20.12.17 16:10

Pionierarbeit durch Teamwork / Feierstunde im Haus der Universität/ Lions Club Düsseldorf spendet 10.000 Euro

600 Cochlea Implantate seit 2007: Hörzentrum feiert zehnjähriges Bestehen

Von: Stefan Dreising

Das Hörzentrum der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) hat Mitte Dezember sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Unter dem Motto „Danke für die 10 Jahre Netzwerkarbeit“ bedankte sich das Team dabei bei Kollegen, Partnern und Unterstützern der vergangenen Jahre. Mit dabei auch Dr. Klaus-Peter Feld, Präsident des Lions Club Düsseldorfs, der dem Hörzentrum zum Jubiläum einen Spendenscheck in Höhe von 10.000 Euro überreichen konnte.

Prof. Dr. Jörg Schipper, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, und Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Klenzner, Leiter des UKD-Hörzentrums, anlässlich der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Hörzentrums. (Foto: UKD)

Seit 2013 ist Björn Koch Nationaltrainer des Schwimmkaders beim Deutschen Gehörlosen Sportverband und war vorher Leistungssportler. (Foto: Privat)

Seit seiner Gründung im Jahr 2007 ist das Düsseldorfer Hörzentrum spezialisiert auf die Implantation von Cochlea Implantaten: Bereits über 600 der hochpräzisen Implantate wurden bereits operativ in die Hörschnecke (lat. Cochlea) des Innenohrs eingesetzt. Pro Jahr bekommen rund 80  Patientinnen und Patienten jeden Alters ein solches Implantat. „Vielen stark schwerhörigen Personen ermöglichen es sogenannte Cochlea Implantate wieder eine adäquate Hörleistung zu erlangen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Klenzner, stellvertretender Direktor der HNO-Klinik und Leiter des UKD-Hörzentrums. „Eine Hörstörung kann die Lebensqualität in allen Lebensbereichen enorm einschränken und auch zu einem sozialen Rückzug der Betroffenen führen.“

Kontakt: Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Klenzner, Leiter des Hörzentrums sowie Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor, Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, Universitätsklinikum Düsseldorf, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf, E-Mail: Thomas.Klenzner(at)med.uni-duesseldorf.de

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 Interview Björn Koch

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des UKD-Hörzentrums hat Björn Koch, selber Cochlea Implantat-Träger und Patient des Hörzentrums, über seine Erfahrungen gesprochen. Seit 2013 ist er Nationaltrainer des Schwimmkaders beim Deutschen Gehörlosen Sportverband und war vorher Leistungssportler.

 

Frage: Herr Koch, sie unterstützen viele Projekte und sind auch nach Ihrer Karriere als Leistungssportler noch sehr aktiv. Was machen Sie im Moment alles?

Björn Koch: Derzeit sind es quasi drei Sachen parallel: Ich bin Schwimmtrainer im Verein SC Aqua in Köln. Dann unterstütze ich die Grundschulen bei dem städtischen Projekt der Köln Bäder „sicher schwimmen“ und bin dort als Schwimmlehrer- Assistent tätig. Zudem bin ich seit 2013 Nationaltrainer des Schwimmkaders beim Deutschen Gehörlosen Sportverband.

Frage: Wie kam es dazu, dass Sie auch nach Ihrer Karriere und trotz der schlechten Akustik eines Schwimmbads dort arbeiten wollten?

Björn Koch: Ich selbst war Leistungssportler. Das Schwimmen war für mich immer etwas Besonderes. Hier war egal, dass ich nicht gut hören kann. Hörgeräte aus und los! Leider musste ich nach einer Schulterverletzung im Jahr 2011, dann 2012 meine Karriere an den Nagel hängen. Das Schwimmen komplett dranzugeben, kam allerdings nicht in Frage. So habe ich mich gefragt, was ich mit der Erfahrung mache und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich als Trainer immer noch etwas weitergeben kann.

Frage: Die Geräuschkulisse in Schwimmbädern ist ja doch sehr besonders. Was waren die Herausforderungen in den frühen Jahren als Trainer?

Björn Koch: Mit den Hörgeräten war es im Schwimmbad wirklich äußerst schwierig. Alles hallt und das Wasser schluckt auch viele Geräusche. Immer wieder war ich gezwungen, nachzuhaken und es entstanden immer wieder Missverständnisse – natürlich auch mit den Eltern der Kinder. Heute rückversichere ich mich, ob ich alles richtig verstanden habe. Bei den Kindern habe ich versucht, kurze und knappe Ansagen am Beckenrand zu machen. Jedes Kind sollte also an den Beckenrand schwimmen und dort die Frage stellen.

Frage: Das klingt, als hätten Sie sich gute Strategien überlegt, um auch im Schwimmbad gut zu kommunizieren. Wie kam es dann zu den beiden Cochlea-Implantaten?

Björn Koch: Die Strategien habe ich mit meiner Logopädin und auch durch die Unterstützung im Hörzentrum Düsseldorf gelernt. Trotzdem hatte ich immer mehr Fragen zum Trainerdasein mit Hörgeräten. Zum Beispiel was passiert, wenn sich ein Kind im Becken verletzt und mich ruft – ich das aber nicht höre und wichtige Zeit verloren geht? Durch solche und ähnliche Fragen bin ich nochmals zu meinem HNO-Arzt, der dann das erste Mal das Thema Cochlea Implantat ansprach. Meine Schwester steckte zu dieser Zeit im Medizinstudium und hat mir viele Fragen zum Implantat beantwortet. Meine Eltern waren anfangs gegen eine OP. Trotzdem habe ich mich aber dann 2014 für das erste und 2016 für das zweite Implantat entschieden. Beide Operationen plus anschließender REHA wurden in der HNO-Klinik der Uniklinik Düsseldorf durchgeführt. Die REHA im Hörzentrum Düsseldorf durchlaufe ich derzeit noch.

Frage: Was hat sich verändert seit Sie die Implantate haben?

Björn Koch: Ich bin wesentlich sicherer geworden. Am Wassergeräusch erkenne ich, ob ein Kind oder ein Erwachsener die Technik gut ausführt. Ich höre die Kinder mittlerweile deutlich besser, sage aber immer auch, dass ich noch besser sehen kann. Wir haben klare Zeichen abgesprochen. Ist ein Kind in Gefahr, so signalisieren das auch die anderen Kinder. Dann nehme ich die Sprachprozessoren ab, lege sie auf den Boden und rette.

Frage: Was sind Ihre weiteren Ziele?

Björn Koch: Beruflich möchte ich in diesem Jahr den höchsten Trainerschein in Deutschland zu Ende bringen. Zudem möchte ich gerne lautsprachlich noch besser werden. Die Cochlea Implantate haben mir dabei viel geholfen, aber ich muss mich in stressigen Zeiten immer wieder an die gelernten Strategien zurück erinnern und langsam und deutlich sprechen.

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