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Moot-Tradition in Düsseldorf

by Thorsten Henze last modified 2011-09-11 12:18

Vindobona? Arbitration? Counsels Fasttrack und Langweiler?
Es gab eine Zeit, da sorgten diese Namen und Orte in der Düsseldorfer Moot Court Gemeinde lediglich für ein Achselzucken oder eine gerunzelte Stirn. Klar – Wien ist eine tolle Stadt. Und Arbitration, das war doch diese alternative Streitbeilegungsform, oder?

Aber Moot Courts – diese waren in Düsseldorf seit Jahren reserviert für die Gebiete des Völkerrechts mit dem Phillip C. Jessup und dem Telders International Law Moot Court.

Dabei hatte sich Anfang der 90er Jahre zunächst recht unbemerkt ein neuer Wettbewerb mit 11 teilnehmenden Universitäten aufgemacht, Jahr für Jahr immer mehr Studierende aus aller Welt in seinen Bann zu ziehen und alljährlich im frühlingshaften Wien seinen Abschluss in einer großen Finalrunde zu finden.
Der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court, 1993 begründet von Eric E. Bergsten, Willem C. Vis und mit großer Unterstützung von UNCITRAL gefördert, setzte sich zum Ziel, die stark öffentlich-rechtliche Prägung der internationalen Moot Wettbewerbe zu durchbrechen und stattdessen mit dem UN-Kaufrecht und dem internationalen Schiedsverfahrensrecht einen stärker zivil- beziehungsweise wirtschaftsrechtlich orientierten Kurs einzuschlagen. 

Dass dieser im Gründungsjahr unserer Fakultät erstmalig ausgetragene Wettbewerb über kurz oder lang auch seinen Weg nach Düsseldorf finden würde, war klar. Dies dachte sich schließlich im Jahr 2005 auch eine Gruppe von sechs Düsseldorfer Studenten, die in Prof. Elsing aus der Düsseldofer Praxis schnell eine Größe aus dem Gebiet der Schiedsgerichtsbarkeit als begeisterten Unterstützer fanden. Für Rückendeckung seitens der Fakultät konnte Prof. Noack gewonnen werden, sodass einer ersten Teilnahme Düsseldorfs am Vis, wie er schnell nur noch hieß, nichts mehr entgegen stand. Gemeinsam mit über 150 Teams aus der ganzen Welt feierte die „University of Düsseldorf“ damit im Frühjahr 2006 erfolgreich Premiere in Wien.

Dass dies nicht die einzige Teilnahme Düsseldorfs sein sollte, war schnell ausgemacht. Entsprechend machte sich auch im folgenden Jahr ein Team aus 8 Studenten auf, um sich vor „honorable tribunals“ um Fragen von Schadensersatz und zuständigen Schiedsgerichten zu streiten. Dazu viel ins das Jahr 2007 auch die erste Teilnahme am Willem C. Vis East in Hong Kong, der asiatischen Schwester des Wettbewerbs.

Seit dem nimmt Düsseldorf ununterbrochen erfolgreich am Vis teil und konnte in den letzten 5 Jahren neben zahlreichen „Honorable Mentions“ sowohl für die Plädoyers der einzelnen Teilnehmer als auch Auszeichnungen für exzellente Schriftsätze bis zum 5. Platz aus nunmehr bereits 262 teilnehmenden Teams vorstoßen.

Doch nicht nur das Abschneiden in Wien, sondern auch das Umfeld in Düsseldorf hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung in Sachen Vis Moot Court Begeisterung erlebt – standen den Pionieren 2006 eine handvoll Kanzleien in Düsseldorf zur Seite, gibt es inzwischen ein dichtes Netzwerk an Sponsoren, die sowohl finanziell als auch nicht zuletzt ideell durch Korrekturen der Schriftsätze und das Veranstalten von Probepleadings ganz entscheidend den Erfolg der Düsseldorfer Teams den Boden bereiten.

Diese schnell gefundene Unterstützung in der Düsseldorfer Praxis mündete schließlich 2008 in der Entstehung der Düsseldorf Pre-Moot Rounds, organisiert durch die DIS40, den Freundeskreis der Juristischen Fakultät und die DMA. Seitdem ist Düsseldorf selbst zu einem Fixpunkt der internationalen Vis Moot Court Gemeinde geworden und bietet in der Woche vor dem großen Finale die Chance für einen letzten Test – und natürlich die Gelegenheit zum ausgelassenen Feiern von Wettbewerb und Teams.