23.06.10 00:00

Heinrich-Heine-Gastprofessur: Joschka Fischer hielt letzte Vorlesung

By: Rolf Willhardt

Düsseldorf. <br/>Joschka Fischer, Heine-Gastprofessor im Sommersemester 2010, hielt gestern seine letzte Vorlesung im vollbesetzten Konrad-Henkel-Hörsaal. Die Veranstaltung wurde wegen des großen Andranges auch in HS 3D und HS 3H ("Ester-Betz-Hörsaal") per Video übertragen. Thema des Außenministers a.D. und ehemaligen Vizekanzlers: "Europa in der Welt". Eingeflochten hatte er darin das Sujet, über das er eigentlich bei der letzten Vorlesung sprechen wollte ("Europas Nachbarschaft"), das Fischer aber aus Aktualitätsgründen änderte.Joschka Fischer, Heine-Gastprofessor im Sommersemester 2010, hielt gestern seine letzte Vorlesung im vollbesetzten Konrad-Henkel-Hörsaal. Die Veranstaltung wurde wegen des großen Andranges auch in HS 3D und HS 3H ("Ester-Betz-Hörsaal") per Video übertragen. Thema des Außenministers a.D. und ehemaligen Vizekanzlers: "Europa in der Welt". Eingeflochten hatte er darin das Sujet, über das er eigentlich bei der letzten Vorlesung sprechen wollte ("Europas Nachbarschaft"), das Fischer aber aus Aktualitätsgründen änderte.

Joschka Fischer, Heine-Gastprofessor im Sommersemester 2010, hielt gestern seine letzte Vorlesung im vollbesetzten Konrad-Henkel-Hörsaal. Die Veranstaltung wurde wegen des großen Andranges auch in HS 3D und HS 3H ("Ester-Betz-Hörsaal") per Video übertragen. Thema des Außenministers a.D. und ehemaligen Vizekanzlers: "Europa in der Welt". Eingeflochten hatte er darin das Sujet, über das er eigentlich bei der letzten Vorlesung sprechen wollte ("Europas Nachbarschaft"), das Fischer aber aus Aktualitätsgründen änderte.

Pressebild

Warteschlange vor dem Henkel-Hörsaal: Schon um 13.45 Uhr standen die Ersten an, um noch einen Platz zu finden. Per Video wurde die Vorlesung in zwei weitere Hörsäle übertragen.

Foto: Arne Claussen

 

 

 

Fischer griff in dieser letzten Vorlesung einige Gedanken aus den vorausgegangenen auf. Zentrales Datum für Deutschland und Europa: der 9. November 1989, der Fall der Mauer und der, so Fischer "Beginn einer neuen Welt". Einhergegangen mit dem Zerfall des Ostblocks sei aber auch der "relative Niedergang des westlichen Machtmonopols", einschließlich Verschiebungen in der Weltwirtschaft: "Der Reichtum wandert von West nach Ost."

 

Fischers Frage: "Was ist da die europäische Position?" Er sei deprimiert, "daß wir unsere europäischen Probleme nicht gelöst bekommen." Bittere Zwischenbilanz: "Wir sind nicht mehr groß genug, damit wir in dieser neuen Weltordnung mitreden können." Die Supermacht USA, deren Unterstützung und Hilfe Europa seit 1945 als Selbstverständlichkeit angesehen habe, werde kaum Interesse an einem schwachen Europa zeigen. Und nochmals Pessimismus: "Europa wird ein Bild abgeben, in dem wir reich, alt und schwach sind."

Pressebild

Joschka Fischer im Hörsaal. Links neben ihm Hochschulratsvorsitzende Anne-Jose Paulsen und Hochschulratsmitglied Avi Primor, rechts Rektorgattin Henriette Piper

Foto: Bernd Schaller

 

Mit dem Thema "Sicherheit" sei dabei essentiell in Europa auch das Thema "Nachbarschaft" verbunden: "Europa muß für Sicherheit und Stabilität in seiner Nachbarschaft sorgen!" Die Balkanstaaten draußen vor lassen, nicht in die EU integrieren? Das berge hochgradige Risiken, "das wäre töricht!"

 

Fischer unterstrich die Rolle Rußlands, das, zeige Europa kein Interesse, sich zwangsläufig in Richtung Asien und den islamischen Raum orientieren werde.

 

Ebenfalls: "Der Nahe und Mittlere Osten, - das ist unsere Nachbarschaftsregion." Das zentrale Bindeglied sei hier die Türkei. "Wir würden die EU auf das Schwerste schädigen, wenn wir die Türkei entfremden und zurückstoßen. Die Frage, in welche Richtung die Türkei geht, ist eine eminente westliche Sicherheitsfrage." An der Zukunft der Türkei hänge auch die Modernisierung des Islam. Die zentralen Mächte der Regon -Türkei, Rußland, Iran - seien zwar seit Jahrhunderten Konkurrenten und Widersacher, eine Annäherung untereinander aber bei einer Abkehr der EU von der Türkei durchaus möglich.

 

In diesem Zusammenhang sieht Fischer auch den israelisch-arabischen Konflikt: "Wenn diese Region explodiert, dann haben wir Europäer ein Riesenproblem." "Nachbarschaftspolitik" sei auch mit Blick auf die afrikanischen Staaten und deren dynamische Entwicklung notwendig, "wir tun immer noch so, als ob wir auf einer Insel der Seligen leben."

 

Europa, so Fischers Feststellung, sei keine Militärmacht. "Aber wir besitzen andere Stärken, das haben wir im Prozeß der Einigung bewiesen." Oberstes nationales Ziel müsse die Einheit Europas sein, denn "Europa ist unser Schicksal". Joschka Fischer, Heine-Gastprofessor im Sommersemester 2010, hielt gestern seine letzte Vorlesung im vollbesetzten Konrad-Henkel-Hörsaal. Die Veranstaltung wurde wegen des großen Andranges auch in HS 3D und HS 3H ("Ester-Betz-Hörsaal") per Video übertragen. Thema des Außenministers a.D. und ehemaligen Vizekanzlers: "Europa in der Welt". Eingeflochten hatte er darin das Sujet, über das er eigentlich bei der letzten Vorlesung sprechen wollte ("Europas Nachbarschaft"), das Fischer aber aus Aktualitätsgründen änderte.

 

Warteschlange vor dem Henkel-Hörsaal: Schon um 13.45 Uhr standen die Ersten an, um noch einen Platz zu finden. Per Video wurde die Vorlesung in zwei weitere Hörsäle übertragen.

Foto: Arne Claussen

 

Fischer griff in dieser letzten Vorlesung einige Gedanken aus den vorausgegangenen auf. Zentrales Datum für Deutschland und Europa: der 9. November 1989, der Fall der Mauer und der, so Fischer "Beginn einer neuen Welt". Einhergegangen mit dem Zerfall des Ostblocks sei aber auch der "relative Niedergang des westlichen Machtmonopols", einschließlich Verschiebungen in der Weltwirtschaft: "Der Reichtum wandert von West nach Ost."

Fischers Frage: "Was ist da die europäische Position?" Er sei deprimiert, "daß wir unsere europäischen Probleme nicht gelöst bekommen." Bittere Zwischenbilanz: "Wir sind nicht mehr groß genug, damit wir in dieser neuen Weltordnung mitreden können." Die Supermacht USA, deren Unterstützung und Hilfe Europa seit 1945 als Selbstverständlichkeit angesehen habe, werde kaum Interesse an einem schwachen Europa zeigen. Und nochmals Pessimismus: "Europa wird ein Bild abgeben, in dem wir reich, alt und schwach sind."

 

Joschka Fischer im Hörsaal. Links neben ihm Hochschulratsvorsitzende Anne-Jose Paulsen und Hochschulratsmitglied Avi Primor, rechts Rektorgattin Henriette Piper

Foto: Bernd Schaller

Mit dem Thema "Sicherheit" sei dabei essentiell in Europa auch das Thema "Nachbarschaft" verbunden: "Europa muß für Sicherheit und Stabilität in seiner Nachbarschaft sorgen!" Die Balkanstaaten draußen vor lassen, nicht in die EU integrieren? Das berge hochgradige Risiken, "das wäre töricht!"

Fischer unterstrich die Rolle Rußlands, das, zeige Europa kein Interesse, sich zwangsläufig in Richtung Asien und den islamischen Raum orientieren werde.

Ebenfalls: "Der Nahe und Mittlere Osten, - das ist unsere Nachbarschaftsregion." Das zentrale Bindeglied sei hier die Türkei. "Wir würden die EU auf das Schwerste schädigen, wenn wir die Türkei entfremden und zurückstoßen. Die Frage, in welche Richtung die Türkei geht, ist eine eminente westliche Sicherheitsfrage." An der Zukunft der Türkei hänge auch die Modernisierung des Islam. Die zentralen Mächte der Regon -Türkei, Rußland, Iran - seien zwar seit Jahrhunderten Konkurrenten und Widersacher, eine Annäherung untereinander aber bei einer Abkehr der EU von der Türkei durchaus möglich.

In diesem Zusammenhang sieht Fischer auch den israelisch-arabischen Konflikt: "Wenn diese Region explodiert, dann haben wir Europäer ein Riesenproblem." "Nachbarschaftspolitik" sei auch mit Blick auf die afrikanischen Staaten und deren dynamische Entwicklung notwendig, "wir tun immer noch so, als ob wir auf einer Insel der Seligen leben."

Europa, so Fischers Feststellung, sei keine Militärmacht. "Aber wir besitzen andere Stärken, das haben wir im Prozeß der Einigung bewiesen." Oberstes nationales Ziel müsse die Einheit Europas sein, denn "Europa ist unser Schicksal".

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