07.07.17 08:10

Stadtplan und Geschichtsbuch in einer App

Mit der HistoriaApp by HHU Düsseldorf neu entdecken

Von: Victoria Meinschäfer

Eine Gruppe Studierender der Heinrich-Heine-Universität hat in Kooperation mit der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte sowie dem Stadtarchiv die „HistoriaApp by HHU“ entwickelt. Sie lädt zu historischen Stadtrundgängen ein, die über die Zeit des Nationalsozialismus in Düsseldorf informieren. Mit dieser App sollen geschichtsinteressierte Nutzer auf bisher wenig beachtete Orte aufmerksam gemacht werden. Ab dem 11. Juli 2017 steht den Düsseldorfern und Besuchern der Stadt die kostenlose „HistoriaApp by HHU“ als Download im Playstore zur Verfügung. Als virtueller Stadtführer verbindet sie Stadtplan und Geschichtsbuch auf moderne Weise miteinander.

Das Denkmal von Felix Mendelssohn Bartholdy ist einer von rund 90 Orten der neuen HistoriaApp, Foto: Jochen Müller

Die Nutzerinnen und Nutzer machen sich zu Fuß, per Rad oder ÖPNV mit ihren Smartphones auf den Weg zu bedeutenden und im Alltag wenig beachteten Orten, die von der Geschichte Düsseldorfs im Nationalsozialismus erzählen. Unter der Leitung von Jan Niko Kirschbaum (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neueste Geschichte von Prof. Dr. Christoph Nonn) entwickelten die Studierenden seit dem vergangenen Wintersemester die App zusammen mit dem Kölner Entwickler David Neugebauer. Gemeinsam planten sie mehrere Stadtrundgänge, die verschiedene Themenbereiche wie „Jüdisches Leben während der Zeit des Nationalsozialismus“, „Der NS-Herrschafts- und Verfolgungsapparat“, „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, „Erziehung und Propaganda im Nationalsozialismus“ und „Alltag im Nationalsozialismus“ an historischen Orten aufgreifen und erklären. Zu jeder Route sind die Länge, die voraussichtliche Dauer und Informationen zur Barrierefreiheit angegeben. An den sogenannten Mapstops werden dann auf dem Smartphone zahlreiche Informationen und teilweise historisches Bildmaterial zum jeweiligen Ort angezeigt.

„Mit der ‚HistoriaApp by Heinrich-Heine-Universität‘ möchten wir historische Orte in Düsseldorf aufzeigen und durch die Aura und Authentizität des Schauplatzes die dahinterliegenden oftmals abstrakten geschichtlichen Zusammenhänge vermitteln“, erklärt Jan Niko Kirschbaum die Idee der App: „Wir möchten die Nutzerinnen und Nutzer einladen, sich auf eine spannende Zeitreise zu begeben und ihre Stadt aus einer anderen Perspektive neu zu entdecken.“. Denn selbst vielen Düsseldorfern dürfte beispielsweise gar nicht bewusst sein, dass es mitten in der Stadt Außenlager der Konzentrationslager Buchenwald und Sachsenhausen gab, an denen Menschen vom nationalsozialistischen Regime zur Arbeit wie Schutt- und Bombenbeseitigung in der Stadt gezwungen wurden. Oder dass in Golzheim noch heute die Reste einer nationalsozialistischen Vorzeigesiedlung stehen, die im Zuge einer Weltausstellung zu Kultur, Wissenschaft und Alltagsleben nach den Idealen der Nationalsozialisten entworfen worden war. Darüber hinaus werden auch das jüdische Alltagsleben und der christliche Widerstand reflektiert. Aber auch auf kurioses, wie die Namensherkunft des berühmten Düsseldorfer „Killepitsch“ wird eingegangen, der während eines Bombenangriffs auf Düsseldorf von Hans Müller-Schlösser und Willi Busch erdacht, aber erst 1955 Realität wurde.

Weitere Touren zu anderen Themen und Epochen der Düsseldorfer Stadtgeschichte sind in Planung. Eine iOS-kompatible Version folgt.

Die HistoriaApp by HHU soll auch in den nächsten Semestern weiterentwickelt werden und um neue Themen und Funktionen erweitert werden. Die hierfür entwickelte Schnittstelle macht es möglich, ohne großen technischen Aufwand weitere Themen zur Düsseldorfer Stadtgeschichte oder Touren zu anderen Städten zu integrieren und die App stetig zu erweitern. Das nächste Projekt widmet sich im Wintersemester der Stadtentwicklung Düsseldorfs im 19. und 20. Jahrhundert. Kooperationspartner und Förderer sind herzlich eingeladen, die HistoriaApp by HHU zu unterstützen. 

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