14.11.17 11:02

Internationale Tagung

Valery Larbaud: Kosmopolitismus in Zeiten der Globalisierung. Übersetzung und Transgression

By: Victoria Meinschäfer

Unsere sich immer stärker globalisierende Welt wird oft als aus den Fugen geraten wahrgenommen: Neue Medien und immer schnellere Fortbewegungsmittel können als bedrohliche Beschleunigung empfunden werden, aktuelle Migrationsbewegungen erschüttern etablierte Vorstellungen von vermeintlicher kultureller Einheit, die technischen Medien haben das Originalitätsdenken in Bezug auf literarische und künstlerische Werke verändert und das Übersetzen ist zu einer Kulturtechnik des Alltags geworden. Doch so neu ist diese verwirrende Erfahrung nicht, schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts nahmen die Menschen ähnliche Probleme wahr. Ob und welche Antworten der kosmopolitische französische Schriftsteller und Übersetzer Valery Larbaud (1881 – 1957) auf die Herausforderungen der Moderne gegeben hat, die für uns heute von Relevanz sein können – damit beschäftigen sich am 23. und 24. November rund 13 Wissenschaftler bei der internationalen Tagung „Valery Larbaud: Kosmopolitismus in Zeiten der Globalisierung. Übersetzung und Transgression“, die im Haus der Universität und im Vortragsraum der Universitätsbibliothek stattfindet.

Übersetzung wird dabei als kulturwissenschaftliches Konzept betrachtet, bei dem Texte sowohl als die schon übersetzt angesehen werden, zugleich jedoch Potential für die Inbezugsetzung von Welt und Text bergen. „Transgression“ meint das wechselseitige Überschreiten von Grenzen als unaufhörlichen Prozess. Das Dazwischen der Schwelle wird als Ort von Begegnung und Reibung verstanden, der erst in der Bewegung der Überschreitung selbst wahrnehmbar wird.

Die Tagung soll somit neue thematische und formale Wege zur Lektüre der Schriften Larbauds erschließen, die von der Frage nach dem Potential von Literatur als Speicher von Lebenswissen inspiriert sind. Die Tagung findet in französischer Sprache statt und ist öffentlich.

Weitere Informationen unter undefinedwww.romanistik.hhu.de/valery-larbaud-2017.html

Anlässlich der Tagung laden das Institut für Romanistik der Heinrich-Heine-Universität und das Institut français Düsseldorf zu einer Lesung mit Hédi Kaddour am 23.11.2017, im Institut français um 19:30 Uhr ein.

Sein Roman „Die Großmächtigen“ entwirft ein transkulturelles Laboratorium im Marokko der 1920er Jahre, indem er Figuren mit unterschiedlichsten Hintergründen aufeinandertreffen lässt: Da sind zunächst zum einen sowohl konservative als auch nach Europa hin orientierte islamische Einheimische, zum anderen die französischen Siedler. Dieses imperiale, konfliktive Setting wird aufgemischt, als ein Filmteam aus Hollywood, das eine Romanze mit „Wüstensöhnen“ dreht, mit demokratischen Ideen und einem freizügigen Lebensstil in diese Welt eindringt. Ironisch zugespitzt werden die transkulturellen Bezüge dann bei einer Reise der Protagonisten nach Europa, wo Frankreich das Ruhrgebiet u.a. durch aus dem Maghreb stammende Soldaten besetzt hat. Somit ist der Roman von großer Aktualität, da er das Verhältnis des Maghreb zu Europa und die Komplexität transkultureller Begegnungen erörtert.

Die Lesung ist öffentlich und kostenfrei, Publikum aus der Stadt ist herzlich willkommen.

Die Tagung wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

 

 

Responsible for the content: E-MailStabsstelle Presse und Kommunikation