03.04.12 12:46

Informationswissenschaft

Krisengezwitscher: Düsseldorfer Studentin gewinnt Nachwuchs-Preis mit Studie zur Twitter-Nutzung von TEPCO

Von: Katrin Weller / C.G.

Wie hat der japanische Energiekonzern TEPCO in den zwei Monaten nach den Naturkatastrophen in Japan und dem Vorfall im Fukushima-Kraftwerk im März 2011 den Internetdienst Twitter zur (Krisen-) Kommunikation genutzt? Dieser Frage widmete sich die Düsseldorfer Studentin Ulrike Ezold in ihrer Bachelorarbeit und konnte dabei optimal Fragestellungen aus ihrem Haupt- und Nebenfach (Modernes Japan und Informationswissenschaft) kombinieren. Für die aktuelle Brisanz dieser Forschungsarbeit sowie die Anwendung inhaltsanalytischer Methoden im Microblogging-Dienst Twitter wurde Ulrike Ezold mit dem ersten Platz des Young Information Professionals (YIP) Award ausgezeichnet. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.

Preisträgerin Ulrike Ezold mit Siegerurkunde

Siegerehrung bei der DGI-Konferenz. Von links nach rechts: DGI-Präsident Stefan Gradmann, Angelika Lex (Elsevier), YIP-Programm-Koordinatorin Kathrin Knautz und die Preisträgerinnen Anja Lorenz, Lena Sablowski und Julia Herget (Fotos: Agnes Mainka)

Eine Kurzversion der Ergebnisse präsentierte sie auf der DGI-Konferenz zum Thema „Social Media & Web Science – Das Web als Lebensraum“, die am 22. und 23. März in Düsseldorf stattfand.

In ihrer Arbeit wertete Ulrike Ezold die Tweets, die der Konzern im Untersuchungszeitraum veröffentlicht hatte, inhaltlich aus und setzte sie zu offiziellen Pressemeldungen von TEPCO in Beziehung. TEPCO reagierte auf direkte Anfragen von Twitter-Nutzern (@-Messages) nicht, Informationen zum Atomkraftwerk in Fukushima fehlten lange völlig. Fast ausschließlich wurde über bevorstehende Stromausfälle informiert. Erst einen Monat nach den Vorfällen äußert sich TEPCO erstmals bei Twitter über das Atomkraftwerk. Dass dies jedoch den Informationsbedürfnissen der Web-Community nicht gerecht wird, zeigte Ezold anhand eines Vergleichs mit den häufigsten Google-Suchanfragen im Zeitraum nach der Katastrophe. TEPCO hatte erst sechs Tage nach dem Erdbeben einen Twitter Account eingerichtet.

Der YIP Award zeichnet im Rahmen der DGI-Konferenz die besten Beiträge von Nachwuchswissenschaftlern und jungen Informationspraktikern aus. Er wurde erstmals im Jahr 2010 vergeben und wird seither von Elsevier mit Preisgeldern im Gesamtwert von 1.000 Euro ausgestattet. Insgesamt wurden in diesem Jahr 18 Beiträge (11 Poster und 7 Langbeiträge) von Nachwuchskräften aus Informationswissenschaft und -praxis identifiziert und begutachtet.

Auch zwei weitere Düsseldorfer Studentinnen durften sich freuen: Julia Herget und Lena Sablowski belegten mit ihrem Poster zur Fragestellung „Nutzen Jungwähler das Angebot der E-Information zur politischen Bildung?“ den dritten Platz. Sie haben in qualitativen Interviews Jungwähler zu ihrem Informationsverhalten im Social Web befragt. Dabei ging es insbesondere auch darum, ob politische Informationen in Social Media Angeboten eine Rolle spielen und ob offizielle Angebote zur E-Information wahrgenommen werden.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI)
Nadja Strein
Telefon: +49 (0)69 4303-13

Ansprechpartner zur DGI-Konferenz an der Uni Düsseldorf:
Dr. Katrin Weller
Institut für Sprache und Information
Abteilung für Informationswissenschaft
Telefon: +49 (0)211 81-10803
E-Mail: weller(at)hhu.de

 

 

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