Anspruch auf Wahrhaftigkeit
Neujahrsempfang
Über 600 Gäste waren zum Neujahrsempfang des Rektors am 19. Januar gekommen, darunter hochrangige Vertreter aus Diplomatie, Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Kultur.

Neujahrsempfang 2011: Neujahrsansprache vom Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper (Fotos: Wilfried Meyer)

Mit der Ehrenmedaille der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf wurden 2011 geehrt: (v.l.) Prof. Dr. Jürgen Schrader, Prof. Dr. Jörg Thieme, Prof. Dr. Dieter Birnbacher, Prof. Dr. Dirk Looschelders, Prof. Dr. Andreas Feuerborn, Prof. Dr. Peter Westhoff, Prof. Dr. Dieter Häussinger.

Neujahrsempfang und Neujahrskonzert an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 2011.

Neujahrskonzert beim Neujahrsempfang: Silke Löhr dirigiert das Universitätorchester bei der "Star-Wars-Ouvertüre" mit dem Laserschwert.
Die Neujahrsansprache von Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper stand unter einem Leitgedanken: Wissenschaft als Suche nach Wahrheit, genauer, nach Wahrhaftigkeit. „Der Anspruch auf Wahrhaftigkeit gilt auch gegenüber der eigenen Situation als Hochschule.“
Piper skizzierte zunächst eine Standortbestimmung der Lehre. Und blickte zurück in die eigene Vergangenheit. Als er vor 40 Jahren an die Universität kam, absolvierten fünf bis 10 Prozent eines Jahrgangs ein Studium. „Heute liegt die Studienanfängerquote in Deutschland bei 35 Prozent!“ Der weibliche Anteil sei zu seiner Zeit damals nur ein Drittel gewesen. „Jetzt sind es an der Heinrich-Heine-Universität 60 Prozent!“
Heute studieren an der HHU 17.000 angehende Akademiker, „Ich bin froh, dass wir in den letzten Jahren eine steigende Tendenz haben.“.
Tatsache sei: 80 Prozent der Studierenden wünschten eine akademisch fundierte Berufsqualifikation und danach den schnellen Eintritt in die berufsnahe Weiterqualifikation. Diesen jungen Menschen müsse die Universität eine anspruchsvolle Ausbildung bieten. „Nur wenn wir dem Anspruch dieser Mehrheit unserer Studierenden genügen, können wir auch selbst den Anspruch erheben, in der Mitte der modernen Bildungsgesellschaft zu stehen. Wahrhaftigkeit verlangt, dass wir diese Tatsachen anerkennen und danach handeln. Wir wollen doch die gesellschaftlich offene Universität, aber wir wollen unsere Bildungsaufgaben bei allen unseren Studierenden auch möglichst gut machen. Das ist unser Anspruch.“
Zwei Ziele definierte der Rektor:
Zum einen gelte es, möglichst gute Bachelor- und Master-Studiengänge anzubieten. Nach der Experimentierphase der letzten sechs Jahre und den Studentenprotesten im Herbst 2009 seien an der HHU zwei Drittel der Studiengänge „runderneuert“ worden. „Aber wir wollen keine Fachidioten.“ Deshalb komme dem Studium Universale, von seinem Vorgänger im Amte, Prof. Labisch, an der HHU begründet, künftig zentrale Bedeutung zu.
Zum anderen setze die Universität auf eine gezielte und systematische Förderung der Graduiertenausbildung.
Rektor Piper unterstrich die Rolle der Universität als größte Bildungsinstitution in der Region. Den Absolventen böten sich großartige Berufsperspektiven in Stadt und Umland. Und: „Wenn wir von unserer Universitätsstadt Düsseldorf sprechen, dann meinen wir genau diese Partnerschaft. Wir selber nutzen das kreative Potential dieser Metropole. Das kreative Potential der Universität ist aber auch ein besonderes Asset dieser erfolgreichen Stadt. Wir sollten nicht zu scheu sein, das auch immer wieder zu betonen.“
Nach Wahrhaftigkeit verlange bei einer Standortbestimmung auch die Bewertung der eigenen Forschungsleistung. Diese Analyse sei, vom Hochschulrat begleitet, im vergangenen Jahr erfolgt. „Das Stichwort heißt hier ‚Hochschulentwicklungsplan’.“
In manchen Bereichen sei die HHU brillant, „sie hat aber auch Reserven, die es zu entwickeln gilt“. Markante Erkennungsmerkmale der Universität seien die Forschungsschwerpunkte in der Medizin, der Biologie, der Physik und in den Sprachwissenschaften. Um individuelle Forscher noch besser zusammenzuführen, habe die HHU neue Förderprogramme der Verbundforschung in Höhe von 15 Millionen Euro aufgelegt. „Besonders hervorheben möchte ich dabei die Anschubfinanzierung neuer Graduiertenschulen, bei der uns auch private Stifter tatkräftig helfen.“
Der Rektor sprach weiterhin die Tatsache an, dass in diesem Jahrzehnt ein Drittel der Professuren neu zu besetzen sei, „wir stecken mitten in einem Generationswechsel.“
Große Bedeutung komme der Unterstützung der Universität durch Stadt und Region zu. „Ohne deren über vier Jahrzehnte andauernde Unterstützung wäre sie eher unscheinbar geblieben, wie so manche andere Neugründung aus der zweiten Hälfte der 60er Jahre.“
Piper führte mehrere Beispiele herausragenden privaten Engagements für die Universität an: den Bau des Oeconomicums durch die Schwarz-Schütte-Förderstiftung; das „Haus in der Stadt“, ermöglicht durch die Stiftung van Meeteren („Die Tinte ist unter dem Vertrag!“) sowie den Aufbau eines tropenmedizinischen Instituts an der Adama-Universität in Äthiopien, finanziert durch den Sponsor Wolfgang Hirsch. Ebenfalls zu erwähnen: 21 Stifterpersönlichkeiten, die zusammen mit der Universität die Mittel für 160 Stipendien aufbringen. „Diese und andere Unterstützungsleistungen zeigen uns, wie hoch wir bei den Bürgerinnen und Bürgern von Stadt und Region im Kurs stehen. Wir haben den Anspruch an uns selbst, diesem Vertrauen gerecht zu werden.“
Fazit des Rektors: „Das vergangene Jahr hat mich sehr bewegt, weil sich die Universität so stark bewegt hat. Diese Universität hat den Spirit, die Köpfe und die Unterstützer, etwas Besonderes zu leisten. Und noch wichtiger: Sie hat auch den Biss, die eigene Entwicklung Schritt für Schritt voran zu treiben. 2010 war für die HHU ein im sehr positiven Sinne aufregendes Jahr. Es macht mir deshalb auch selbst großen Spaß, Rektor der Heinrich-Heine-Universität zu sein.“
Umrahmt wurde die Rektorrede vom Universitätsorchester unter der Leitung von Silke Löhr. Neben einer gravitätischen Grieg-Suite zu Beginn bot das klangprächtige Ensemble diesmal etwas ganz Besonderes: Filmmusik von John Williams. Und so marschierte Indiana Jones ins Abenteuer, wurde es mucksmäuschenstill beim anrührenden Violinthema aus „Schindlers Liste“ und donnerte es durchs All zu den „Star Wars“. Bejubelte Zugabe: Ron Goodwins Ohrwurm, - die Leitmotiv der „Miss Marple“-Filme mit Margaret Rutherford. Blumen für die Dirigentin und die 1. Geigerin. Applausgewitter im Hörsaal. Ein Neujahrskonzert mit Erinnerungswert.
Im Rahmen der Veranstaltung erhielten mehrere Professoren die Ehrenmedaille der Universität:
Prof. Dr. Dieter Birnbacher (Philosophie) wurde für seine Verdienste um die Universität, insbesondere als gesellschaftlich engagierter Experte auf dem Gebiet der Bioethik ausgezeichnet.
Prof. Dr. Andreas Feuerborn (Jura) bekam die Medaille für sein Engagement als Programmbeauftragter des integrierten deutsch-französischen Studienkurses der Juristischen Fakultäten der HHU und der Université de Cergy-Pontoise.
Prof. Dr. Dieter Häussinger (Medizin) erhielt die Auszeichnung als Sprecher des Sonderforschungsbereichs 575 „Experimentelle Hepatologie“;
Prof. Dr. Dirk Looschelders für seine Verdienste als Dekan der Juristischen Fakultät;
Prof. Dr. Jürgen Schrader (Medizin) als Sprecher des Sonderforschungsbereichs 612 „Molekulare Analyse kardiovaskulärer Funktionen und Funktionsstörungen“;
Prof. Dr. Jörg Thieme (VWL) für sein Engagement beim Aufbau und der Weiterentwicklung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und
Prof. Dr. Peter Westhoff (Biologie) als Sprecher des Sonderforschungsbereiches 590 „Inherent and adaptive differentiation processes“.

