01.02.18 10:00

„Freigeist-Fellowship“ der VolkswagenStiftung

Zellprozesse magnetisch kontrollieren

Von: Arne Claussen

Die Physikerin und neue Juniorprofessorin für Experimentelle Medizinische Physik, Dr. Cornelia Monzel, trat heute ihr „Freigeist-Fellowship“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) an. Sie wird unter anderem an der Beeinflussung zellulärer Prozesse mittels magnetischer Nanopartikel forschen. Die VolkswagenStiftung fördert die Nachwuchswissenschaftlerin als „Freigeist-Fellow“ in den kommenden fünf Jahren.

Jun.-Prof. Dr. Cornelia Monzel erhielt am 29. September 2017 ihr „Freigeist-Fellowship“ von Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung. (Foto: Martin Bühler für die VolkswagenStiftung)

Jun.-Prof. Dr. Cornelia Monzel ist Expertin für „Magnetogenetics“, einer neuen Methode, bei der Zellprozesse mittels magnetischer Nanopartikel und unter Verwendung äußerer Magnetfelder berührungslos kontrolliert werden können. Die Nanopartikel sind nur wenige Milliardstel Meter groß und damit deutlich kleiner als jede Zelle. Sie können spezifisch an Proteine innerhalb oder auf der Zelloberfläche binden und anschließend über äußere Magnetfelder manipuliert werden. Zur Manipulation zählen zum Beispiel das Ausüben von Zugkräften im Femto- bis Pikonewtonbereich oder die räumliche Umverteilung der Proteine. Beide Mechanismen können genutzt werden, um gezielt Signale oder mechanische Prozesse in einer Zelle anzuregen. Im Rahmen des Freigeist-Fellowships wird Monzel mechano-sensitive Proteine untersuchen, die bei der Regulation des Eisenhaushaltes und dessen krankhaften Veränderungen eine wichtige Rolle spielen.

Des Weiteren werden magnetische Nanopartikel verstärkt für die hyperthermische Behandlung von Tumoren eingesetzt. Hierbei macht man sich zunutze, dass sich magnetische Teilchen durch ein magnetisches Wechselfeld im Gewebe lokal aufheizen lassen. Die so entstehenden ‚Hotspots’ können das Tumorgewebe direkt zerstören oder für Chemotherapeutika empfindlicher machen. Eine hochselektive Krebstherapie wird schließlich erreicht, wenn die magnetischen Nanopartikel mit bestimmten Proteinen gekoppelt und gezielt an Tumorzellen angelagert werden können.

Als Juniorprofessorin für Experimentelle Medizinische Physik wird Monzel ab Februar 2018 an der HHU lehren und eine eigene Arbeitsgruppe aufbauen. In ihrer Forschung wird sie eng mit der Physik und Medizin der HHU zusammenarbeiten. Ein Forschungsschwerpunkt ist das Freigeist-Fellowship-Projekt „Magnetovesicles: A Mechanochemical Toolkit for the Remote Control of Iron Homeostasis“, welches über fünf Jahre mit einer Fördersumme von rund einer Millionen Euro gefördert wird.

Dr. Cornelia Monzel

studierte Physik an der Universität Bonn (Diplom 2008) und legte parallel einen Master in Naturwissenschaften an der Cambridge University ab (M.Sc. 2006). Im Jahr 2012 promovierte sie in Physikalischer Chemie zu Forschungsarbeiten, die sie am Forschungszentrum Jülich und der Université Aix-Marseille durchführte. Der darauffolgende Postdoc führte sie an die Universität Heidelberg. Von 2015 an forschte sie am Institut Curie in Paris, bis sie im Jahr 2017 von der HHU auf eine W1-Professur für Experimentelle Medizinische Physik berufen wurde.

Mit ihrer Forschung möchte sie neue nanotechnologische Methoden entwickeln sowie zellphysikalische Prozesse untersuchen, die in der medizinischen Diagnostik und Therapie Anwendung finden.

Freigeist-Fellowship der VolkswagenStiftung

Seit dem Jahr 2014 fördert die VolkswagenStiftung junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als „Freigeist-Fellows“. Das Förderprogramm richtet sich an exzellente Postdocs, die risikobehaftete, unkonventionelle Wissenschaft betreiben möchten. Die Stiftung möchte damit interdisziplinäre und außergewöhnliche Forschungsprojekte auf hohem Niveau an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ermöglichen.

Die geförderten Nachwuchswissenschaftler können so mit maximalem Freiraum über fünf Jahre an ihren eigenen Forschungsfragen arbeiten. Da risikoreiche Vorhaben häufig unvorhersehbare Projektverläufe aufweisen, kann die Förderung während der Laufzeit flexibel angepasst werden. Je nach Forschungsfeld und Karrierestadium werden die Fellowships mit bis zu einer Millionen Euro ausgestattet. Darüber hinaus bietet die VolkswagenStiftung Weiterbildungen zu Fach- und Führungskompetenzen in der akademischen Wissenschaft an und fördert die Vernetzung zwischen den Fellows.

Zur Finanzierung der 2017 ausgewählten Projekte steht eine Fördersumme von insgesamt rund 9 Millionen Euro zur Verfügung. Die zehn Freigeist-Fellowships wurden von der VolkswagenStiftung in einem Festakt am 29. September 2017 im Schloss Herrenhausen in Hannover verliehen.

Weitere Informationen: undefinedWebseiten der VolkswagenStiftung

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