18.05.18 13:36

HHU-Evolutionsbiologe ausgezeichnet

Prof. Dr. William Martin erhält Preis der Klüh Stiftung 2018

Von: Arne Claussen

Die Klüh Stiftung zur Förderung der Innovation in Wissenschaft und Forschung ehrt die Forschungsarbeit von Prof. Dr. William Martin vom Institut für Molekulare Evolution der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) zum Ursprung des Lebens. Er hat mit seinem Team den letzten gemeinsamen Vorfahren der heute lebenden Zellen ausgemacht, der einstmals an Tiefseequellen lebte. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde gestern in Berlin verliehen.

Prof. Dr. William Martin (2.v.l.) erhielt am 17. Mai 2018 den Preis der Klüh Stiftung für seine Forschungen zu LUCA, dem letzten gemeinsamen Vorfahren aller heutigen Zellen. Es gratulieren (v. l.): Professor Coordt von Mannstein, S. E. Erzbischof Dr. Heiner Koch, Josef Klüh. (Foto: Klüh Stiftung)

Der Vorfahre, dessen Eigenschaften Prof. Martin mit vergleichenden genetischen Untersuchungen entschlüsselte, trägt den Namen LUCA. Dies steht für „Last universal common ancestor“. Aus ihm haben sich alle heute existierenden Bakterien, Pilze, Pflanzen, Tiere und auch der Mensch entwickelt.

LUCA lebte vor rund 3,8 Milliarden Jahren an einem für die gängigen Vorstellungen von Leben unwirtlichen Ort: an heißen Tiefseehydrothermalquellen. In dieser lichtlosen Umgebung nutzte er für seinen Stoffwechsel Moleküle, die in seiner Umgebung reichlich vorhanden waren: Kohlendioxid, Wasserstoff und Stickstoff, dazu Eisen, Nickel, Schwefel und Selen. Die genetischen Codes für die chemische Umsetzung dieser Stoffe fanden die Forscher als Ausstattung von LUCA.

LUCA ist das Bindeglied zwischen dem chemischen Ursprung des Lebens und den ersten freilebenden Zellen. Die Ergebnisse der Forschungen veröffentlichten Prof. Martin und seine Mitarbeiter im Juli 2016 in der Fachzeitschrift Nature Microbiology (undefinedzur Pressemeldung vom 25. Juli 2016). Die Publikation fand damals weltweites Medienecho.

Prof. Coordt von Mannstein, Vorsitzender des Beirats der Klüh Stiftung, nennt Prof. Martin einen „Wissenschaftler von Weltrang“, der „regelmäßig und nahezu selbstverständlich in den bedeutendsten Wissenschaftsjournalen“ publiziert. Während der Preisverleihung sprach auch der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch zum Thema „Evolution und Schöpfung“.

Die Klüh Stiftung zur Förderung der Innovation in Wissenschaft und Forschung wurde im Jahr 1986 begründet. Seitdem schüttete sie Preise in Höhe von mehr als 750.000 Euro aus.

Zur Person

Prof. Dr. William Martin wurde 1957 in Bethesda, Maryland (USA), geboren. 1981 bis 1985 studierte er an der Universität Hannover Biologie (Diplom). Anschließend wechselte er an das Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung, Köln. 1988 wurde Martin promoviert. Als Postdoc arbeitete er ab 1989 am Institut für Genetik der Technischen Universität Braunschweig, dort habilitierte er sich 1992 im Fach Botanik. 1999 nahm William Martin eine C4-Professur im Fach „Ökologische Pflanzenphysiologie“ an der HHU an, die 2011 in „Molekulare Evolution“ umgewidmet wurde.

Prof. Martin ist Träger zahlreicher nationaler und internationaler Auszeichnungen. Seit 2008 ist er Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, im Jahr 2015 erhielt er einen der renommierten ERC Advanced Grants des Europäischen Forschungsrats.

 

 

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