17.05.18 15:28

Ringvorlesung des Zentrum Studium Universale im Sommersemester 2018

Emotionen

Von: Carolin Grape

Von Mai bis Juli beleuchten und diskutieren die insgesamt fünf Vorträge im Rahmen der Ringvorlesung des Zentrum Studium Universale 2018 das Thema EMOTIONEN aus politischer, neurobiologischer, ästhetischer, philosophischer Perspektive.

Das offizielle Key-Visual der diesjährigen Ringvorlesung des Zentrum Studium Universale. (Foto: ZSU)

 

Mit der Aufklärung schien eine strikte Orientierung an Vernunft und Rationalität – allzumal in den Wissenschaften – erfolgsversprechender zu sein als eine – vermeintlich in die Gegenrichtung zielende – Betonung des Gefühls. Das ändert sich seit vielen Jahren beispielsweise in der gesellschaftlichen Forderung nach mehr emotionaler Intelligenz. Heute kommt kaum eine noch so kurze Textnachricht ohne Emojis oder Emoticons aus, die der reinen Information beigegeben werden.

Wie fruchtbar der Blick auf Emotionen sein kann, belegen Forschungen im Kontext des „emotional turn“, die Emotion in den Rang einer kulturanalytischen Kategorie heben. Auch spielen Emotionen eine stärkere Rolle in Überlegungen zum guten Leben und einer gerechten Politik (Martha C. Nussbaum) denn je.

Offenbar schlägt das Pendel aber überstark zurück, wenn Ängste und Hass starke Elemente in Diskursen sind, die ethnische Alterität mitkonstruieren, oder wenn Begriffe wie „Wutbürger“ oder „Gutmensch“ – durchaus pejorativ gemeint – zu affektiv besetzten Etiketten zur Diskreditierung von Bürgerinnen und Bürgern werden.

Vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen Entwicklungen und Erfahrungen lädt das Zentrum Studium Universale zu der öffentlichen Ringvorlesung „Emotionen“ ein. In insgesamt fünf Vorträgen werden Emotionen in Zusammenhang mit Politik, Neurobiologie, Ästhetik, Philosophie und Konfliktforschung diskutiert und vorgestellt.

In jedem Sommersemester widmet sich die Ringvorlesung des Studium Universale einem aktuellen und gesellschaftlich relevanten Thema, das von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen aus der Sicht ihrer Disziplin behandelt wird. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Studierende der HHU sowie gleichermaßen auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt und der Region Düsseldorf.

Die Teilnahme ist kostenfrei, Interessierte sind herzlich willkommen.

Alle Termine im Überblick:

Immer mittwochs jeweils von 17:00 bis 18:30 Uhr im Haus der Universität, Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf

 

23. Mai 2018

Can’t beat the feeling:Über den Zusammenhang von Politik und Emotionen

Prof. Dr. Konstanze Senge, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Soziologie

Welche Chancen können politischen Emotionen in der heutigen Zeit zugerechnet werden bzw. kann ihnen überhaupt die Kraft zugemessen werden, wichtige politische Prinzipien zur Geltung zu verhelfen

Unsere Gesellschaft ist heute durch einen kulturellen Wandel gekennzeichnet, der unter dem Vorzeichen der „Emotionalisierung“ beschrieben werden kann. Die neue Prävalenz der Gefühle bezieht sich dabei nicht nur auf Werbebotschaften für Konsumangebote, sondern Technologien der Steuerung von Emotionen vollziehen sich in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen. In dem Vortrag wird aus soziologischer Perspektive diskutiert, welche Bedeutung die neue Relevanz des Sinnlichen für unser Verständnis von Politik hat.

 

6. Juni 2018

Neurobiologische Grundlagen sozialer Beziehungen

Prof. Dr. rer. nat. Silke Anders, Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Universität zu Lübeck

Emotionen spielen eine wichtige Rolle in unseren Beziehungen zu Menschen, die uns nahe stehen, aber auch in unserem Denken und Verhalten gegenüber Fremden. Eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst, ob wir uns zu jemand hingezogen fühlen, ob wir uns zugewandt oder abweisend verhalten. Aus neurowissenschaftlicher Sicht sind Beziehungen zwischen Menschen Beziehungen zwischen Gehirnen.

Moderne bildgebende Verfahren erlauben es uns, den Fluss neuronaler Information zwischen Gehirnen zu entschlüsseln und Fragen zu beantworten, wie: Wie bauen Gehirne Beziehungen auf? Können Gehirne aneinander anziehen (und abstoßen) wie Magneten? Der Vortrag versucht, soziale Beziehungen aus neurowissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten.

 

20. Juni 2018 ‪

„Zu Tränen gerührt/bewegt sein.“ Anatomie eines Gefühls

Prof. Dr. Winfried Menninghaus, Direktor Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, Frankfurt

Wie kann das Konstrukt "ästhetische Gefühle" definiert werden  bzw. was verbirgt sich hinter der Redeweise von „bewegt" oder „berührt”?

Das Publikum „emotional zu bewegen“ (movere), gilt seit Cicero und Quintilian als ein Hauptziel von Rednern und Künstlern. Aber was heißt es überhaupt, emotional tief bewegt sein?

Der Vortrag analysiert zunächst das Gefühl des Bewegtseins als solches und präsentiert dann empirische Studien dazu, was bewegende Filme und Gedichte mental und körperlich bei ihren Rezipienten bewirken.

 

4. Juli 2018

Natur und Kultur in der Philosophie der Gefühle

Prof. Dr. Heiner Hastedt, Institut für Philosophie der Universität Rostock

Gefühle zu haben, gehört zur biologischen Grundausstattung des Menschen; gleichwohl bedeutet es eine Kulturleistung, Gefühle differenziert auszubilden und Worte für sie zu finden. Die Kulturleistung besteht nicht darin, die Natürlichkeit der Gefühle zu verlassen; vielmehr ist in der Natur des Menschen eine Offenheit für die kulturelle Ausgestaltung angelegt. Nicht in allen Kulturen und nicht zu allen Zeiten werden Gefühle in gleicher Weise gedeutet; die kulturelle Verschiedenheit ist dabei mehr als nur ein Unterschied in der Etikettierung von ansonsten gleichbleibenden Gefühlen, sondern sie selbst verändern sich kulturell. Der Vortrag wird deshalb einmal nach „Gefühlen in der Philosophie“ fragen, dann versuchen, diese zu definieren, der These „Der Mensch ist von Natur aus ein Kulturwesen“ nachgehen, einen Exkurs zu „Gefühlen in Japan“ machen und abschließend „das Kulturelle als das Soziale“ der Gefühle diskutieren.

 

18.Juli 2018 ‪

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in der Bevölkerung: Ansatzpunkte für emotionalisierte Politisierung

Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer, Institute for Interdisciplinary Research on Conflict and Violence, Universität Bielefeld

Seit geraumer Zeit findet eine Eindunkelung Europas statt. Politische Bewegungen und Parteien kämpfen gegen die offene Gesellschaft und die liberale Demokratie. Dies zeigt sich inzwischen auch in Deutschland mit einem sich entwickelnden Autoritären Nationalradikalismus. Er knüpft an schon lange in Teilen der Bevölkerung existierende Einstellungen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, d. h. der Abwertung und Diskriminierung schwacher Gruppen an. Damit werden in entsicherten Zeiten die Emotionalisierung sozialer Probleme, die Betonung des „Deutsch-Seins“ und aggressive politische Mobilisierung verbunden.

Sind dies die Anzeichen eines neuen politischen Wachstumsmodells?

 

Information und Kontakt:

PD Dr. Christoph auf der Horst
Haus der Universität
Schadowplatz 14
Tel. 0211 8110345

hdu@hhu.de

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