08.05.12 08:16

Philosophische Fakultät

Prof. Dr. Stefan Marschall ist der Kopf hinter dem Wahl-O-Mat

Von: V.M.

09.05.12 - Vor der letzten Bundestagswahl nutzten rund 6,7 Millionen User den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), vor der NRW-Wahl 2012 waren es 650 000. Wissenschaftlich begleitet und erforscht wird der Wahl-O-Mat an der Heinrich-Heine-Universität – von dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Marschall.

Bei der Pressekonferenz: Prof. Dr. Stefan Marschall (Foto: Stefan Klinker/HHU).

2002 wurde in Deutschland das Online-Tool „Wahl-O-Mat“ entwickelt, eine Adaption des niederländischen „StemWijzer“, der dort seit 1989 als Instrument der politischen Bildung eingesetzt wird. Knapp 40 Thesen werden den Nutzern vorgestellt, die sie mit „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“ bewerten können. Der Wahl-O-Mat vergleicht die Antworten mit denen der Parteien und zeigt dem Nutzer auf dieser Grundlage seine Übereinstimmungen mit den einzelnen Parteien. Eine Wahlempfehlung spricht der Wahl-O-Mat nicht aus, er bildet lediglich die Übereinstimmungen und Unterschiede des Nutzers zu den einzelnen Parteien ab.

Entwickelt werden die Thesen in der Regel von einer Gruppe Erst- und Zweitwähler unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Marschall. Von Anfang an hat er den Wahl-O-Mat wissenschaftlich begleitet, von der Thesenentwicklung im Vorfeld bis hin zur abschließenden Auswertung nach der jeweiligen Wahl.

Für die Thesenentwicklung werden rund 20 Erst- und Zweitwähler eingeladen, sich in einem Workshop Gedanken über die für die Wahl relevanten Thesen zu machen. Marschall: „Es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Themen in den einzelnen Bundesländern sind. Interessiert in Schleswig-Holstein die Fehmarnbeltquerung, kann es in Berlin die ‚Hundekotfrage’ sein.“ Die jungen Leute, die sich für die Workshops bewerben, in denen die Thesen für den Wahl-O-Mat aufgestellt werden, sind meist politisch interessiert. „Lebensweltliche Aspekte der Jugendlichen spielen bei der Auswahl der Themen eine Rolle“, so Marschall, „zudem achten wir gemeinsam darauf, dass die Sprache nicht zu kompliziert ist.“ Die in den Workshops entstandene „Longlist“ der Thesen wird an die Parteien geschickt, die dazu Stellung nehmen können. „In einem statistischen Verfahren werden die Aussagen dann auf hinreichende Unterscheidbarkeit überprüft, was den Wegfall einiger Thesen nach sich zieht“, erklärt Marschall. So entsteht dann die „Shortlist“, mit der der Nutzer in einer „dramaturgisch sinnvollen“ Reihenfolge konfrontiert wird. Am Ende hat der User dann die Möglichkeit, einzelne Aussagen doppelt zu gewichten. Auf Grundlage der gegebenen Antworten errechnet der Wahl-O-Mat dann die Übereinstimmung bzw. Abweichung mit den Parteien.

Wenn dann die Bundeszentrale für politische Bildung den Wahl-O-Mat freigeschaltet hat, meist sechs Wochen vor der Wahl, ist die Arbeit von Prof. Marschall noch nicht zu Ende. Um die Wirkung des Wahl-O-Mat zu kontrollieren, wird eine zufällig ausgewählte Gruppe von Benutzern gebeten, an einer Befragung teilzunehmen.

So überprüfen Marschall und seine Mitarbeiter zum Beispiel, inwieweit der Wahl-O-Mat die politische Entscheidungsfindung beeinflusst oder ob die bei der Wahlentscheidung oft wichtige Kandidatenorientierung zugunsten der Orientierung an Sachfragen abnimmt.

Der typische Wahl-O-Mat-Nutzer, so ein Ergebnis der Befragung, ist formal hoch gebildet und deutlich jünger als der Durchschnitt der Bevölkerung. Außerdem sind die Nutzer von vorneherein politisch sehr interessiert.

„Es spricht viel dafür, dass in den kommenden Jahren die Orientierung an Sachfragen der Wähler stark bleibt bzw. noch stärker wird“, erklärt Marschall. „In diesem Fall werden auch der Wahl-O-Mat und seine Verwandten an Relevanz gewinnen.“

 

Weitere Informationen:

undefinedwww.wahlomat.uni-duesseldorf.de

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