Erfahrungsbericht Jessup 2009/2010
Erfahrungsbericht: Die Teilnahme des Düsseldorfer Teams an der Philip C. Jessup Internation Law Moot Court Competition im Wintersemester 2009/2010
Von Sarah Schreiner
„Work hard. But have fun.“ Das war das von unseren Coaches vorgegebene Motto für die Teilnahme am 51. Philip C. Jessup Moot Court Wettbewerb. Die intensive, aber lehrreiche Zeit für das Düsseldorfer Team, bestehend aus Christina Montag, Janine Kruse, Sarah Schreiner, Simon Weise und Tessa Blindenbacher, wurde bereits am 15. August 2009 eingeläutet. Zunächst machten wir uns zusammen mit Michael Vetter als Referenten Gedanken über die Ziele unseres gemeinsamen Semesters und sicherten uns als Teambuilding im Anschluss beim Indoor-Klettern gegenseitig an der 14m hohen Wand, um Vertrauen im Team aufzubauen.
Mitte September ging der Moot Court mit der Sachverhaltsausgabe richtig los. Nach der Bekanntmachung mit dem Sachverhalt und der ersten Sichtung und Erforschung der Probleme der verschiedenen Claims, unterteilten wir das Team in die Vertreter des Applicants, der Republic of Aspatria und des Respondents, des Kingdoms of Rydal. Seitdem wurde im Raum 00.67 im alten Juridicum über Fragen, wie die Souveränität über ein Archipel im Eden Ocean, das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Rechte aus einem bilateralen Investitionsschutzvertrag diskutiert.
Ende Oktober fuhren wird für ein verlängertes Wochenende nach Frankfurt, wo wir als Secretaries das Finale des FDI Moot Courts unterstützen. Wir lernten Studenten und Arbitrator aus aller Welt kennen und konnten erste Moot Court Finalstimmung erlebten. Nach unserer Rückkehr traten wir in die harte Arbeitsphase des Schriftsatzschreibens ein, welche in 12 Stunden an mehreren Tagen im Büro gipfelte. Bis zum Einsenden der Schriftsätze am 12. Januar 2010 verbrachten wir gemeinsam auch einige Wochenenden und Nächte an der Uni, um bis zur Abgabe das Meiste herauszuholen.
Nachdem die Schriftsätze abgeschickt waren, ging es nahtlos weiter in unseren Pleadingmarathon. Neben fast täglichen Pleadings an der Uni vor unseren Coaches, ehemaligen Mooties und Mitarbeitern des Lehrstuhls hatten wir die Möglichkeit unsere Kenntnisse bei den Kanzleien Allen & Overy, Loschelder, Lovells, Hengeler Mueller, Simmons & Simmons und Velten & Partner unter Beweis zu stellen. Durch die regelmäßige Übung konnten wir die verschiedensten Schwierigkeiten – „Wie schafft man es in 14 Minuten zwei Claims trotz häufiger Zwischenfragen vorzutragen?“ – beseitigen, lernten wir viel über uns selbst und konnten unsere rhetorischen Fähigkeiten, unsere Ausstrahlung, unser Auftreten und unsere Fähigkeit auch auf die gemeinsten Zwischenfragen eine Antwort zu finden verbessern.
Unsere universitäre Trainingsrunde wurde von einer Generalprobe abgeschlossen, bei der wir vor den Richtern Herrn Professor Dr. Lorz, Frau Alexandra Diehl, Rechtsanwältin der Sozietät Clifford Chance, und Lars Wildhagen, Geschäftsführer des Freundeskreises der Juristischen Fakultät bestehen mussten. Während der Generalprobe hatten unsere Familie und Freunde die Gelegenheit zu sehen, wofür wir das vergangene Semester so viel Zeit investiert hatten, bevor für uns der Höhepunkt des gesamten Semesters – eine Reise nach Boston, New Haven (Yale), New York und Berlin auf dem Programm stand.
In den USA erwarteten uns und unseren Coach Thorsten Henze weitere Vorbereitungspleadings vor Muttersprachlern. Wir pleadeten vor drei LL.M. Studenten der Yale Law School, vor aus Professoren und Anwälten besetzten Richter-Panels an unserer Partneruniversität, der Suffolk University Boston, und bei den New Yorker Dependancen der Kanzleien Freshfields Bruckhaus Deringer, K & L Gates und White & Case. Das amerikanische juristische Denken hatte einige neue und in andere Richtungen gehende Zwischenfragen zur Folge, sodass jedes einzelne Pleading uns in anderen Punkten auf den Zahn fühlte. So waren wir gut gewappnet um nach neun Tagen in den USA direkt nach Berlin zur deutschen Ausscheidung zu reisen.
Am letzten Tag bevor die German National Rounds begannen, waren wir für einen letzten Test im Bundeswirtschaftsministerium und bei Lars Mammen und Katharina Gierschke im Büro des Datenschutzbeauftragten des Bundes. Am Mittwoch, den 24. Februar ging es dann los. Morgens früh reiste unser soeben Vater gewordene zweite Coach Sebastian Lottkus an, sodass die Bande komplett war. Abends bekamen wir die Schriftsätze unserer Gegner: München, Heidelberg (das später zweitplatzierte Team), Mainz und Jena (das später erstplatzierte Team). Aber vor großen Namen haben wir uns nicht erschrecken lassen, sondern souverän gute Leistungen abgeliefert. Am Donnerstag traten wir als Respondent gegen München und als Applicant gegen Heidelberg an, wovon wir jedoch leider nur das Match gegen München gewinnen konnten und das Match gegen Heidelberg knapp verloren, obwohl es unser von den Judges am besten bewertes Pleadings war. Am Freitag traten wir als Respondent gegen Mainz an, gewannen jedoch knapp nicht, da der zweite Mainzer Counsel einen sehr guten freien Vortrag präsentierte und dementsprechend hoch punktete. Schließlich folgte das vierte Pleading als Applicant gegen Jena, in dem die perfekt vorbereiteten und gedrillten Jenaer die Richter mit sehr vielen zitierten Fällen leider für eine Entscheidung gegen Düsseldorf gewinnen konnten. Bis Freitagabend bei einem Empfang bei Freshfields wurde gehofft und gebangt, da erst dann die Halbfinalisten bekannt gegeben wurden. Wir haben es schlussendlich leider nicht ins Halbfinale geschafft, wissen jedoch, dass unser Abschneiden bei der deutschen Vorentscheidung nichts darüber aussagt, was wir dieses Semester alles mitgenommen und gelernt haben. Rückblickend können wir sagen, dass sich der ganze Stress und der Zeiteinsatz mehr als gelohnt haben und wir ein ereignis- und lehrreiches Semester hatten, was sicherlich jedem von uns noch lange in guter Erinnerung bleiben wird.
Last, but not least, möchten wir uns bei allen bedanken, die uns dieses wunderbare Semester ermöglicht haben, vor allem bei unseren Coaches Sebastian Lottkus und Thorsten Henze. Danke!
Erfahrungsbericht: Boston, New Haven, New York und Berlin… Ein Pleadingmarathon in den USA zur Vorbereitung und die 'German National Rounds'
Von Christina Montag und Simon Weise
„Beim Moot Court gilt der Spruch, dass man nicht nur für die Schule (Universität) lernt, sondern fürs Leben.“ Mit diesen Worten unserer Coaches Thorsten Henze und Sebastian Lottkus begann das Moot Court Semester 2009 / 2010. Nach langer Zeit des Schriftsatzschreibens, Pleadens und ebenso Organisierens ist das Düsseldorfer Jessup Moot Court-Team, bestehend aus Christina Montag, Janine Kruse, Sarah Schreiner, Simon Weise und Tessa Blindenbacher, Mitte Februar am Höhepunkt des Semesters angelangt: eine 16-tägige Reise nach Boston, New Haven, New York und Berlin: Vorbereitungsrunden und Teilnahme an den German National Rounds. Losgehen sollte diese Reise am 12. Februar. Treffpunkt Düsseldorfer Flughafen. Per Flugzeug nach Boston. Umsteigen in Paris. Und genau da ging das Abenteuer Moot-Court-Reise los. Aufgrund von Verspätung des ersten Flugzeugs und der daraus resultierenden knappen Zeit zum Fliegerwechseln passierte genau das, was passieren musste. Durch einen Lautsprecher schallte der letzte Aufruf für alle Passagiere des Fluges nach Boston. Doch da stand das gesamte Moot Court Team noch in Socken, Jeans und T-Shirt an den Sicherheitskontrollen. Während ein Teil des Teams vorrannte um im allerbesten Schulfranzösisch („Nous sommes un groupe…“) Bescheid zu geben, dass noch weitere Düsseldorfer gerne mitfliegen möchten, folgte der andere Teil des Teams – mit Schuhen, Gürtel und Mantel unter dem Arm – den langen Weg durch den Pariser Flughafen.
In Boston angekommen, galt es über das Wochenende ein letztes Mal Energie tanken bevor der große Pleadingmarathon begann. Dabei ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, schon einmal einen Blick in die Suffolk University zu werfen und uns vom amerikanischen Uni-Flair begeistern zu lassen. Amerikanisches Partyleben nicht außer Acht lassend, fanden wir uns dann Samstagabend in einer ganz besonderen Location wieder: eine Party in einem früheren Gefängnis, das heute das so genannte „Liberty Hotel“ ist. So feierten wir noch einmal unsere Freiheit, bevor dann am Montag der ernste Teil der Reise beginnen sollte.
Montag ging es dann nach New Haven zur Yale University, wo uns Mehrdad Payandeh, Habilitand am Lehrstuhl von Prof. Lorz und LL.M.-Kandidat 2010, schon erwartete. Vor Mehrdad und zwei weiteren LL.M-Studenten als Judges hielten wir sodann unser erstes Pleading in den Vereinigten Staaten. Durch eine anschließende, von Mehrdad geleitete Führung, durch faszinierende Uni-Bauten konnten wir mit nicht weniger großartigen Eindrücken die Rückfahrt antreten. Zurück in Boston, haben wir uns mit den Coaches des Harvard Law School Teams getroffen, welches beim Willem C. Vis Moot antritt und konnten so die Verbundenheit zwischen den beiden akademischen Einrichtungen pflegen (O-Ton des Harvard-Coaches: „It seems, we have quite a history with Düsseldorf“) – siehe hierzu auch den Erfahrungsbericht des Willem C. Vis Moot Court-Teams.
An den darauf folgenden Tagen hatten wir anschließend mehrfach die Ehre von Steve Hicks, Professor der Suffolk University, und amerikanischen Anwälten unsere Pleadings unter die Lupe nehmen zu lassen. Viele neue Fragen in Kombination mit amerikanischen juristischen Denkansätzen in einem beeindruckenden Moot-Court-Raum machten jedes einzelne Pleading an unserer Partneruniversität zu einem tollen und lehrreichen Ereignis. Durch anschließende Feedbacks konnten uns die Judges sodann zahlreiche wertvolle Tipps und Tricks mit auf den Weg geben. Ein sehr gelungenes Rahmenprogramm, das unter anderem einen Besuch in einem indischen Restaurant sowie einen Empfang in einer gemütlichen Bar beinhaltete, rundete die schönen Tage an der Suffolk University ab. Selten haben wir uns so willkommen gefühlt.
Anschließend sollten wir dann die zweite Etappe unserer Moot-Court-Reise erreichen: New York. Einen mehr als gelungenen Auftakt hierfür stellte der Donnerstag dar. Eine Einladung zum Pleading bei K&L Gates in New York entwickelte sich zu einem der unvergesslichsten Tage in den USA. Nach einem intensiven Pleading vor drei sehr engagierten und hochmotivierten Anwälten bekamen wir – mit einem ganz besonderen Ausblick auf New York im 43. Stock – Feedback. Anschließend wurden wir mit drei schwarzen Limousinen zu einer ganz besonderen Location gefahren: dem „Shun Lee West“ in New York. Dort ließen wir mit den Anwälten von K&L Gates den Tag mit so einigen Gängen leckerstem chinesischen Essen, interessanten Gesprächen und vor allem viel Spaß ausklingen. Mit einer Besichtigung der Vereinten Nationen und dem Times Square bei Nacht endete dann der Tag für uns - überwältigt von vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen.
Auch am Freitag standen zwei Pleadings an: vormittags bei White&Case und nachmittags bei Freshfields. Nach erneut fruchtbaren Pleadings und wertvollen Feedbacks kombiniert mit tollen Aussichten auf New York, endete eine erfolgreiche Pleading-Woche in den Vereinigten Staaten. Nachdem wir die Aussicht auf New York jedoch in den letzten Tagen nie völlig stressfrei genießen konnten, ließen wir es uns nicht nehmen, Freitagabend bei ebenso guter Aussicht in dem angesagten Nightclub „Hudson Terrace“ zu feiern. Ein späterer Location-Wechsel in den Lieblingsclub unseres Coaches, den "Beachclub" Nikkibeach Midtown, vervollständigte die sonnenreiche Woche.
Alsbald der Pleadingmarathon beendet war, sollte der Sightseeingmarathon beginnen: ein Tag für eine Stadt – klingt machbar. Wäre es nicht New York! So planten wir beim Frühstück, welche wichtigen Punkte abgeklappert werden sollten. Schließlich fanden wir uns dank unseres New-York-erfahrenen und gut organisierten persönlichen Reiseführers Thorsten unter anderem im Central Park, am Ground Zero, an der Wall Street, auf der Staten Island Ferry und an der Brooklyn Bridge wieder. Da uns unsere Füße anschließend nicht einen Schritt weiter trugen als bis ins Hotel, konnten wir nicht mehr zur Pizza kommen, sondern die Pizza musste zu uns kommen.
Am Sonntag ging es nach ein, zwei Stunden durch New York Schlendern auch schon wieder in Richtung Flughafen. Noch ein letztes Mal so einige Dollar für ungesundes Essen oder für Dinge, die man immer schon im Dutyfree kaufen wollte, ausgeben und dann ab nach Deutschland. Um genau zu sein: Berlin - die National Rounds sollten beginnen. Um 10:30 Uhr Ortszeit landeten wir im noch vollkommen verschneiten, aber recht sonnigen Berlin. Netterweise wurden wir dort von einer Referendarskollegin von Thorsten abgeholt und zum Hotel begleitet, sodass wir uns schlaftrunken nicht noch um die Transportorga kümmern mussten. Am frühen Mittag erreichten wir dann das Holiday Inn Express in der Nähe des KaDeWe und bezogen unsere drei kleinen aber feinen Zimmer.
Der Montag verlief dann so entspannt, wie es nach einer Nacht mit wenig und dazu noch schlechtem Schlaf nötig war. Wir fuhren ein wenig mit der vor dem Hotel haltenden Linie 100 und flanierten vom Brandenburger Tor zum Alex. Abschließend genehmigten wir uns nach neun Tagen Pasta-Abstinenz in einem hervorragenden Nudelrestaurant ein gutes Abendessen und fielen anschließend ins Bett.
Am Dienstag standen für uns die zwei letzten Pleadings vor dem Finale auf dem Plan, weshalb wir schon in aller Frühe wieder auf den Beinen in Richtung Bundeswirtschaftsministerium waren. Da das abendliche Pleading in den Büros des Bundesdatenschutzbeauftragten erst um 18.00 Uhr angesetzt war, zogen es alle Beteiligten vor sich nachmittags noch ein wenig auszuruhen. Das Pleading bei Lars Mammen und Katharina Gierschke war dann eine Generalprobe im wahrsten Sinne des Wortes. Als erfahrene Jessup Moot Courtler brachten uns die zwei Judges auch nach Wochen des Intensivtrainings noch gut ins Schwitzen, sodass wir mit einer gesunden Mischung aus Sicherheit und Respekt in die nationale Vorrunde gingen.
Um das Team vollständig zu machen kam der jüngst Vater gewordene zweite Coach Sebastian Lottkus am Mittwochvormittag mit einem vollgepackten Auto schlussendlich auch in Berlin an. Die Reisegruppe hatte sich vormittags noch im Auswärtigen Amt von einem „praktizierenden Völkerrechtler“ über die beruflichen Möglichkeiten in diesem Tätigkeitsfeld berichten lassen und traf Sebastian dann zu einem frühen Mittagessen am Hotel. Nach begeistertem Austausch der Erfahrungen der letzten Woche (USA und Clara Lena) wurden die Mitbringsel aus Sebastians Auto auf die Zimmer gebracht – mit dabei: Laptop, Drucker, Bücher und Ballkleider. Auch an diesem Nachmittag ruhten sich Teile dies Teams aus und andere machten mit den frisch angekommenen Arbeitsutensilien noch letzte Vorbereitungen für Donnerstag.
Am Mittwochabend ging es dann zum Eröffnungsempfang und Erhalt der gegnerischen Memos in die Domäne Dahlem nahe der FU Berlin. Als es dann an die Auslosung der Vorrundenpaarungen ging, war mancher geneigt von mangelndem Düsseldorfer Losglück zu sprechen. Als Gegner wurden neben Mainz und München (Düsseldorf als Respondent) sowohl Jena und Heidelberg (Düsseldorf Applicant) als Gegner zugelost. Zu behaupten diese Auswahl hätte uns unbeeindruckt gelassen, wäre gelogen. Jedoch war der Tenor am Mittwochabend einstimmig die Auslosung als Herausforderung anzunehmen und sich nicht schon vor einer nicht bekannten und nur vermuteten Papierform zu ergeben. Somit machten sich alle Teamteile nach dem netten Empfang mit rockiger Einlage des Prodekans der FU an das Studium der gegnerischen Schriftsätze und den allerletzten Feinschliff.
Da die Nacht für alle kurz war und manche noch ein wenig gesundheitlich angegriffen waren, fuhren Christina und Simon mit Sebastian am Donnerstag alleine zum ersten Pleading gegen die LMU München um 10.30 Uhr. Richter dieser Begegnung waren der Völkerrechtler Prof. Dr. Oeter und die BIT Spezialisten Tillmann Braun aus dem BMWi und Frau Dr. Nacimiento von White & Case. Trotz aller Aufregung konnte das Düsseldorfer Team dieses Auftaktmatch im Endeffekt für sich entscheiden. Am Nachmittag um 16.00 Uhr stand dann das erste Applicant Team bestehend aus Sarah und Tessa gegen Heidelberg auf dem Prüfstand des gefürchteten Mr. Hypothetical Stephan Wilske von Gleiss Lutz („Let’s assume hypothetically…“), der jungen Salzburger Völkerrechtsprofessorin Kerstin Schmalenbach und einem ehemaligen deutschen Botschafter, der sich zur Verwunderung ALLER Beteiligten zu einem kurzen Exkurs über aktuelle Bestechungsfälle im internationalen geschäftlichen Verkehr hinreißen ließ. Trotz eines sehenswerten Matchs und sehr ordentlichen Einzelscorings setzte sich der spätere Gesamtzweitplatzierte Heidelberg durch. Der Abend gestaltete sich erwartungsgemäß ruhig, da Christina und Simon Freitag schon um 9.15 Uhr das zweite Respondentmatch gegen Mainz auszutragen hatten.
Gegen Mainz war dann das ganze Team früh auf den Beinen und in Schale geschmissen. Richter dieser Begegnung waren der Wirtschaftsvölkerrechtler Prof. Dr. Tietje, sowie die Beisitzer Prof. Cryer aus Birmingham und Dr. Oehlers-Frahm vom Max-Planck-Institut für Völkerrecht in Heidelberg. Das Match entwickelte sich schnell zu einer extrem knappen auf Augenhöhe geführten Verhandlung in der beide Seiten von der überraschend hartnäckigen Richterbank in arge Bedrängnis gebracht wurden. Insbesondere der zweite Mainzer Counsel beeindruckte durch seinen vollständig freien Vortrag und punktete verdientermaßen auch am höchsten von allen Vieren. Leider hatte Mainz im Gesamtscoring bei allen drei Judges die Nase knapp vorn, weshalb die Partie an die Rheinland-Pfälzer ging.
Am Freitagmittag ging es dann schon im letzten Match gegen das Respondent Team aus Jena. Gegen eine Richterbank, die nicht wirklich tief im Fall eingelesen war und auch ansonsten durch oberflächliche Völkerrechtskenntnisse glänzte, leisteten Janine und Tessa als Applicant gute Arbeit, jedoch konnten die perfekt vorbereiteten Jenaer ohne großen Druck der Richter schalten und walten wie es ihnen beliebte. Daher setzte sich der spätere Gesamtsieger auch gegen das Düsseldorfer Team durch und sicherte sich damit den Einzug in das Halbfinale. Für Düsseldorf bedeutete dies das Ausscheiden aus dem Wettbewerb, welches dann am Abend beim Empfang bei Freshfields am Potsdamer Platz offiziell wurde. Für die Halbfinals qualifizierten sich neben Jena und Heidelberg Göttingen und die FU Berlin. Natürlich war das Ergebnis nach all der Zeit ernüchternd, jedoch nahm man es mit Sportsgeist und dem Wissen „Es ist vorbei!“, was nach 6 Monaten Hochdruck und Anstrengung doch ein nicht zu unterschätzendes Gefühl ist. Auch wenn es in dem Moment ein schwacher Trost war, so lobten die Richter Wilske, Schmalenbach und Oellers-Frahm einmütig das Team – oft gehörte Worte waren „das homogenste Team“, „tolles Teamwork“, „ausgezeichnetes Englisch“, „prima vorbereitet“. Schade, dass dies nicht zum Weiterkommen gereicht hat, aber die Erfahrung der intensiven sechs Monate will last for lifetime … und in die USA mussten wir nach den lehrreichen Wochen auch jetzt nicht unbedingt noch ein zweites Mal.
Der letzte volle Tag der 16-tägigen Reise stand weitestgehend zur individuellen Verfügung, was am Morgen shoppen und ausschlafen bedeutete – je nach Abendgestaltung. Am Nachmittag schaute sich das Team dann geschlossen das Finalen Jena und Heidelberg im großen Plenarsaal des Kammergerichts Berlin an, welches von drei aktuellen ICJ Richtern durchgeführt wurde und insgesamt eineinhalb Stunden dauerte. Anschließend wurde sich dann für das feierliche Abschlussevent im Meistersaal am Potsdamer Platz schick gemacht, bei dem das Düsseldorfer Team in Abendgarderobe glänzte und die deutsche Modehauptstadt würdig repräsentierte. An die feierliche Verleihung der Awards schlossen sich viele interessante und anregende Gespräche an.
Dieser Abend war der krönenden Abschluss unser mehrerer tausend Kilometer und bis dahin schon 370 Stunden dauernden Reise einmal über den Teich und ein wenig weiter wieder zurück. Als wir dann am Sonntagmittag in den ICE nach Düsseldorf stiegen, war die Heimat ja auch nur noch eine kurze Bahnfahrt entfernt…
Heute sagen wir: Danke Thorsten und Sebastian, wir haben so einiges fürs Leben gelernt!