16.02.17 15:28

Visite Live: Neue Vortragsreihe startet erfolgreich am UKD

Rechtsmedizin – wie im Film?

Von: Susanne Blödgen

16.02.2017 – Fernseh-Rechtsmediziner haben entweder an der Universität nicht aufgepasst oder arbeiten häufig einfach nur fahrlässig. Zu diesem Schluss kam Professor Stefanie Ritz-Timme, Leiterin des Institutes für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf, am Mittwoch, den 15. Februar 2017, vor rund 140 Zuhörern im Foyer des Zentrums für Operative Medizin II in ihrem Vortrag „Rechtsmedizin – wie im Film?“. Am Beispiel von verschiedenen realen Fällen verglich die Rechtsmedizinerin Film und Realität.

Volles Haus im ZOM II: 140 Zuschauer lauschen dem Vortrag von Prof. Stefanie Ritz-Timme (Foto: Lisa Pascher, UKM)

Der Vortrag war Auftakt einer neuen Reihe an der Uniklinik. „Wir haben diese neue Veranstaltungsreihe ‚Visite live‘ genannt, weil Sie Ihnen ‚live‘ hier vor Ort im Zentrum für Operative Medizin II einen Einblick liefern soll, womit sich die universitäre Medizin beschäftigt und auseinandersetzt – raus aus dem Elfenbeinturm“, begrüßte Professor Klaus Höffken, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, die Gäste. In der nächsten Ausgabe im April wird Prof. Joachim Windolf über Unfälle im Haushalt sprechen.

Rechtsmediziner Prof. Dr. Karl-Friedrich Boerne, (fiktiver) Leiter der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum in den Münsteraner Tatort-Folgen, schaut sich die vermeintliche Leiche etwa zehn Sekunden an, leuchtet einmal in die starren Augen und attestiert dann seinem Kollegen Kriminalhauptkommissar Frank Thiel, dass der Patient definitiv tot sei. Ungefähr seit zehn Minuten. „Das ist zutiefst fahrlässig!“, erklärte Professor Ritz-Timme den Zuhörern, nachdem sie diesen kurzen Filmausschnitt gezeigt hat. „Starre Pupillen und fehlende Reflexe sowie kein Puls sind sogenannte ‚unsichere Todeszeichen‘. Sichere Todeszeichen, wie Totenflecke oder Fäulnis, treten erst viel später als zehn Minuten nach dem Tod ein. Boerne konnte den Tod hier also noch gar nicht feststellen.“

An verschiedenen Beispielen bekamen die Zuhörer zuvor erklärt, dass sich das Fach der Rechtsmedizin nicht alleine aus Obduktionen zusammensetzt, wie es das Fernsehen gerne darstellt. Stattdessen behandelt es alle Fälle, wo es um juristische/forensische Fragestellungen geht, wie zum Beispiel bei der Spurensicherung nach Gewaltverbrechen. „Was mir im Fernsehen immer zu kurz kommt, ist das wir sehr nah am lebenden Menschen sind. Die echte Gerichtsmedizin ist zudem an Universitätskliniken angesiedelt und dadurch deutlich wissenschaftlicher als die Fernseh-Kollegen. Und wir sind näher an gesellschaftlichen Themen und Diskussionen, wie zum Beispiel häuslicher Gewalt“, beendete Professor Ritz-Timme ihren Vortrag.

Er eröffnete eine neue Veranstaltungsreihe des Universitätsklinikums Düsseldorf. „In der universitären Medizin gibt es eine Fülle hochinteressanter Themen. Mit den gut verständlichen Abendvorlesungen „Visite live“ möchten wir über die universitäre Medizin informieren und gleichzeitig unterhalten“, sagt Prof. Dr. Joachim Windolf, Schirmherr der Vortragsreihe. Auch die folgenden vier Vorträge werden jeweils um 18.30 Uhr im Foyer des Zentrums für operative Medizin II aus unterschiedlichen Bereichen der Medizin Spannendes, Neues und Wissenswertes interessierten Bürgern vorstellen. Am 26. April 2017 wird Professor Windolf selber in seiner Funktion als Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie über Unfälle im Haushalt sprechen.

Visite Live, Unfälle im Haushalt, Prof. Dr. Joachim Windolf, Mittwoch, 26. April, 18.30 Uhr, Universitätsklinikum Düsseldorf, Zentrum für Operative Medizin II, keine Anmeldung, die Teilnahme ist kostenfrei

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