Ausgangssituation
Im Wintersemester 2002/2003 waren in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät insgesamt 1372 Studierende eingeschrieben. Davon entfielen 1141 auf den Diplomstudiengang BWL und 205 auf den Diplomstudiengang Wirtschaftschemie. 26 Studierende streben die Promotion an. Dieses gesamte Studienprogramm wird von zehn Lehrstühlen angeboten, von denen gegenwärtig neun besetzt sind.
In der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät wurde das bislang bewährte Profil der Studienstruktur zukunftsweisend weiterentwickelt: Im Vordergrund des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an der Heinrich-Heine-Universität steht weiterhin die Ausbildung zum Generalisten. Auf der einen Seite, um uns im universitären Wettbewerb von anderen "Konkurrenten" abzuheben, auf der anderen Seite aber auch aus ganz praktischen Erwägungen, weil mit neun bzw. zehn Professuren der Möglichkeit zur Spezialisierung enge Grenzen gesetzt sind. Gleichwohl erfolgte mit der Besetzung des "Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzdienstleistungen" eine deutliche Akzentuierung in den Bereichen Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Finanzprodukte, die gemeinsam mit den vorhandenen volks- und betriebswirtschaftlichen Lehrstühlen eine gerade für den Wirtschaftsstandort Düsseldorf attraktive Schwerpunktlegung erlaubt. Diese Gelegenheit zur Spezialisierung wird – vor dem Hintergrund einer geänderten Prüfungsordnung für den Diplomstudiengang BWL – durch die Kombination der drei Fächer
- Investition und Finanzierung,
- Finanzdienstleistungen sowie
- Internationale Finanzmärkte
möglich. Das Fach Internationale Finanzmärkte stellt dabei eine "Gemeinschaftsproduktion" von betriebs- und volkswirtschaftlichen Fachvertretern dar.
Eine zweite für den Standort Düsseldorf interessante Schwerpunktbildung wird nach der Besetzung des "Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre" möglich sein. Hierzu lassen sich die Fächer
- Betriebswirtschaftliche Steuerlehre,
- Wirtschaftsprüfung und Controlling sowie
- Steuerrecht
kombinieren. Das Fach Steuerrecht wird bereits seit dem Wintersemester 2002/2003 von der Juristischen Fakultät angeboten und bildet die Grundlage eines – für die Zukunft geplanten – gegenseitigen Studienangebots beider Fakultäten im Bereich Steuern. Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wird im Austausch betriebswirtschaftliche Veranstaltungen primär aus den ersten beiden Fächern für den Schwerpunkt Steuerrecht in der Juristischen Fakultät anbieten.
Beide Möglichkeiten der Schwerpunktbildung werden den Studierenden (künftig) angeboten, ohne dass zugleich eine Verpflichtung zu dieser Kombination besteht. Jede andere laut Prüfungsordnung zulässige und aus der Sicht der Studierenden sinnvolle Kombination mit anderen in der Fakultät angebotenen Fächern steht offen.
Schließlich wurde mit dem Fach Psychologie der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ein wechselseitiges Lehrangebot vereinbart, das es nunmehr erlaubt, im Studiengang Betriebswirtschaftslehre das Wahlfach Wirtschaftspsychologie anzubieten; vornehmlich in Verbindung mit den betriebswirtschaftlichen Vertiefungen Marketing sowie Unternehmensführung, Organisation und Personal entsteht hier eine disziplinbefruchtende Fächerkombination. Angesichts des strikten Numerus clausus in Betriebswirtschaftslehre sind allerdings weiteren fakultätsübergreifenden Studienmodellen recht enge Grenzen gesetzt.
Das tangiert auch den Studiengang Wirtschaftschemie, für den wegen der deutlich über den Planansätzen liegenden Anfängerzahlen ebenfalls ein Numerus clausus beantragt werden musste. Beim Studiengang Wirtschaftschemie handelt es sich um einen integrierten Studiengang, in den wirtschaftswissenschaftliche Lehrinhalte und Lehrinhalte der Chemie nahezu gleichgewichtig eingehen und vom ersten Semester an parallel studiert werden. Diese Struktur begründet zum einen seine Einzigartigkeit, zum anderen ist es der Standort Düsseldorf, der bundesweit ein fast unübertroffen günstiges wirtschaftliches Umfeld bietet, in dem viele Unternehmen und Institutionen der Chemiebranche tätig sind. Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät verbindet mit dem Studiengang den Ausbau und die Abrundung der Ausbildung in eine branchenbezogene Richtung sowie die verstärkte Vernetzung innerhalb der Universität und in der Wirtschaft der Region. Die Wirtschaftspraxis als zukünftiges berufliches Feld der Absolventen und insbesondere die chemische Industrie sowie ihre Verbände begleiten das Modell mit großem Interesse, mit Zustimmung und praktischer Unterstützung (z. B. Praktikumsangebote).
Mit der Gründung der Düsseldorf Business School als privatwirtschaftlich organisierter GmbH wurde in Form der Weiterbildung von Führungskräften, die ihre Wirtschafts- und Managementkompetenz nach internationalem Standard vertiefen wollen, ein neues Aufgabenfeld eröffnet.
Rahmenbedingungen der Business School
Die Düsseldorf Business School GmbH wurde am 7. Juni 2002 gegründet und ist über ein Public-Private-Partnership eng mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf verbunden. Zu den Gründern gehören – neben der Universität – die Stadtsparkasse Düsseldorf, die Schwarz Pharma AG in Monheim, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein GmbH, Düsseldorf, sowie alle Professoren der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.
Studierende an der Düsseldorf Business School müssen zwei Voraussetzungen erfüllen: Zum einen müssen sie bereits über einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss verfügen. Hierzu zählt ein Diplom, ein Bachelor, ein erstes Staatsexamen oder ein gleichwertiger Abschluss. Ob diese Voraussetzung erfüllt ist, prüfen Vertreter der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Das andere Kriterium für eine Aufnahme ist berufliche Erfahrung nach dem Studium. Diese Voraussetzung wird von Vertretern der Business School geprüft – unter anderem in persönlichen Interviews. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums wird der Mastertitel durch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vergeben.
Die von der Business School angebotenen Studiengänge sollen Theorie und Praxis so eng wie möglich miteinander verknüpfen. Ein Ziel, das nicht nur durch den Dozentenmix aus Hochschullehrern und Praktikern erreicht wird. Es spiegelt sich auch in den Lehr- und Lernmethoden wider. Schwerpunktmäßig bestehen diese zum einen aus "klassischen" Diskussionsvorträgen, zum anderen aus betreuten Gruppenarbeiten sowie der Lösung und Präsentation von Fallstudien. Auch werden Rollenspiele genutzt, um z. B. Akquisitionsgespräche zu simulieren. Zur Vertiefung der Lernerfahrungen dienen Unternehmungsplanspiele, mit Workshops und Foren zum Erfahrungsaustausch lässt sich das Gelernte auf die berufliche Praxis der Studienteilnehmer übertragen. Wahlpflichtkurse geben den Studierenden ferner die Chance, das theoretische Wissen möglichst dicht an ihrem eigenen Berufsalltag zu erwerben.
Einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des im Rahmen des Studiums erworbenen Wissens in die Praxis leistet auch die Masterarbeit, die nach dem letzten Studienabschnitt angefertigt wird. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht ein praktisches Problem im Unternehmen des Teilnehmers, das mit den erlernten Methoden und Fähigkeiten zu lösen ist.
Das Studium an der Düsseldorf Business School erlaubt es, Beruf und anspruchsvolle Weiterbildung miteinander zu verbinden. Es verknüpft den aktuellen Stand der Wissenschaft mit den praktischen Notwendigkeiten des Berufsalltags und entwickelt Problemlösungsfähigkeiten durch Einbindung des Studierenden in den Lernprozess. Ein renommiertes Dozententeam deckt die Breite, Tiefe sowie den Anwendungsbezug eines internationalen Standards genügenden Studiums ab. Die Orangerie von Schloss Benrath bietet eine exklusive Lernatmosphäre für ein anspruchsvolles Präsenzstudium, in dem moderne Medien- und Kommunikationstechniken als Lernhilfen zum Einsatz kommen.
Studiengang "General Management" (MBA)
Der Studiengang "General Management" mit dem Abschluss "Master of Business Administration" (MBA) begann am 6. Februar 2003 mit 18 Studierenden. Das 21 Monate dauernde berufsbegleitende Studium erlaubt insbesondere Absolventen nicht ökonomischer Studiengänge an Hochschulen und Fachhochschulen (Ingenieuren, Naturwissenschaftlern, Juristen, Geistes- und Sozialwissenschaftlern, Medizinern), Beruf und anspruchsvolle Weiterbildung miteinander zu verbinden. Das Studium wendet sich an Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung, die ihre Kompetenz im Management gezielt weiterentwickeln wollen. Neben Dozenten aus der Universität werden zahlreiche Experten aus der Wirtschaftspraxis an der Business School lehren. Das Studium versetzt seine Teilnehmer in die Lage, wirtschaftliche Zusammenhänge zu überblicken und zu verstehen. Dabei geht es insbesondere um die Zusammenhänge und Abläufe innerhalb von Unternehmen, zwischen Unternehmen sowie um diejenigen zwischen Unternehmen und den sie umgebenden Märkten bzw. weiteren relevanten Einflüssen aus dem Umfeld.
Die Teilnehmer verbessern ihre Fähigkeiten, Geschäftseinheiten eigenverantwortlich auf der Grundlage ökonomischer Zielsetzungen zu führen, Problemstellungen zu analysieren, Instrumente zur Problemlösung zu beherrschen und adäquat anzuwenden sowie ihr Team- und Führungsverhalten zu optimieren.
Das gesamte Curriculum des Studiengangs "General Management" gliedert sich in vier Abschnitte. Im ersten Studienabschnitt wird ein Überblick über die in Unternehmen ablaufenden Prozesse der Leistungserstellung, ihre zielgerichtete Steuerung und ihre Abbildung in der Unternehmensrechnung gegeben. Darüber hinaus werden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dargestellt, die Einfluss auf das unternehmerische Handeln haben. In den weiteren Abschnitten geht es um Leistungs- und Finanzprozesse, Integrationsmanagement und Human Resources sowie Strategisches Management und Unternehmensanalyse. Den Abschluss des Studiums bildet die Masterarbeit.
Studiengang "International Finance" (MoF)
Der Studiengang "International Finance" mit dem Abschluss "Master of Finance" (MoF) wird zum 25. September 2003 aufgenommen. Er wendet sich an Führungskräfte und Spezialisten in Wirtschaft und Verwaltung, die ihre Managementkompetenz in den Bereichen Finanzierung und Kapitalmarkt gezielt weiterentwickeln wollen.
Die Teilnehmer des Studienganges erhalten vertieften Einblick in die finanzwirtschaftlichen Strukturen und Prozesse in Unternehmen, bei Finanzdienstleistern und auf den Finanzmärkten. Sie entwickeln und verbessern damit ihre Kompetenz, finanzwirtschaftliche Vorgänge ganzheitlich zu begreifen und unternehmerische Entscheidungen entsprechend fundiert zu treffen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf aktuelle Entwicklungen an den Finanzmärkten und auf innovative Finanzkontrakte gelenkt. Ebenso werden neuere Entwicklungen in der Finanzierungs- und Kapitalmarkttheorie erarbeitet und im konkreten Anwendungskontext vermittelt.
Das Studium findet über einen Zeitraum von 18 Monaten berufsbegleitend als Teilzeitstudium an drei Tagen pro Woche abends bzw. am Samstagvormittag statt. Die Phasen des Präsenzstudiums werden durch solche des Selbststudiums ergänzt, in denen Lehrmaterialien auch über das Internet zur Verfügung gestellt werden.
Zugangsvoraussetzung für die Aufnahme in den Studiengang ist ein abgeschlossenes Studium mit in der Regel wirtschaftlichem Schwerpunkt, zum Beispiel in Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftschemie. Das Studium muss mit einem Diplom, Bachelor, Master, ersten Staatsexamen oder gleichwertigen Abschluss an einer in- oder ausländischen Universität oder gleichgestellten Hochschule bzw. Fachhochschule beendet worden sein. Zudem wird hinreichende einschlägige berufliche Tätigkeit nach dem Studium vorausgesetzt.
Der Studiengang "International Finance" gliedert sich in drei Abschnitte: Im ersten Studienabschnitt wird ein Überblick über die Zahlungsströme im Unternehmen sowie über finanzwirtschaftliche Prozesse und Entscheidungen gegeben. Damit wird ein gemeinsames Vorverständnis für die folgenden, vertiefenden Kurse geschaffen. Zudem werden die rechtlichen Rahmenbedingungen erarbeitet, die bei finanzwirtschaftlichen Entscheidungen in Unternehmen von Relevanz sind. Ferner vermittelt der Studienabschnitt grundlegende Methodenkenntnisse. Hierbei stehen Fragestellungen zur Bewertung von innovativen und komplexen Finanzinstrumenten im Vordergrund. So lernen die Teilnehmer etwa die Annahmen und Konzepte zur Bewertung von Derivaten und ihren Einsatz in Unternehmen kennen. In den weiteren Abschnitten geht es um Institutionen und Instrumente sowie Internationales Finanzmanagement. Den Abschluss des Studiums bildet auch hier die Masterarbeit.
Ausblick
Die Entwicklung der Fakultät wird aber nicht nur von den internen Potenzialen geprägt, sondern insbesondere auch von den allgemeinen Rahmendaten. Hierzu zählt in ganz entscheidender Weise die Ausstattung mit personellen und finanziellen Ressourcen, die sich in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert hat. In dieses Bild passt auch die Entscheidung des Rektorats, alle Fakultäten mit einer globalen Kürzung der Mittel für Forschung und Lehre von 15 Prozent zu belegen. Obgleich diese Entscheidung nicht von der Landesregierung getroffen wurde, ist sie jedoch nicht unabhängig von der öffentlichen Haushaltslage zu sehen. Bedenkt man weiterhin, dass die Ausgaben des Staates fast 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, scheint das Problem – neben dem viel zu hohen Anteil – speziell in der Aufteilung, der Prioritätensetzung zu liegen.
Wenn Politiker und Ökonomen die moderne Wirtschaftswelt beschreiben, dann verweisen sie regelmäßig auf ein Phänomen besonderer Art: die Globalisierung oder Internationalisierung. Sie kommt in einer verstärkten Integration der Weltmärkte, einer Intensivierung des weltweiten Wettbewerbs und einer wachsenden Interdependenz einzelner Volkswirtschaften zum Ausdruck. Unternehmen ist es möglich geworden, Forschungs- und Produktionsstandorte an fast jedem Ort der Erde aufzubauen oder dorthin zu verlagern. Wer heute noch nur in nationalen Grenzen denkt, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. "Think global" ist das Motto, das das Handeln der Unternehmen zunehmend bestimmt. Die so beschriebene Internationalisierung hat aber auch zu einer bisher nicht gekannten ökonomischen Abhängigkeit der Menschen und Volkswirtschaften geführt – und zu neuen Herausforderungen. Aus Sicht etwa der westeuropäischen Länder und damit auch aus deutscher Sicht heißt das verkürzt: Entweder es gelingt in der Zukunft, Waren und Leistungen zu produzieren, die andere Länder (zunächst) in dieser Form nicht anbieten können, oder die inländische Arbeitslosigkeit steigt an und die Lebens- sowie Sozialstandards sinken. Es gilt, im Innovationswettbewerb die Nase vorn zu haben, temporäre Monopolstellungen zu erarbeiten und Vorsprungsgewinne zu erwirtschaften.
Naive Zeitgenossen glauben häufig, man könne sich diesem Druck durch protektionistische Maßnahmen entziehen, die nationalen Märkte schließen und vor Auslandskonkurrenz schützen. Sie übersehen allerdings, dass damit gleichzeitig Exporte beschnitten und eine Vielzahl von (weiteren) Arbeitsplätzen aufs Spiel gesetzt werden. Der Ausweg lautet also nicht Streben nach Autarkie, sondern bessere Leistungen. Hierzu kann der Staat durch entsprechende Rahmenbedingungen entscheidend beitragen. Beispiele hierfür sind etwa:
- Abbau von staatlichen Regulierungen, insbesondere auch auf den Arbeitsmärkten,
- ein reformiertes Steuer- und soziales Sicherungssystem sowie
- eine deutliche Intensivierung der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung.
Von besonderer Bedeutung für ein Land wie die Bundesrepublik Deutschland, das über keine nennenswerten natürlichen Ressourcen verfügt, ist jedoch der Faktor Humankapital und damit auch die universitäre Bildung. Setzt der Staat bei seiner Ausgabenpolitik die falschen Prioritäten, ist ein weiterer Rückfall im internationalen Wettbewerbsprozess sehr wahrscheinlich.
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