Das Profil von Fakultät und Fach
Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät wurde im Jahre 1989 mit der Einrichtung eines Diplomstudiengangs Betriebswirtschaftslehre (BWL) gegründet und im Jahre 1990 mit der ministeriellen Genehmigung aufgrund eines vorherigen Beschlusses des Senats der Heinrich-Heine-Universität institutionalisiert. Ihre Existenz verdankt die Fakultät einem Gleichklang der Interessen zwischen Politik und Wirtschaft: Einerseits sollten insbesondere die großen universitären Ausbildungszentren für Ökonomen in Nordrhein- Westfalen wie Köln, Münster und Bochum entlastet werden, andererseits bestand und besteht in einer wirtschaftsstarken Region wie Düsseldorf ein kontinuierlicher Bedarf an ökonomisch qualifizierten Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Mithin waren es ganz praktische gesellschafts- und wirtschaftspolitische Erwägungen, die zur Fakultätserrichtung führten, wobei die Bereitschaft der Heinrich-Heine-Universität, sich für eine weitere Fachrichtung zu öffnen, in Verbindung mit Mitteln eines Hochschulsonderprogramms die Geburtswehen erheblich minderten. Im Ergebnis hat sich im Jahre 2002 eine Fakultät etabliert, in der derzeit neun Professuren besetzt und 1415 Studierende eingeschrieben sind (davon 1169 für den Diplomstudiengang Betriebswirtschaftslehre, 26 Promotionsstudierende, zehn ohne angestrebten Abschluss, 210 für den Diplomstudiengang Wirtschaftschemie; Stand: Wintersemester 2001/2002). Wegen der großen Nachfrage besteht für den Studiengang BWL ein Numerus clausus: Während in der Anfangsphase für einen Studienplatz circa 2,8 Bewerber registriert wurden, stieg diese Relation im Wintersemester 2001/2002 auf 4,7 an. 870 Diplomkaufleute (69,4 Prozent männlich, 30,6 Prozent weiblich) verließen seit Gründung die Universität; hinzu kamen 47 Promotionen (37 männlich, zehn weiblich).
Die Etablierung gerade eines betriebswirtschaftlichen Studiengangs in Düsseldorf folgte hochschulpolitischen Intentionen, bedarf aber zu ihrer Konkretisierung und Weiterentwicklung einer inhaltlichen Fundierung: Neben der Volkswirtschaftslehre und der Wirtschaftsgeschichte zählt die Betriebswirtschaftslehre zu den wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen. Darin wird das Phänomen "Wirtschaft" aus der Perspektive der einzelwirtschaftlichen Einheiten, das sind die Betriebe, betrachtet. Neben den Privathaushalten als ursprünglichen konzentriert sich das Interesse auf die fremdbedarfsdeckenden abgeleiteten Betriebe, das sind Betriebe für öffentliche Güter und insbesondere Unternehmungen. Während erstere kollektive oder nicht absatzmarktfähige Leistungen anbieten, agieren Unternehmungen eigenverantwortlich auf Absatz-, Beschaffungs- und Finanzmärkten, gehen somit das existentielle Risiko des Scheiterns ein, weil entweder ihr Angebot auf keine Nachfrage trifft oder ihr Bedarf an Ressourcen oder Kapital nicht gedeckt werden kann. Methodologisch dominiert folgerichtig in der Betriebswirtschaftslehre das Leitbild einer angewandten, pragmatischen Wissenschaft: Das Geschehen in Betrieben und die Marktbeziehungen zwischen diesen sind im Hinblick auf die Erreichung vorgegebener oder zu entwickelnder Zielsetzungen zu gestalten. Zu dem intensiv reflektierten Zielsystem der Unternehmung, an dem sich über optionale Bereichs- und Handlungsziele alle Aktivitäten auszurichten haben, zählen zunächst Sachziele (Produktziele), die die zu produzierenden und abzusetzenden Güter und Dienstleistungen nach Art, Menge und Qualität bezeichnen. Der Grad der Sachzielerfüllung ist jedoch auch und gerade anhand der Formalziele ökonomischer Erfolg (Gewinn oder Verlust) sowie Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit (Liquidität) zu messen. Bei aller Betonung derartiger pragmatischer Aspekte wird aber auch deutlich, dass zwei weitere Forschungsansätze als unverzichtbar hinzutreten müssen: Zum einen setzt die Beschäftigung mit Ziel-Mittel-Beziehungen die Auseinandersetzung mit Ursache- Wirkungs-Ketten voraus, basiert mithin auf einem wirtschaftwissenschaftlichen Theoriegebäude, zum anderen sind an Leistungs- und Finanzprozesse auch ethische Maßstäbe anzulegen, vornehmlich dann, wenn Handlungen soziale und ökonomische Konsequenzen nach sich ziehen. Diese ethisch-rechtfertigende Ausrichtung der Betriebswirtschaftslehre spiegelt sich in der in regelmäßigen Wellenbewegungen wiederkehrenden Hinterfragung von Zielsystemen wider; nicht zuletzt, um die permanente Gefahr der Parteilichkeit der Disziplin – etwa die ausschließliche Orientierung an kapitalorientierten Gewinnkategorien – zu vermeiden respektive zu überwinden.
Disziplininterne Strukturen
Das pragmatische Leitbild der Betriebswirtschaftslehre weist naturgemäß eine akzentuierte Nähe zur Berufsfähigkeit der Absolventinnen und Absolventen wie zur Praxisnähe der gelehrten und zu erforschenden Inhalte auf. Damit ist allerdings kein bestimmtes Profil einer Fakultät oder eines Studiengangs determiniert. Der Vergleich mit der Entwicklung der Wissenschafts- und Lehrprogramme der BWL in der Vergangenheit einerseits und mit alternativen Ausprägungen an anderen Universitäten andererseits verweist auf erhebliche Freiheitsgrade, die sich zu zwei Fragestellungen verdichten lassen:
- Das Verhältnis zwischen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre ist sinnvollerweise nur als Arbeitsteilung zu begreifen. Der einzelwirtschaftlichen Perspektive der BWL steht die gesamt- und weltwirtschaftliche Sicht der VWL gegenüber. Weltweit über nationalstaatliche Grenzen hinweg agierende Konzerne, die so genannten Global Player, und extrem vernetzte internationale Finanzmärkte belegen jedoch, wie schwierig selbst sinnvoll erachtete Aufgabenabgrenzungen auszugestalten sind. Zur Herausarbeitung eines Fakultätsprofils ist jedoch eine irgendwie geartete Festlegung, in welchem Umfang und mit welcher Tiefe jede der beiden Fachrichtungen gelehrt werden soll, unverzichtbar. Die Bezeichnung des Studiengangs als "VWL" oder "BWL" beinhaltet nun eine dahingehende Vorentscheidung, als der Schwerpunkt namensgebend ist, während der jeweils andere als Pflichtbestandteil hinzutritt. Die Entscheidung für BWL in Düsseldorf folgt dabei dem seit längerem anhaltenden Trend, dass der Arbeitsmarkt für Diplomkaufleute – so der universitäre Grad als Abschluss des BWL-Studiums – volumenmäßig deutlich den für Diplomvolkswirte übersteigt, weil er gezielter auf den Bedarf der Unternehmungen ausgerichtet ist.
- Innerhalb der Betriebswirtschaftslehre ist eine Gewichtung zwischen
Allgemeiner BWL und den Speziellen Betriebswirtschaftslehren vorzunehmen.
Die disziplinäre Entwicklung vornehmlich in der zweiten Hälfte des vergangenen
Jahrhunderts war zunächst schwerpunktmäßig durch die Ableitung enger, häufig
nur begrenzt gültiger, aber tiefer gehender Einzelanalysen gekennzeichnet,
die eher in konkrete Handlungsempfehlungen umsetzbare Lösungsvorschläge
erlaubten. Eine derartige forschungsmäßige Wissensanhäufung aufgrund einer
breiten Ideenvielfalt spiegelte sich in der Nachfrage der immer komplexeren
Wirtschaftspraxis nach "den Spezialisten" wider, der die Curricula der
Universitäten zu genügen hatten. Folgerichtig zeichneten sich "erfolgreiche
Fakultäten" durch eine Vielfalt an Spezialisierungsalternativen aus, die
funktional (wie Beschaffung, Produktion, Absatz), wirtschaftszweigorientiert
(wie BWL der Industrie, des Handels, der Banken) oder methodenorientiert
(wie mathematische, empirische Methodik) aufgefächert waren. Allerdings
wurde und wird bei Lehrstuhlbezeichnungen stets die "BWL" in den
Vordergrund gestellt und die Spezialisierung durch den Zusatz "insbesondere ...
" angehängt – ein wohl unvermeidliches Vorgehen, um das Fach angemessen
in Wissenschaftsorganisationen und in der Wirtschaftspraxis zu repräsentieren.
Die in jüngerer
Vergangenheit einsetzende Rückbesinnung auf Gesamtperspektiven findet sich
sowohl in betont integrativen Schwerpunkten (wie z. B. Unternehmensführung,
Controlling, Umweltökonomie) wieder als auch in der zunehmenden
Bedeutung breiter, mehrdimensional zu erschließender Forschungsfelder.
Hierzu zählen die Auseinandersetzung mit Grundfragen der Disziplin (z. B.
metrisierende Methodik, Institutionenlehre) und mit Problemkomplexen (z. B.
Wachstum, Unternehmenskooperationen, Wirtschaftsethik). An der Heinrich-
Heine-Universität wird der stets zeitbezogene, d. h. an neue Gegebenheiten
anzupassende Kompromiss zwischen Grundbildung und Spezialisierung deutlich
zugunsten der ersteren akzentuiert. Neben ganz praktischen Erwägungen –
mit lediglich neun Professuren lässt sich keine beliebige Auffächerung in
Spezialitäten bewerkstelligen – erlaubt diese Entscheidung auch eine deutliche
Profilierung der Fakultät im Wettbewerb mit anderen Universitäten, aber auch
ihrer Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt. Der angestrebte
Generalist ist nicht nur mit steigender Hierarchieebene in Organisationen bis
hin zum Topmanagement gefragt, sondern gleichermaßen bei der Steuerung
internationaler (Misch-)Konzerne oder in der Start-up-Phase innovativer
Unternehmensgründungen. Realisiert wird dieses Anliegen vornehmlich über
zwei Maßnahmenbündel:
- Drei der neun Professuren sind nicht betriebswirtschaftlich ausgerichtet; sie signalisieren demzufolge, dass in Düsseldorf inhaltlich Volkswirtschaftslehre und methodisch Statistik und Ökonometrie einen gewichtigen Platz in Forschung und Lehre einnehmen. Zugleich sind die betriebswirtschaftlichen Lehrstühle von vornherein deutlich breiter ausgelegt, als das andernorts üblich ist: entweder ist die Spezialisierung funktional breit gewählt (wie Marketing; Finanzierung und Investition) oder durch ein integratives Element ergänzt (Unternehmensprüfung und Controlling; Unternehmensführung, Organisation und Personal; Produktionswirtschaft und Umweltökonomie).
- Prüfungs- und Studienordnung für den Diplomstudiengang BWL greifen das in wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen übliche 5-Fächer-Modell im Hauptstudium auf, allerdings mit erhöhtem Volumen im verpflichtenden allgemeinen Teil in Verbindung mit eingeschränkter Wahlmöglichkeit. Pflichtfächer sind nämlich Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre, Wahlpflichtfächer die mit den Lehrstühlen verbundenen betriebswirtschaftlichen Spezialisierungen, während als sonstiges Wahlpflichtfach neben einer dritten Speziellen BWL auch Wirtschaft Ostasiens, Internationale Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsgeografie, Wirtschaftspsychologie sowie Statistik und Ökonometrie gewählt werden können.
Dem pragmatischen Wissenschaftsziel verpflichtet und die Berufsfähigkeit künftiger Absolventinnen und Absolventen im Auge behaltend kommt neben der inhaltlichen Ausgestaltung des Curriculums auch der Anordnung des Stoffes und der methodisch- didaktischen Vermittlung große Bedeutung zu. Es ist wohl nicht ganz abwegig anzunehmen, dass bei der Entscheidung für ein Studienfach Betriebswirtschaftslehre weniger intrinsische Motive den Ausschlag geben – nicht zuletzt deswegen, weil dem überwiegenden Teil der Studieninteressierten Vorstellungen über Inhalte des Faches und seine Anforderungen abgehen. Neben modischen Überformungen ("man studiert eben BWL") oder fehlenden erkennbaren Alternativen spielen wohl die vielfältigen und ausgezeichneten Berufs- und Karrierechancen eine wichtige Rolle bei der Studienwahl. Dem hat ein Grundstudium mit hoher Anschaulichkeit der Inhalte und intensiver anwendungsbezogener Übungstätigkeit Rechnung zu tragen. Im darauf aufbauenden Hauptstudium wird die Balance zwischen vertiefender forschungsgeleiteter Theorie und enger Verbindung zu Wirtschafts- und Berufspraxis gesucht. Gerade letzteres avanciert zu einem Markenzeichen, weil die Wirtschaft Düsseldorfs und der Region die vielfältigen Anfragen der Begleitung des Studiums nachdrücklich unterstützt; frei gewählte oder geleitete Praktika während der vorlesungsfreien Zeit, praxisbezogene Diplomarbeiten, Seminare und Workshops in und mit Firmen und Gastvorträge in großer Zahl mögen als Belege genügen. Ein weiteres Düsseldorfer Charakteristikum, das sich wohltuend von dem Massenstudium an anderen Universitäten abhebt, ist die Überschaubarkeit der Fakultät aufgrund begrenzter Studierendenzahl. Diese Bedingung wird in einem hohen Seminaranteil des Studiums ausgenutzt, der intensive Diskussionen und forcierte Referats- und Präsentationsleistungen bei individueller Betreuung gleichermaßen erlaubt wie den Einsatz aktiver Lehr-Lern-Methodik. Projektarbeit, Planspiele und Fallstudium sind insofern unverzichtbare Ausbildungselemente und, vornehmlich bei Auflösung des Seminars zu Gruppenarbeiten, auch Instrument zur Schulung affektiver Schlüsselqualifikationen.
Inhaltliche Profilierung der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
Als eine der Sozialwissenschaften beschäftigt sich die Wirtschaftswissenschaft mit dem menschlichen Verhalten in Gesellschaften, grenzt sich jedoch von anderen sozialwissenschaftlichen Disziplinen durch ihre spezifische Problemsicht ab. Folgerichtig ist das Forschungsprogramm nicht abschließend geklärt, vielmehr durch die Weite der Fragestellung und die verwendeten Methoden konstituiert. Speziell für die Betriebswirtschaftslehre stehen sich bei der disziplinären Abklärung des Forschungsprogramms zwei Positionen gegenüber, die ihrerseits in sehr verschiedenartigen Ansätzen Schwerpunkte legen: Eine ausgeprägte sozialwissenschaftliche Öffnung findet sich in der "entscheidungsorientierten BWL", der "(systemorientierten) Managementlehre" oder einer umfassenden "Unternehmensführungslehre", in denen auch die Übergänge zu den Ingenieurwissenschaften (z. B. in der Arbeitswissenschaft, beim Technologiemanagement) eher fließend gesehen werden. Leitidee ist hier – neben der Rezeption von Erkenntnissen – die Integration der Disziplinen, um sich mit menschlichem Verhalten als Ganzem auseinander zu setzen. Mit dem Marketing (als marktorientierter Unternehmensführung) und der Personalwirtschaft sind die prononciertesten Fachrichtungen genannt, die ohne diese Öffnung etwa zur Psychologie kaum sinnvoll ihr Untersuchungsobjekt zu identifizieren vermögen; die Beobachtung des Verhaltens von Kunden oder Führungskräften in ganz bestimmten Bedingungsgefügen möge als Beispiel dienen. Dem stehen Auffassungen gegenüber, die eine streng disziplinäre Orientierung fordern. Aus dem menschlichen Verhalten sind insoweit die wirtschaftlichen Aspekte herauszufiltern, etwa die "Knappheit von Gütern" oder "der Erwerb und die Verwendung von Einkommen in Institutionen", auf welche sich die Ökonomie konzentriert. Folgerichtig dominieren hier entscheidungslogisch- quantitative Modellanalysen, basierend auf metrisierenden Methoden, wie sie im betriebs- oder volkswirtschaftlichen Rechnungswesen Anwendung finden. Neben der Statistik als Pflichtfach des wirtschaftswissenschaftlichen Vordiploms zählt daher auch die Mathematik traditionell zum (propädeutischen) Fächerkanon des Grundstudiums.
In der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sind beide Forschungsrichtungen vertreten und müssen demnach bei ihrer Weiterentwicklung Berücksichtigung finden. Das kann innerhalb eines Lehrstuhls (beispielsweise über verschiedene Forschungsprojekte), durch Erweiterung um neue Fachrichtungen oder durch Kooperationsmodelle mit anderen Disziplinen geschehen. Gerade die beiden letztgenannten Aspekte versprechen für die Fakultät einen Entwicklungsschub, strahlen aber zum Teil auch auf Nachbardisziplinen aus. Denn zwei neu hinzukommende betriebswirtschaftliche Lehrstühle erweitern künftig die Wahlmöglichkeiten bei der Spezialisierung im Hauptstudium. Praktisch verbunden ist damit eine gewisse Reduktion des Pflichtcurriculums der Allgemeinen BWL sowie der VWL. Durch konzentrierte Studien- und Prüfungsanforderungen wird jedoch gewährleistet, dass das Studienleitbild des Generalisten erhalten bleibt, nun allerdings erweitert um ein Spektrum profilgebender Schwerpunkte:
- Der neue Lehrstuhl "Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Finanzdienstleistungen" erlaubt gemeinsam mit der "Volkswirtschaftslehre" sowie der "Betriebswirtschaftlehre, insbesondere Finanzierung und Investition" eine Vertiefung in Finanzwirtschaft, Finanzmärkten, Finanzinstitutionen und Finanzprodukten. Neben einem gerade für den Standort Düsseldorf attraktiven Studienangebot bieten sich hier Forschungskooperationen innerhalb des Faches auf Gebieten an, die sich seit gut vier Jahrzehnten nicht nur in der Realität, sondern auch in der wissenschaftlichen Analyse ungeheuer dynamisch entwickelt haben.
- Der ebenfalls neu zu besetzende Lehrstuhl "Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaftliche Steuerlehre" ergänzt auf vorzügliche Weise die Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Unternehmensprüfung und Controlling. Auch hier spielt der Standort Düsseldorf eine herausragende Rolle bei der fachlichen Akzentuierung, da nunmehr die bislang schon beliebten Berufsziele Steuerberater und Wirtschaftsprüfer noch besser studienmäßig vorbereitet werden können. Dem kommt derzeit ein besonderes Gewicht zu, weil diese Berufsbilder einem Wandel unterworfen sind, der mehr generalistische betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Qualifikationen verlangt. Auf der Hand liegt darüber hinaus die – andernorts traditionell bewährte – Zusammenarbeit zwischen der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre und dem Steuerrecht.
- Die Speziellen Betriebswirtschaftslehren Marketing und Unternehmensführung können von einer Einbeziehung psychologischer Inhalte in das Curriculum erheblich profitieren: Studierende, die mit den psychologischen Grundkategorien vertraut sind, werden zu deren Anwendungen in Wirtschaftstheorie und Wirtschaftsalltag leichter Zugang finden. Umgekehrt bietet natürlich auch die Betriebswirtschaftslehre für Psychologen ein weites Untersuchungsfeld, das erst in Ansätzen erschlossen ist.
- Seit 1999 kann an der Heinrich-Heine-Universität Wirtschaftschemie mit dem Abschluss Diplom-Wirtschaftschemiker studiert werden. Nach dem Vorbild der Wirtschaftsingenieure, -pädagogen, -informatiker und -mathematiker kooperiert das Fach Chemie mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in einem integrativen Studienkonzept. Spannend ist hierbei die Frage, welche Profession daraus in der Berufspraxis tatsächlich resultieren wird: Ein Chemiker mit ökonomischen Kenntnissen? Ein Ökonom mit Anwendungsfeld Chemie? Oder ein neues, eigenständiges Berufsbild? Zweifellos hängt dies davon ab, wie sich die doch weit auseinanderliegenden wissenschaftlichen Welten der Chemie und der Ökonomie aufeinander zu bewegen, so dass die Verknüpfung nicht nur in den Köpfen der Studierenden hergestellt wird. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind im Grunde alle Spezialisierungen für einen Brückenschlag zur Chemie denkbar. Prädestiniert hierfür ist aber sicherlich die Produktionswirtschaft/Umweltökonomie, die ja gerade mit der chemischen Industrie über einen besonders ergiebigen und facettenreichen Untersuchungsgegenstand verfügt.
- Wie in anderen Disziplinen ist auch in der Wirtschaftswissenschaft Internationalität gleichermaßen Bedingung wie Selbstverständlichkeit (woran auch immer im Einzelnen die internationale Dimension festgemacht wird). Einmal abgesehen von ganz praktisch-organisatorischen Gestaltungsparametern wie Auslandspraktika, Auslandssemester, Zahl ausländischer Studierender und Gastwissenschaftler usw. kann hierin auch eine fachlich-inhaltliche Aufgabe gesehen werden. Mit den Fremdsprachenkenntnissen deutscher Studierender als Voraussetzung fokussieren sich derartige Curricula und Forschungsfelder auf die Verknüpfung von Wirtschaft und Kultur. Das Wahlpflichtfach Wirtschaft Ostasiens ist an und für sich ein leuchtendes Beispiel für derartige Visionen, steht allerdings aufgrund zu geringer sprachlicher und kulturwissenschaftlicher Flankierung etwas zu isoliert. Ein Angebot an Amerikanistik für Ökonomiestudierende liegt eigentlich wegen des hohen Einflusses der Wirtschaftsmacht USA auf die Güter- und Finanzströme auf der Hand. Ein eher stiefmütterliches Dasein fristen hingegen Wirtschafts- Kultur-Inhalte bezüglich der romanischen Länder und Osteuropas; von zufälligen persönlichen Einzelinitiativen abgesehen sind diese Arbeitsgebiete kaum beachtet.
Institutionelle Initiativen
An den Ausgangspunkt der Überlegungen zurückkehrend erlaubt der Bestand an Personalressourcen der Fakultät kein beliebiges Wachstum und weit ausgreifende Programme. Angesagt sind vielmehr eine Konzentration auf Stärken. Konzentration kann hierbei auch ganz wörtlich genommen werden: Die Fakultät ist klein genug, um interne Kooperation zuzulassen, aber groß genug, um diese auch erfolgreich umzusetzen. Exemplarisch seien hier zwei Initiativen angeführt:
- Das Düsseldorfer Institut für Dienstleistungsmanagement (DID) versteht sich als eine Einrichtung praxisnaher Forschung, in der die verschiedenen fachlichen Schwerpunkte zusammenfließen. Mit dem "DID-Forum" und den "DID- Workshops" haben sich Veranstaltungen etabliert, die aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen einer interessierten Fachöffentlichkeit näher bringen wollen.
- Lebenslanges Lernen als Notwendigkeit wird kaum noch bestritten, seitens der Universitäten jedoch nur punktuell institutionalisiert. Die Idee einer Business School liegt daher nahe, um Weiterbildung auf akademischem Niveau in Form von Studiengängen zu etablieren. Als Vorbild dient hier das anglo-amerikanische Studiensystem mit dem "Master" als Abschluss. Eine derartige Business School steht einem Standort wie Düsseldorf und der Heinrich-Heine-Universität gut zu Gesicht. Mit der Düsseldorfer Business School wurde im Sommersemester 2002 eine derartige Einrichtung als Private-Public-Partnership gegründet, die zu Beginn des Jahres 2003 den Studienbetrieb in den Räumen der Orangerie von Schloss Benrath aufnehmen wird.
In den Anfängen des vorigen Jahrhunderts gingen eine Reihe von betriebswirtschaftlichen Fachvertretern der Frage der "optimalen Betriebsgröße" nach – eine ungemein bedeutsame Problemstellung für jeden Betrieb, die allerdings nur in Kenntnis aller Rahmenbedingungen und Entwicklungspotentiale sinnvoll beantwortet werden kann. Auch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ist – völlig unabhängig von haushaltsmäßigen Begrenzungen – mit diesem Problem konfrontiert: Ihre Stärke bezieht sie aus ihrer fachlichen wie methodisch-didaktischen Exklusivität. Dem steht eine Vielfalt an Entfaltungsmöglichkeiten gegenüber, die von einer hohen Nachfrage an Studienbewerbern in Haupt- und Nebenfach gefordert, teils forciert werden. Beides zugleich wird nicht zu erreichen sein – aber wo liegt materiell das Optimum?
Bibliographie
- ADAM, Dietrich, Klaus BACKHAUS, Heribert MEFFERT und Helmut WAGNER (Hrsg.). Integration und Flexibilität. Wiesbaden 1990.
- SCHIRMEISTER, Raimund. "Deutungsmuster des Betriebes als betriebswirtschaftliche und wirtschaftspädagogische Ansatzpunkte", in: Erich DAUNHAUER (Hrsg.). Wissenschaftsgedanken inmitten des großen Strukturwandels. Landau 1988, 146-162.
- SCHIRMEISTER, Raimund. "Betriebswirtschaftlehre", in: Hermann MAI (Hrsg.). Lexikon der ökonomischen Bildung. München 42001, 120-122.
- SCHMIDT, Ralf-Bodo. Wirtschaftslehre der Unternehmung, Band 1: Grundlagen und Zielsetzung. Stuttgart 21977.
- SCHNEIDER, Dieter. Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. München 31987.
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