15.08.12 15:08

Interview mit dem Prorektor und ehemaligen Dekan der Philosophischen Fakultät der HHU

"Bologna war richtig" - Prorektor Prof. von Alemann tritt in den Ruhestand

Von: J.K./R.W./Ina Gawel/D.J.

15.08.2012 - Zum 1. September 2012 tritt Prof. Dr. Ulrich von Alemann, Prorektor für Lehre und Studienqualität, in den Ruhestand. Mit großem Einsatz hat er es geschafft, die Studienqualität an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) nachhaltig zu erhöhen. Hier hat das von ihm initiierte Programm „iQu“ Maßstäbe gesetzt und Exzellenz in der Lehre etabliert.

Prorektor Prof. Dr. Ulrich von Alemann bei seiner Abschiedsvorlesung an der HHU am 5. Juli 2012 (Foto: Christian Herrmann/HHU).

"Mit Prof. von Alemann verabschieden wir einen 'Macher', der sich mit Herzblut und Geschick für die Universität eingesetzt hat. Seine Arbeit und Ideen haben die HHU auf Jahre hinaus geprägt", betont der Rektor der HHU, Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper. Bei seiner Verabschiedung durch die Philosophische Fakultät vor wenigen Wochen fiel das Wort vom "gefühlten Urgestein", dessen Ausscheiden eine Zäsur bedeutet. Prof. von Alemann hat die HHU durch ereignisreiche Zeiten begleitet: Unter anderem fällt die Umsetzung des Bolognaprozesses in diese Zeit. Diese bisher größte Reform des deutschen Hochschulwesens jährt sich in diesen Tagen zum zehnten Mal. Anlässlich seines Ausscheidens hat das HHU-Magazin mit Prof. von Alemann ein Interview geführt, indem er auch zu "Bologna" Stellung bezog. Exklusiv geben wir vorab einen Einblick in das umfangreiche Gespräch.

MAGAZIN: Frage an den Prorektor für Lehre und Studienreform i. R.: War die Entscheidung für Bologna richtig?

v. Alemann: Auf jeden Fall: ja. Der Bolognaprozess hat, entgegen vieler Befürchtungen, keine Verschulung gebracht und keine Amerikanisierung des Bildungssystems, sondern eine Umstrukturierung,  wie sie an den deutschen Universitäten schon lange in Fächern wie Jura, Medizin und dem Ingenieurswesen Standard ist. In den Geisteswissenschaften gab es einen Nachholbedarf an dieser kompakten Strukturierung. Dadurch gibt es nun einen viel stärkeren Jahrgangszusammenhalt. Unser "Düsseldorfer Modell" in den Sozialwissenschaften bietet viel mehr Gemeinsamkeiten für die Studierenden. Natürlich gibt es einige negative Begleiterscheinungen, zum Beispiel die völlig übertriebene Akkreditierung. Aber zu 90 Prozent können wir in den Fächern und Fakultäten über Formen und Inhalte selbst entscheiden.

Bevor wir bei uns den Bachelor einführten, haben wir mit dem Wissenschaftsministerium viele Grundfragen diskutiert. Genau wie bei uns gab es da übrigens anfangs auch keine konkreten Vorstellungen.

Tatsache ist, dass es vor der Einführung von Bachelor und Master sehr hohe Abbruchquoten gab, es wurden gerne auch 14 Semester und mehr studiert. Heute bleiben 70 Prozent der Studierenden in der Regelstudienzeit und nur zehn Prozent brechen ab.

MAGAZIN: Welche Punkte in Ihrer Düsseldorfer Zeit waren die wichtigsten für Sie?

v. Alemann: Als Prorektor unter anderem die, nennen wir es "Veralltäglichung von Bologna". Dann die Einführung und der Umgang mit den Studienbeiträgen und der Wechsel zu den Qualitätsverbesserungsmitteln.

Einen großen Erfolg konnten wir im Wettbewerb "Qualität der Lehre" verbuchen, wir haben immerhin 9 Millionen Euro erstritten. Als wichtige Punkte meiner Arbeit im Rektorat nenne ich noch den Haushalt, unser großes Campus-Dauerthema "Bauen", dann das künftige "Haus in der Stadt", das neue Studierenden-Service-Center und die Studienakademie.

MAGAZIN: Und wie wird der Ruhestand aussehen?

v. Alemann: Das wird wohl eher ein Unruhestand werden. Ich werde meine Freiheit genießen und nur das tun, was ich gerne will.

 

(Exklusiver Vorab-Auszug eines Interviews, dessen Vollversion in der Oktober-Ausgabe des "HHU-Magazins" veröffentlicht werden wird - ab Veröffentlichungstermin auch online auf den "undefinedPublikationen/Uni-Magazin" Seiten der HHU Website.

 

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