07.03.18 13:30

Pionierinnen der Medizin

Nobelpreisverdächtige Ärztinnen

By: Redaktion

07.03.2018 - Zum Weltfrauentag am 8. März erscheint in der britischen Fachzeitschrift The Lancet ein Korrespondenzbeitrag der Düsseldorfer Medizinhistoriker Dr. Nils Hansson und Prof. Dr. Heiner Fangerau über Pionierinnen in der Medizin.

Briefmarke mit dem Portrait von Cécile Vogt, (Deutsche Bundespost - Dauermarkenserie Frauen in der deutschen Geschichte)

Dabei geht es den beiden Wissenschaftlern um Forscherinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin nominiert wurden, aber den Preis nie erhielten. Zu dieser Gruppe gehören die französische Neurologin Cécile Vogt und die amerikanische Kinderärztin Helen B. Taussig. Hansson und Fangerau haben ihre Nobelpreisnominierungen beleuchtet.

„Cécile Vogt war die erste für den Medizin-Nobelpreis nominierte Frau überhaupt. Sie wurde erstmals 1922 für ihre Hirnforschung vorgeschlagen. Taussig wurde ebenfalls mehrmals für ihre Forschung über die Behandlung angeborener Herzfehler nominiert. Die Preisjury stufte damals beide als starke Kandidatinnen ein", sagt Nils Hansson, der sich in seinem Habilitationsprojekt mit der Geschichte des Nobelpreises und Exzellenz in der Medizin befasst. Nach Cécile und ihrem Ehemann Oskar Vogt ist das Institut für Hirnforschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf benannt.

Der Nobelpreis wird jährlich seit 1901 vergeben und gilt als der renommierteste Wissenschaftspreis weltweit. Die Nominierungen und die Preisverhandlungen der Nobelpreisjury sind von besonderem  wissenschaftshistorischen Interesse. Sie weisen auf bedeutende Reputationsfaktoren in Forscherkreisen hin, etwa internationale Unterstützernetzwerke und Rezeptionsgeschichten von  Forscherleistungen. „Darüber hinaus gibt eine systematische Analyse der Nobelpreisnominierungen Hinweise auf bedeutende Forschungstrends im letzten Jahrhundert", sagt Prof. Dr. Heiner Fangerau, Direktor des Instituts für Geschichte, Ethik und Theorie der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Frauen sind in der Nobelpreisstatistik rar. Bis auf einige bekannten  Ausnahmen wie etwa Marie Curie, die sogar zwei Nobelpreise erhielt (Physik 1903, Chemie 1911), ist der typische Nobelpreisträger ein seit  Jahrzehnten etablierter männlicher Forscher aus Europa oder den USA. Die erste Nobelpreisträgerin für Physiologie oder Medizin wurde Gerty Cori im Jahr 1947 für ihre Arbeit über den Zuckerstoffwechsel. Bis heute finden sich in dieser Preiskategorie zwölf Laureatinnen von mehr als 200 Preisträgern.

Hintergrund: Das Cécile-und-Oskar-Vogt-Institut für Hirnforschung wurde durch Oskar Vogt (1870-1959) gegründet und 1964 nach dem Tod Cécile Vogts von der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Universität Düsseldorf e.V. übernommen. Es beherbergt heute eine der größten Sammlungen von Gehirnschnitten der Welt. Aktuelle Direktorin ist Prof. Dr. Katrin Amunts, die auch Direktorin des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin 1 am Forschungszentrum Jülich ist. Sie ist der Öffentlichkeit vor allem bekannt durch ihre Arbeit am Human Brain Project.

undefinedPublikation: Hansson N, Fangerau H. Female physicians nominated for the Nobel Prize 1901-1950. Published Online, March 7, 2018, S0140-6736(18)30576-2

Kontakt: undefinedDr. Nils Hansson, Institut für Geschichte, Theorie und Ethik  der Medizin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

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