinrich-Heine-Universität für herausragendes wissenschaftliches Personal und Lehrende attraktiv zu machen. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie sicherstellen, dass dieses Ziel erreicht wird?

Die HHU strebt an, sich als attraktive Institution für hervorragendes Personal in Wissenschaft, Lehre sowie in Technik und Verwaltung zu positionieren. Ziel eines verbesserten Personalmanagements ist es, exzellente Fach- und Führungskräfte in Forschung, Lehre und Wissenschaftsadministration zu gewinnen und diese durch hervorragende Beschäftigungsbedingungen langfristig zu binden. Dazu setzt die HHU nicht nur die Pflichten um, die sich für sie als Arbeitgeberin aus dem „Vertrag über gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal“ ergeben, sondern sie ergreift

darüber hinaus weitere Maßnahmen, die sich einerseits an die Beschäftigten der HHU, andererseits an potenzielle Bewerberinnen und Bewerber richten. Die Schwerpunkte des Personalmanagements liegen in der Rekrutierung von exzellentem Personal, der Qualifizierung, Personalentwicklung und Weiterbildung bestehenden Personals sowie in der Anreizgestaltung für und Leistungsorientierung von Führungskräften.

Als dritte tragende Säule der Hochschulentwicklung ist neben Forschung und Lehre nun der Transfer hinzugekommen. Wo werden Sie in den nächsten Jahren Schwerpunkte setzen?

Um die HHU als Bürgeruniversität zu positionieren, wird sich die HHU verstärkt dem Transfer als dritter Leistungsdimension zuwenden. Die HHU geht von einem erweiterten Transferbegriff aus, der neben dem klassischen Technologietransfer sämtliche Interaktionen wissenschaftlicher Akteure/innen mit interessierten Persönlichkeiten und Organisationen aus Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik umfasst. Ziel aller Transferaktivitäten ist es, die wissenschaftsbasierte Weiterentwicklung der Gesellschaft verantwortungsvoll mitzugestalten. Dies geschieht an der HHU unter anderem durch fachspezifische Vortragsreihen für Bürgerinnen und Bürger im Haus der Universität. In diesem Zusammenhang ist besonders die Vortragsreihe unseres Exzellenzclusters CEPLAS (Cluster of Excellence on Plant Sciences) hervorzuheben, die darauf ausgerichtet ist, Bürgerinnen und Bürgern neue wissenschaftliche Erkenntnisse nahe zu bringen und diese für die Entwicklung der Wissenschaft zu begeistern.

Die HHU hat sich bereits erfolgreich und wird sich weiter als Gründeruniversität profilieren. Die technische Nutzbarmachung und kommerzielle Verwertung wissenschaftlicher Ergebnisse durch und mit der Wirtschaft (Technologietransfer) werden aktiv gefördert. Wissen und Technologien sind bedeutsame Ressourcen für die Konkurrenzfähigkeit sowohl von Unternehmen als auch von Universitäten. Die HHU bietet vielfältige wissenschaftliche Dienstleistungen und unterhält Kooperationen mit Schwerpunkten in der biomedizinischen, pharmazeutischen sowie chemischen Forschung und Entwicklung. Das Spektrum der Kooperationen mit der Wirtschaft reicht dabei von gemeinsamen Forschungsprojekten bis hin zu Forschungsdienstleistungen, z. B. bei der Analyse komplexer Daten oder der Entwicklung von Arzneimitteln. Partnerinnen und Partner sind öffentliche Einrichtungen und Verbände ebenso wie internationale Konzerne sowie mittelständische Unternehmen. Insgesamt ist die HHU ein wichtiger Standortfaktor für die Attraktivität der Region.

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